Ein Mann sitzt vornübergebeugt auf dem Sofa. Er hält sich eine Hand vor den Mund, eine auf den Bauch.© Liubomyr Vorona/iStock/Getty Images Plus
Überall dort, wo die Nahrung durch den Körper wandert, kann es auch zu Beschwerden kommen.

Magen-Darm-Trakt

DURCHFALL, VERSTOPFUNG, SODBRENNEN: EIN BERATUNGSLEITFADEN

Im Winter ernähren wir uns üblicherweise üppiger als im Sommer. Sodbrennen, Durchfall oder Verstopfung können die Folge sein. Aber was genau führt zu diesen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt? Was empfehlen Sie dagegen und wann darf der Arztbesuch nicht mehr aufgeschoben werden? Das erfahren Sie hier.

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Das Verdauungssystem, also der Magen-Darm-Trakt, fasst die Organe zusammen, die Nahrung aufnehmen, zerkleinern, weiterleiten und in brauchbare Nährstoffe umwandeln. Treten Durchfall, Verstopfung oder Sodbrennen auf, muss man also diesen Weg zurĂĽckverfolgen, um zur Ursache zu gelangen.

Zur Wiederholung: Der Weg der Nahrung beginnt im Mund, wo sie durch die Zähne mechanisch zerkleinert wird. Der Speichel kümmert sich hier um die Gleitfähigkeit des Speisebreis und, durch das Enzym Amylase, um die Aufspaltung in Kohlenhydrate. Weiter geht es durch den Ösophagus in den Magen, wo die Magensäure die Nahrung weiter aufspaltet. Im Zwölffingerdarm spalten Gallensäuren Fette, im Dünndarm werden die Nährstoffe resorbiert. Dick- und Enddarm dicken die verbliebenen Reste an. Schlussendlich folgt die Ausscheidung.

Durchfall – Entstehung und Empfehlungen

Von Durchfall spricht man, wenn eins der folgenden Kriterien erfĂĽllt ist:

  • Mehr als drei Stuhlgänge innerhalb von 24 Stunden
  • Wassergehalt des Stuhls bei ĂĽber 75 Prozent

Unterschieden wird akuter und chronischer Durchfall, so spricht man von ersterem bei weniger als vier Wochen.

Gut zu wissen: Durchfall findet seine Ursache auch in der Psychosomatik. Bei Stress oder Angstzuständen reagiert der Sympathikus, der die Peristaltik anfeuert. Der Darm transportiert dann zu schnell, das Wasser wird weniger resorbiert und durch das fehlende Eindicken des Stuhls entsteht Durchfall.

Durchfall durch Infekte

Durchfall-Infekte sind viral oder bakteriell bedingt. Rota- und Noroviren sind virale Erreger für Durchfall, während Salmonellen, Colibakterien und Campylobacter auf der bakteriellen Seite verantwortlich sind.

Auch Übelkeit und Erbrechen sind bei diesen Infektionen möglich. Der Körper versucht, den Erreger wortwörtlich rauszuschmeißen, wodurch es zu Durchfall und Emesis kommt.

Durchfall durch Lebensmittelvergiftung

Nach der Aufnahme verdorbenen Essens produzieren die enthaltenen Bakterien Toxine. Diese lösen den Durchfall aus. Übelkeit und Erbrechen sind hier auch möglich. Auf Fernreisen ist Durchfall häufig ein Reisebegleiter. Zwar auch durch ungewohnte Nahrung, aber vor allem durch Keime, eventuell auch im Leitungswasser, auf das es zu verzichten gilt.

Bei einem Durchfall durch einen Infekt oder eine Lebensmittelvergiftung ist Loperamid nicht empfehlenswert.

Durchfall durch Nahrungsmittelintoleranzen

Die Aufnahme des Auslösers fĂĽhrt zu schwerwiegenden Beschwerden, wie eben Durchfall. Die häufigsten Nahrungsmittelintoleranzen werden ausgelöst durch Lactose, Fructose, Gluten und Histamin, wobei man bei Glutenintoleranzen zwischen der Weizensensitivität und der Autoimmunerkrankung Zöliakie unterscheidet.

