Rote Bete mit ZiegenkÀse und Salat © 5PH / iStock / Getty Images Plus
Rote Bete und ZiegenkĂ€se sind eine klassische Kombination, die erdige SĂŒĂŸe mit sĂ€uerlich-cremigen Noten verbindet.

RĂŒbe

ROTE BETE IM SKANDI- UND CARPACCIO-STYLE

In Labskaus, als Salat oder Beilage zu Klopsen spielte Rote Bete lange eine Nebenrolle. Doch da geht mehr. Warum aus der Knolle nicht auch Carpaccio, Eintopf oder sogar Brownies zubereiten?

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Tiefrot und erdig, mal sauer eingelegt oder akkurat gewĂŒrfelt: Rote Bete waren nie laut, aber immer da – vor allem als deftige deutsche Hausmannskost. Doch wie kaum ein zweites GemĂŒse hat sich die rote Knolle neu erfunden, nicht nur Dank modern denkenden und findigen KĂŒnstlern am Herd, sondern auch EinflĂŒssen von Nachbarn um uns herum. Das zeigen Beispiele aus dem hohen Norden oder aus den Voralpen.

Die sĂŒdschwedische Provinz SkĂ„ne ist die Korn-, Obst- und GemĂŒsekammer Schwedens. Typisch sind Äpfel von der OstkĂŒste, aber im Winter eben auch WurzelgemĂŒse wie Pastinaken und Rote Bete: Sie wachsen nicht nur gut im kĂŒhlen Norden, sondern lassen sich auch leicht haltbar machen, beispielsweise indem man sie in Essig einlegt.

Rote Bete mal anderes genießen

„Inlagda rödbetor“, also eingelegte Rote Bete, sind typisch fĂŒr Schweden. Die Herkunft des Gerichts stammt aus der Zeit, als es noch keine KĂŒhlschrĂ€nke gab, man aber eben auch GemĂŒse fĂŒr den Winter haltbar machen wollte. Nun mag aber nicht jeder sauer eingelegtes GemĂŒse.

Die Alternative: Aus Rote Bete einfach ein Carpaccio oder einen deftigen Eintopf fabrizieren. „Rustikale Gerichte wie Eintöpfe sind typisch fĂŒr SkĂ„ne“, bringt es Anita Zieme, Inhaberin des Restaurants „Anita im Börringekloster“, etwa eine Autostunde entfernt von Malmö im Landesinneren, auf den Punkt. Die Leute haben körperlich gearbeitet und mussten satt werden. Und so finden sich auf dem Mittagsbuffet ihres Restaurants neben gehaltvollen Speisen wie KĂ„lpudding (Hackbraten mit Kohl) eben besagter Rote-Bete-Eintopf.

Rote-Bete-Eintopf Ă  la Anita Zieme

Der erste Arbeitsschritt ist der wichtigste: Die rohen Rote-Bete-Knollen in grobe StĂŒcke zerkleinern und anschließend ordentlich garen, damit sie beim Essen nicht mehr zwischen den ZĂ€hnen knacken. Und das braucht seine Zeit. So geht man vor, um den Zieme-Eintopf nachzukochen:

  1. 1 bis 2 Esslöffel Olivenöl in einem großen Topf erhitzen, 500 frische rohe Rote Bete und 150 Gramm Möhren grob zerkleinern und im Öl anschmoren. Alternativ kann man das WurzelgemĂŒse auch im Ofen eine halbe Stunde backen. DafĂŒr schwenkt man vorab das GemĂŒse im Topf mit dem Olivenöl und etwas Salz und gibt die GemĂŒsestĂŒcke dann aufs Blech.
  2. Etwas spĂ€ter, so nach 20 Minuten, 200 Gramm Champignons, 250 Gramm Lauch und 1 Zwiebel in den Topf geben, sodass diese auch leicht brĂ€unen. Danach 1 PilzbrĂŒhwĂŒrfel oder falls vorhanden getrocknete Pilze, zum Beispiel Steinpilze oder Totentrompeten, 1/2 Teelöffel getrockneten Thymian, 1 Prise Salz, 2 Prisen schwarzer Pfeffer, 1 bis 2 Esslöffel groben Senf und 1 Teelöffel Sojasoße kurz unterrĂŒhren und 400 bis 500 Milliliter Wasser dazugeben. Deckel auf den Topf und zehn bis 15 Minuten köcheln lassen.
  3. 1 bis 2 Esslöffel StĂ€rke oder alternativ Soßenbinder in etwas kaltem Wasser auflösen und ebenfalls in den Eintopf geben, kurz aufkochen, damit der Eintopf eindickt. Abschließend abschmecken und mit Petersilie bestreuen.

Denkbar ist es auch, den Rote-Bete-Eintopf mit Pastinaken- und KĂŒrbisstĂŒcken zu mischen. Auch fĂŒr dieses GemĂŒse gilt: am besten vorher anschmoren.

Zieme garniert den fertigen Eintopf noch mit ein paar GrĂŒnkohlblĂ€ttern. Das grĂŒne, eher herb schmeckende WintergemĂŒse passe perfekt zur sĂŒĂŸlichen Rote Bete und bilde einen schönen farblichen Kontrast, findet die Köchin.

