Ein Mann liegt mit Schlafbrille im dunklen Schlafzimmer im Bett.© EvgeniyShkolenko/iStock/Getty Images Plus
Viele ME/CFS-Betroffene können jahrelang nur im abgedunkelten, stillen Zimmer liegen, weil Licht und Geräusche Schmerzen und Erschöpfung auslösen.

ME/CFS-Biomarker?

BEI CHRONISCHEM ERSCHÖPFUNGSSYNDROM IST EIN IONENKANAL DEFEKT

Das chronische Erschöpfungssyndrom, abgekürzt ME/CFS, betrifft seit der Corona-Pandemie viele Menschen. Was genau die Auslöser sind und was dabei im Körper passiert, weiß man noch nicht. Jetzt gibt es Neuigkeiten.

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Das Chronische Erschöpfungssyndrom betrifft in Deutschland Schätzungen zufolge rund 650000 Menschen. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl stark gestiegen. Weil der Pathomechanismus unbekannt ist, vergeht oft lange Zeit bis zu einer sicheren Diagnose. Die wissenschaftlich als Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS) bezeichnete Erkrankung schränkt Betroffene stark ein durch krankhafte Erschöpfung, Schmerzen und kognitive Probleme. Eine Behandlung gibt es bisher nicht.

Einen Lichtblick für Betroffene des chronischem Erschöpfungssyndroms stellt jetzt eine Studie aus Australien dar. Sie zeigt erstmals, dass bei ME/CFS ein Ionenkanal in Immunzellen nicht richtig arbeitet.

Was verursacht das chronische Erschöpfungssyndrom?

Was genau das chronische Erschöpfungssystem auslöst, ist bisher unbekannt. Daher kann man es auch nicht im Körper nachweisen oder anderweitig sicher feststellen. Die Beschwerden Betroffener werden oft als psychosomatisch abgetan und es vergehen Jahre bis zu einer sicheren Diagnose.

Jetzt zeigt ein Team um Etianne Sasso von der Griffith University in Australien: Bei chronischem Erschöpfungssyndrom ist ein Ionenkanal in Immunzellen defekt.

T-Zellen bei ME/CFS-Betroffenen defekt

Das Team untersuchte 36 Blutproben von Betroffenen des chronischen Erschöpfungssyndroms und verglich sie mit denen von 42 gesunden Menschen. Die Forschenden isolierten die natürlichen Killerzellen, eine bestimmte Fraktion der Immunzellen.

Dabei fanden sie heraus, dass ein Ionenkanal namens Transient Receptor Potential Melastatin 3 (TRPM3) in den Immunzellen Betroffener nicht richtig funktionierte. Schon länger bestand der Verdacht, dass TRPM3 bei chronischem Erschöpfungssyndrom eine Rolle spielen könnte.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Behandlung in Sicht?

Für das chronische Erschöpfungssyndrom gibt es bisher weder eine wirksame Behandlung noch einen sicheren Biomarker. Die Erkenntnisse zu TRPM3 könnten beides möglich machen.

Denn dieser Ionenkanal arbeitet in Betroffenen von ME/CFS nur stark eingeschränkt. Er regelt den Calciumtransport in den betreffenden Immunzellen, und Calcium-Signale sind für die gesunde Aktivität dieser unverzichtbar.

Co-Autorin Sonya Marshall-Gradisnik sieht in den gefundenen Ergebnissen „klare und eindeutige wissenschaftliche Beweise“, dass bei chronischem Erschöpfungssyndrom dieses Protein nicht richtig funktioniert. Eine mögliche Behandlung von ME/CFS könnte sich also auf diesen Ionenkanal konzentrieren.

Das Team hat die Untersuchungen zur Absicherung in mehreren unabhängigen Laboren durchgeführt. Und überall das gleiche Ergebnis erzielt. „Das bestätigt TRPM3 als konsistenten Biomarker für ME/CFS“, schreiben die Forschenden. Zukünftig könnten Tests auf die Funktionsfähigkeit des Ionenkanals das chronische Erschöpfungssyndrom erstmals sicher diagnostizieren.

Nachweis von ME/CFS möglich

Um ME/CFS erstmals wirksam zu behandeln, muss noch mehr über den genauen Mechanismus hinter dem chronischen Erschöpfungssyndrom herausgefunden werden. Ein möglicher Ansatzpunkt könnten die Erkenntnisse aus Australien sein. Wenngleich ME/CFS nicht in absehbarer Zeit geheilt werden kann, lassen sich möglicherweise aber die Beschwerden lindern und die Lebensqualität Betroffener verbessern.

Dass es jetzt erstmals einen sicheren Biomarker für das chronische Erschöpfungssyndrom gibt, dürfte die Diagnostik beschleunigen. Und das Verständnis für die Erkrankung vorantreiben.

Quellen:
https://www.wissenschaft.de/gesundheit-medizin/chronisches-erschoepfungssyndrom-defekter-ionenkanal-als-biomarker/
Etianne Martini Sasso, Teagan S. Er, Natalie Eaton-Fitch, Livia Hool, Katsuhiko Muraki, Sonya Marshall-Gradisnik: „Large-scale investigation confirms TRPM3 ion channel dysfunction in Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome”, Frontiers in Medicine, 8. Januar 2026.
https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2025.1703924/full
https://www.mecfs.de/daten-fakten/

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