Durchfall durch chronische Erkrankungen

Einige Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts führen neben weiteren heftigen Beschwerden auch zu Durchfall. Besonders vor einer Diagnose, Therapie und Ernährungsumstellung.

Erkrankung Ursache
Morbus Crohn Chronische SchleimhautentzĂĽndung im Verdauungssystem
Colitis ulcerosa Chronische EntzĂĽndung des Dickdarms
Zöliakie Autoimmunerkrankung
Reizdarmsyndrom Unterschiedliche Kriterien; Ausschlussdiagnose

Durchfall durch bösartige Erkrankungen

Durchfall wird auch durch Krebserkrankungen im Magen-Darm-Trakt ausgelöst. Eines von mehreren Warnsignalen ist andauernder, chronischer durchfall ohne erkennbare Ursache. Auch Blut im Stuhl sollte immer abgeklärt werden, auch wenn es vielleicht nur durch eine leichte Schleimhautverletzung ausgelöst wurde. Ăśbelriechender Stuhl und ein von Schleim ĂĽberzogener Durchfall ebenfalls.

Neben diesen Symptomen geht es noch um unerklärbaren Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Schmerzen.

Ăśbelkeit

Übelkeit begleitet all die erwähnten Durchfallursachen, von Stress bis hin zur chronischen Erkrankung. Ebenso die Emesis, das Erbrechen. Sie können aber auch ohne Durchfall auftreten, beispielsweise ausgelöst durch:

  • Schwangerschaft: Obwohl wortwörtlich so alt wie die Menschheit, gibt es noch nicht die eine Erklärung fĂĽr die SchwangerschaftsĂĽbelkeit. Möglicherweise löst ein niedriger Blutzucker nach langen Nahrungspausen ĂĽber die Nacht hinweg die Ăśbelkeit aus. Auch das Schwangerschaftshormon hCG und der Wachstumsdifferenzierungsfaktor GDF15 gelten als Ursache.
  • ReiseĂĽbelkeit: Holprige Zugfahrten oder StraĂźen, Turbulenzen im Flugzeug oder Seegang: Der Gleichgewichtssinn im Innenohr nimmt Beschleunigungen und Bewegungen wahr, die eine schnelle Reaktion erfordern, doch das Sinnesorgan kann diese vorĂĽberrauschenden Reize nicht schnell genug verarbeiten. So kommt es zu widersprĂĽchlichen Signalen, auf die der einzelne Mensch unterschiedlich empfindlich reagiert.

Empfehlungen bei Durchfall und Ăśbelkeit

Ursache Durchfall Erbrechen
Infekt/Lebensmittelvergiftung Tannin H1-Antihistaminika
Reise Scopolamin, Diphenhydramin
Schwangerschaft Vitamin B6, Ingwer, bei Nichtausreichen H1-Antihistaminika, nach ärztlicher Abklärung Metoclopramid oder Ondansetron (rx)
Immer Elektrolyte Elektrolyte

Verstopfung

Von einer Verstopfung spricht man bei weniger als drei Stuhlgängen pro Woche.

Subjektiv beginnt eine Verstopfung eventuell schon früher, wenn es unter der Normalfrequenz der Betroffenen liegt. Harter Stuhl, starkes Pressen und ein Gefühl der unvollständigen Entleerung sind weitere Symptome.

Verstopfung durch Ernährung und wenig Bewegung

Unpassende Ernährung, aber auch eine Umstellung können zu Verstopfung führen. Ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Flüssigkeit und dann auch noch mangelnde Bewegung tragen langfristig zu einer Verstopfung bei.

Bei einer Ernährungsumstellung hin zu mehr Ballaststoffen ist eine entsprechende Flüssigkeitszufuhr notwendig, um eine Verstopfung zu verhindern.

