Eingang einer Apotheke mit Glasfassade. Davor stehen Fahrräder und Roller.© jokuephotography / iStock / Getty Images Plus
Die Anhebung eines Fix-Honorars für Apotheken soll im Frühjahr auf den Weg gebracht werden.

APOTHEKENVERGÜTUNG: HONORARPLUS SOLL IM FRÜHJAHR KOMMEN

Die Apothekenvergütung soll steigen: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigt eine Anhebung des Fix-Honorars an. Doch SPD und Krankenkassen knüpfen das Vorhaben an Bedingungen – und auch die geplante Apothekenreform spielt eine zentrale Rolle.

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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken will eine zunächst zurückgestellte Erhöhung der Apothekenvergütung angehen. Die Anhebung des Fix-Betrags pro Medikamentenpackung werde kommen, sagte die CDU-Politikerin im Bundestag.

Eine Verordnung dafür werde „im Frühjahr“ auf den Weg gebracht. Mit der geplanten Anpassung der Apothekenvergütung soll insbesondere das Fix-Honorar Apotheke steigen. Die mitregierende SPD sicherte ebenfalls die Umsetzung des in der Koalition vereinbarten Aufschlags zu. Sie pocht aber auf eine Einbettung in eine nötige finanzielle Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherungen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begrüßte es, dass die Anhebung der Apothekenvergütung nun konkret versprochen werde.

Die Apotheken fordern eine Reform der Apothekenvergütung seit Jahren und wollen am 23. März mit einem Protesttag Druck dafür machen.

Konkret geht es darum, einen lange nicht erhöhten Fix-Bestandteil des Honorars – also das Fix-Honorar für die Apotheke – von 8,35 Euro pro Packung auf 9,50 Euro anzuheben. Warken hatte die Umsetzung der höheren Apothekenvergütung im vergangenen Jahr aber zunächst auf Eis gelegt – wegen erwarteter Mehrkosten von jährlich einer Milliarde Euro für die Kassen.

Mit der geplanten Anpassung der Apothekenvergütung soll insbesondere das Fix-Honorar Apotheke steigen.

Fix-Honorar für die Apotheke: SPD will zuerst Kassen-Finanzen stabilisieren

SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis erklärte, seine Fraktion stehe zur Zusage im Koalitionsvertrag. Er betonte zugleich die Verantwortung für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung (GKV), die für 2027 eine Milliarden-Lücke erwarte. „In einer solchen Lage können zusätzliche Ausgaben nicht isoliert betrachtet werden.“ Eine Erhöhung beim Fix-Honorar für die Apotheke im Rahmen der Apothekenvergütung könne es nur in einer „beitragsstabilen“ Ausgestaltung geben. „Erst müssen wir die GKV-Finanzen konsolidieren, dann schaffen wir verlässliche Spielräume.“

Die gesetzlichen Kassen warnten vor pauschalen Anhebungen bei der Apothekenvergütung. „Bei der derzeitigen Situation der gesetzlichen Krankenversicherung wäre es gar nicht darstellbar und nicht zielführend, das Geld der Beitragszahlenden mit der Gießkanne über alle Apotheken im Land zu verteilen“, sagte die stellvertretende Chefin des Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis.

Damit die Menschen in der Stadt und auf dem Land auch künftig gleichermaßen gut versorgt seien, brauche es eine differenzierte Vergütung. Auch beim Fix-Honorar für die Apotheke müsse genauer hingeschaut werden.

Apothekensterben: Mehr Honorar für Apotheken auf dem Land?

Von einer pauschalen Erhöhung pro Packung im Rahmen der Apothekenvergütung würden besonders Apotheken in Ballungsräumen profitieren, die ohnehin wirtschaftlich stark seien, erläuterte Stoff-Ahnis. Das Apothekensterben treffe Regionen unterschiedlich stark. „Es macht einen großen Unterschied, ob täglich mehrere hundert Menschen in einer Apotheke im Hamburger Hauptbahnhof oder nur ein Bruchteil davon in der Apotheke in der Uckermark ihr Rezept einlösen.“ In den Blick müssten vor allem strukturschwache Regionen.

Daher müsse es möglich sein, das Fix-Honorar Apotheke für wirtschaftlich starke Apotheken auch abzusenken, um dem Apothekensterben gezielt zu begegnen.

„Das Apothekensterben trifft die Regionen unterschiedlich stark“.

Abda-Präsident Thomas Preis betonte dagegen: „Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass nur die Apotheken in strukturschwachen Regionen oder Landapotheken vom Apothekensterben betroffen seien.“ Das Apothekensterben sei ein bundesweites Problem. Alle Apotheken in Deutschland müssten durch eine verlässliche Apothekenvergütung dringend wirtschaftlich stabilisiert werden.

Etwa im Berliner Bezirk Lichtenberg gebe es nach vielen Schließungen eine bedenklich niedrige Versorgungsquote von 14 Apotheken je 100000 Bürgerinnen und Bürger – bei 20 Apotheken pro 100000 Menschen im Bundesschnitt.

Apothekenreform: Mehr Leistungen in Apotheken geplant

Der CSU-Gesundheitsexperte Stephan Pilsinger wies darauf hin, dass der Koalitionsvertrag bereits eine Differenzierung beim Fix-Honorar Apotheke im Rahmen der Apothekenvergütung vorsehe. Es kann demnach für ländliche Apotheken in einem „Korridor bis 11 Euro“ liegen. Die geplante Apothekenreform soll die Apothekenvergütung langfristig neu ausrichten.

Warken brachte einen Gesetzentwurf für eine Apothekenreform in den Bundestag ein. Die Apothekenreform zielt darauf, dass in Apotheken künftig mehr Leistungen zu bekommen sein sollen – von Impfungen über Vorsorge-Angebote bis zu mehr Medikamenten auch ohne ärztliches Rezept. Mit der Apothekenreform könnte sich somit auch die Struktur der Apothekenvergütung nachhaltig verändern.

Quelle: dpa

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