Grafische Darstellung einer Frau in blau mit orangenen Blitzen um ihren Kopf© Mary Long / iStock / Getty Images Plus
Borderline Betroffene leiden unter extremen Stimmungsschwankungen, die blitzartig auftreten können.

Persönlichkeitsstörung

BORDERLINE ERKENNEN: SYMPTOME VERSTEHEN, RICHTIG HANDELN, GEZIELT HELFEN

Borderline erkennen ist oft nicht leicht – Betroffene fĂŒhlen intensiv und sprunghaft. Wie Angehörige mit den extremen Stimmungsschwankungen umgehen können und welche Therapieformen helfen, lesen Sie hier.

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Von einem auf den anderen Moment braut sich ein Orkan aus extremen GefĂŒhlen zusammen – der einen mitreißt: Das ist Alltag fĂŒr viele, die von Borderline betroffen sind.

Emotionen schlagen mitunter blitzartig um, dazu kommt ein hohes Level an innerer Anspannung. „Typisch sind die starke Angst vor dem Verlassenwerden, Selbstverletzungen oder riskantes Verhalten wie zum Beispiel Rasen auf der Autobahn“, beschreibt die Psychotherapeutin Professor Petra Beschoner. Solche Verhaltensweisen zĂ€hlen zu den typischen Borderline Symptomen.

Borderline Symptome zeigen sich oft geschlechtsspezifisch unterschiedlich

MĂ€nner und Frauen zeigen mitunter unterschiedliche Borderline Symptome:

  • Frauen tendieren eher zu Selbstverletzungen. Bei ihnen stehen oft die emotionale InstabilitĂ€t und konfliktreiche Beziehungen im Vordergrund.
  • MĂ€nner mit Borderline richten ihr Verhalten tendenziell eher nach außen, was sich in Aggressionen, Drogenkonsum oder Raserei ausdrĂŒcken kann.

Diese unterschiedlichen Ausdrucksformen sind ebenfalls wichtig, wenn man Borderline erkennen möchte.

Wie entsteht eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Auf eine einzige Ursache lĂ€sst sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung meist nicht zurĂŒckfĂŒhren. Neben der Genetik spielen auch biografische Erfahrungen und Umweltbedingungen eine Rolle. „Traumatische Erlebnisse, Missbrauch, VernachlĂ€ssigung oder fehlende Bindungen in der Kindheit verstĂ€rken das Risiko erheblich“, so Petra Beschoner.

Klar ist: Das Gehirn von Borderline-Betroffenen arbeitet anders als das gesunder Menschen – ein Aspekt, der beim Borderline erkennen mitgedacht werden sollte.

  • Die Amygdala ist aktiver. In diesem Bereich passiert die Verarbeitung von Emotionen.
  • Der prĂ€frontale Kortex ist beeintrĂ€chtigt. Er ist unter anderem fĂŒr die Impulskontrolle zustĂ€ndig.

So lĂ€sst sich das Gehirn von Borderline-Betroffenen mit einem hochempfindlichen Alarmsystem vergleichen, das GefĂŒhle schnell und heftig ausschlagen lĂ€sst.

Umgang mit Borderline in Beziehungen: StabilitÀt statt Drama

Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung wirkt sich auch auf zwischenmenschliche Beziehungen aus. Denn mitunter sehnen sich Menschen mit Borderline in einem Moment nach NĂ€he und idealisieren ihr GegenĂŒber – stoßen es kurz danach aber zurĂŒck.

Wie gelingt ein guter Umgang mit Borderline? Petra Beschoners Rat:

Partner und Angehörige sollten versuchen, wie ein Fels in der Brandung zu sein – ruhig, klar und stabil.

Auch wenn es schwerfĂ€llt, sollten sie emotionale AusbrĂŒche nicht persönlich nehmen, sondern sich klarmachen: Dahinter steckt eine Erkrankung.

Außerdem rĂ€t die Expertin dazu, die GefĂŒhle der betroffenen Person nicht kleinzureden, sondern sie anzuerkennen und VerstĂ€ndnis zu zeigen.

Wichtig ist auch, auf die eigene psychische Gesundheit zu achten. Wer im engen Kontakt mit einer betroffenen Person steht, sollte sich erlauben, Auszeiten zu nehmen, Selbsthilfegruppen aufzusuchen oder therapeutische UnterstĂŒtzung anzunehmen – das gehört ebenfalls zu einem gesunden Umgang mit Borderline.

Borderline Behandlung: Therapie statt RĂŒckzug

Wie bei jeder anderen psychischen Erkrankung gilt auch hier: Familie und Freunde können zwar unterstĂŒtzen – professionelle Hilfe können sie aber nicht ersetzen. Es gibt Strategien, um besser mit dem Orkan aus GefĂŒhlen zu leben.

„Am wirksamsten sind Therapien, die gezielt den Umgang mit GefĂŒhlen und Beziehungen trainieren“, so Beschoner. Ein Beispiel fĂŒr eine bewĂ€hrte Borderline Behandlung ist die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT): Diese Form der Verhaltenstherapie hilft Betroffenen, Emotionen zu regulieren und Krisen ohne Selbstverletzung zu meistern.

WĂ€hrend der Therapie können auch Medikamente als StĂŒtze hilfreich sein. Mittel speziell gegen Borderline gibt es zwar nicht – einzelne Symptome wie Angst, ImpulsivitĂ€t und Depression lassen sich aber durch entsprechende Medikamente lindern. Auch das gehört zur individuellen Borderline Behandlung.

Quelle: dpa

 

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