Neugeborenes Baby in Krankenhausbett© BbenPhotographer / iStock / Getty Images Plus
Dank moderner Medizin haben Frühgeborene heute gute Überlebenschancen – doch eine aktuelle Langzeitstudie zeigt, dass einige im Erwachsenenalter mit Problemen zu kämpfen haben.

Neonatologie

HABEN EHEMALIGE FRÜHCHEN SPÄTER PROBLEME IM LEBEN?

Dank moderner Medizin überleben heute viele Kinder, die viel zu früh geboren werden. Doch haben Frühchen Probleme im Leben? Die meisten haben gute Chancen, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

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Menschen, die mit einem sehr niedrigen Geburtsgewicht oder deutlich vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kamen, haben inzwischen gute Chancen auf ein glückliches, gesundes und erfülltes Leben als Erwachsene. Das ergibt eine Langzeitstudie der britischen Universität Warwick mit Teilnehmer*innen aus Bayern, die im Fachjournal „JAMA Paediatrics“ veröffentlicht wurde.

Für die Langzeitstudie haben die Forschenden 34 Jahre lang vor allem die soziale Entwicklung von Menschen beobachtet, die sehr früh oder mit geringem Gewicht geboren wurden. An der Untersuchung nahmen 416 Menschen teil, etwa die Hälfte davon Frühgeborene. Ob Frühchen Probleme im Leben haben, wurde hier genau untersucht. Es handelt sich um eine der längsten Studien dieser Art weltweit.

Langzeitstudie zeigt: Ein Fünftel der Betroffenen hat Probleme

Allerdings: Etwa jede fünfte teilnehmende Person der Langzeitstudie, die vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm (g) zur Welt kam, hat Schwierigkeiten im Erwachsenenalter. Solche Probleme von einstigen Frühchen im späteren Leben betreffen oft Geld, Freundschaften und Partnerschaften.

Medizinisch betrachtet spielt laut der Langzeitstudie vor allem der Intelligenzquotient (IQ) eine Rolle, wenn Frühchen Probleme im Leben entwickeln. Früheren Studien zufolge nehme der IQ vor der 33. Schwangerschaftswoche pro Woche um 2,3 Punkte ab, sagt Warwick-Professor Dieter Wolke, der Leiter der Untersuchung.

Einige Ex-Frühchen haben ein schweres Leben

Elif Gönen vom Institut für Psychologie an der Universität Warwick ergänzt: „Unsere Daten zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der sehr frühgeborenen oder mit sehr geringem Geburtsgewicht geborenen Kinder in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Funktionsfähigkeit aufwiesen.“ 18 Prozent jedoch schnitten hierbei schlecht ab und zeigten als ehemalige Frühchen Probleme im Leben – verglichen mit nur 1,5 Prozent bei den Menschen, die reif geboren wurden.

Wolke, der lange Zeit auch in München forschte, bilanziert die Ergebnisse: „Es gibt jedoch eine beträchtliche Minderheit, die nach wie vor mit echten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Und diese Menschen berichten uns, dass ihr Leben schwer und nicht besonders erfüllend sei.“ Dass manche Frühchen Probleme im Leben haben, lässt sich demnach nicht von der Hand weisen.

Ergebnisse auf Gesamtdeutschland übertragbar

Die Ergebnisse seien durchaus auf Gesamtdeutschland übertragbar, sagte Wolke. Die medizinischen Einrichtungen und die Organisation der Pflege von Neugeborenen seien überall in Deutschland vergleichbar – wenngleich sie international, etwa hinter Finnland, zurücklägen. Somit können auch hierzulande Frühchen Probleme im Leben erfahren.

Frühgeborene haben dank moderner medizinischer Möglichkeiten inzwischen deutlich höhere Überlebenschancen als früher. Die Gesellschaft könne von einem noch stärkeren Fokus auf geistige Entwicklung im frühkindlichen Stadium profitieren, erklären die Forschenden. So ließe sich verhindern, dass Frühchen Probleme im Leben davontragen.

Quelle: dpa

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