Rote-Bete-Carpaccio aus gekochten Knollen

Eine kulinarische Überraschung bietet ein Rote-Bete-Carpaccio. Nicht nur, weil es super schnell und einfach zuzubereiten ist, sondern weil es auch hervorragend schmeckt. Lesen Sie Schritt fĂŒr Schritt, was Anita Zieme aus 2 vorgekochten Rote Bete, 50 Gramm Sonnenblumenkernen, 50 bis 60 Gramm geriebenem HartkĂ€se, 3 bis 4 ordentlichen Spritzern Olivenöl, frischen KrĂ€utern sowie etwas Salz und Pfeffer macht:

  1. Die gekochte Rote Bete in feine Scheiben von etwa zwei Millimetern schneiden und auf einem großen, flachen Teller anrichten. Etwas salzen und je nach Geschmack pfeffern.
  2. Olivenöl ĂŒber die Scheiben verteilen, anschließend den geriebenen KĂ€se darĂŒber streuen.
  3. Die Sonnenblumenkerne in der Pfanne rösten und ebenfalls großzĂŒgig ĂŒber die Rote Bete verteilen. Mit KrĂ€utern garnieren, die man im Idealfall im Garten je nach Jahreszeit beziehungsweise auf der Wiese findet, etwa zum Beispiel BlĂ€tter von Schafgarbe, Sauerklee, BlĂ€tter wilder Erdbeere oder Vogelmiere – fertig ist Deko fĂŒrs Carpaccio. Zieme: „Ich koche gerne mit dem, was vor meiner HaustĂŒr wĂ€chst.“

Auch Claudia Kursawe, Chefköchin des Restaurants „Donnersmarkt“ im Hotel Almanac in Wien, mag Rote Bete als Carpaccio. Als Vertreterin der sogenannten Plantforward-KĂŒche, also dem Kochen mit viel GemĂŒse und HĂŒlsenfrĂŒchten, ohne Fleisch vom Teller zu verbannen, nimmt sie im Herbst und Winter regelmĂ€ĂŸig WurzelgemĂŒse auf die Speisekarte.

Sie kocht mit Roter Bete, Pastinaken, SteckrĂŒben und Schwarzwurzeln, bringt aber gerne auch eher unbekanntes WurzelgemĂŒse wie Gelbe und Weiße Bete, MairĂŒbe sowie Ringelbete, auch Chiogga-RĂŒbe genannt, auf den Teller. „Die GĂ€ste sind hĂ€ufig ĂŒberrascht, wie gut ihnen Rote Bete und WurzelgemĂŒse ĂŒberhaupt schmecken kann. Außerdem macht gerade die knallrote Rote Bete optisch viel her“, erzĂ€hlt die gebĂŒrtige Dresdnerin, die seit zehn Jahren in der österreichischen Hauptstadt lebt und arbeitet.

Unschlagbares Duo: Rote Bete mit ZiegenkÀse kombiniert

Beim Carpaccio kombiniert sie im Ofen gegarte Rote Bete gerne mit ZiegenkĂ€se und ergĂ€nzt sie mit einem grĂŒnen Salat, Brunnenkresse und oder Vogelmiere sowie gerösteten HaselnĂŒssen. Kursawes Tipp: ein Dressing aus Olivenöl, Honig, Salz und Pfeffer.

FĂŒr das Schmoren der Roten Bete im Ofen zur weiteren Verwendung empfiehlt Kursawe aus zwei GrĂŒnden, die Rote Bete nicht zu schĂ€len:
1. Tritt beim SchÀlen viel Saft aus, die Gefahr von Flecken ist sehr hoch.
2. Konserviert die Schale die Feuchtigkeit wÀhrend des Schmorens.

„Es dauert schon eine Stunde, bis Rote Bete weich ist. Mit Schale wird der Geschmack intensiver, das erdige und sĂŒĂŸe Aroma der Rote Bete bleibt so besser erhalten“,

findet Kursawe. Statt dem SchĂ€len setzt die Köchin auf eine sehr grĂŒndliche Reinigung der rohen Knollen mit einer BĂŒrste.

Rote Bete in der Schale schmoren und Aroma erhalten

FĂŒr Freunde von Röstaromen hat Kursawe noch einen weiteren Tipp: Chips aus Roter Bete. DafĂŒr schneidet sie rohe Rote Bete in zwei Millimeter dicke Scheiben, blanchiert diese kurz, lĂ€sst sie 45 Minuten trocknen und frittiert die Scheiben abschließend in 150 Grad heißem Öl. „Der Zucker der Rote Bete karamellisiert dann“, erklĂ€rt Kursawe.

Und: Das funktioniere laut der Köchin auch mit allem anderen WurzelgemĂŒse. Vom Brutzeln der Chips im Ofen rĂ€t die Köchin ab, da die dĂŒnnen Scheiben dort eher verbrennen.

Doch damit ist Claudia Kursawe noch lĂ€ngst nicht mit ihrem Rote-Bete-Latein am Ende. Sie hat noch einen Geheimtipp: In die Schokoladenmasse vom Brownie-Teig lassen sich wunderbar Rote Bete raspeln. Das hat zwei Nebeneffekte: Die Brownies werden schön saftig – und gemĂŒseverachtende Kinder merken gar nicht, dass sie Rote Bete essen.

Quelle: dpa

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