Andere Ursachen fĂĽr Verstopfung

Verstopfung ist ein häufiges Begleitsymptom bei Multipler Sklerose, Parkinson, Diabetes und Hypothyreose. Auch die chronischen Erkrankungen Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und das Reizdarmsyndrom können nicht nur Durchfall, sondern auch Verstopfung auslösen. Gleiches gilt fĂĽr bösartige Erkrankungen.

Eine Verstopfung kann auch entstehen durch:

  • Opioideinnahme (Beeinträchtigung der glatten Muskulatur)
  • Bettlägerigkeit (Bewegungsmangel)
  • Reisen: fremde Toilettensituation (psychosomatisch)
  • Hormonelle Umstellungen (Schwangerschaft, Menopause, …)

Empfehlungen bei Verstopfung

  • Osmotisch wirksame Substanzen: Lactulose, Magnesiumsalze, Macrogol, Sorbitol, Mannitol
  • Glycerol in Form von Mikroklistieren, um verhärteten Stuhl im Enddarm aufzuweichen
  • Bisacodyl, Natriumpicosulfat
  • Quellmittel: Leinsamen und Flohsamenschalen (FlĂĽssigkeitzufuhr!)

Sodbrennen – Entstehung und Empfehlung

Sodbrennen tritt auf, wenn Magensäure in die Speiseröhre zurĂĽckflieĂźt. Die aufsteigende Säure verletzt die Speiseröhre. Das äuĂźert sich als brennender Druck – das Sodbrennen.

Füllende fett- oder zuckerhaltige Speisen, die die Säureproduktion anregen, oder auch enge Kleidung oder Körperfülle, die auf den Magenpförtner Druck ausüben, begünstigen Sodbrennen. Koffein, Alkohol, Nikotin können ebenso zu Sodbrennen beitragen.

Weitere Ursachen fĂĽr Sodbrennen sind:

  • Stress
  • Einnahme nicht-steroidaler Antirheumatika
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
  • Schwangerschaft
  • Adipositas
  • Schnelles Essen.

Säurereflux kann sich auch ohne Sodbrennen äußern: etwa durch Heiserkeit.

Empfehlungen bei Sodbrennen

Die unterschiedlichen Ursachen von Sodbrennen erfordern entsprechende Empfehlungen, wobei man bei einer Schwangerschaft nicht verhindern kann, dass Druck auf den oberen Magenpförtner ausgeĂĽbt wird. Ernährung und Stress sind besser beeinflussbar. Weitere Empfehlungen bei Sodbrennen:

  • Protonenpumpenhemmer: In der Selbstmedikation Omeprazol, Esomeprazol und Pantoprazol
  • Antazida: Hydrotalcit, Magaldrat, Carbonate
  • Alginate

Durchfall, Ăśbelkeit, Verstopfung, Sodbrennen: Wann zum Arzt?

  • Durchfall: länger als zwei bis drei Tage; Blut im Stuhl; hohes Fieber; Symptome der Austrocknung
  • Ăśbelkeit und Erbrechen: länger als drei Tage; Austrocknungssymptome, Ausbleiben der Periode; zusätzliche Allergie- oder Unverträglichkeitssymptome oder Sodbrennen
  • Verstopfung: häufiges Wiederkehren, mehrere Tage hintereinander kein Stuhlgang trotz Nahrungsaufnahme, Koliken, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl
  • Sodbrennen: Regelmäßigkeit ohne Diagnose fĂĽr das Sodbrennen, starke Schlafstörungen, Erbrechen

Quellen:
Wolfgang F. Caspary (Hrsg.): „Therapie gastroenterologischer Krankheiten“ Springer 2005.
Helmut Messmann: „Klinische Gastroenterologie: Das Buch für Fort- und Weiterbildung plus DVD mit über 1400 Befunden“, Thieme, 1. Auflage 2011.
https://www.dgvs.de/leitlinien/oberer-gi-trakt/gastrooesophageale-refluxkrankheit-und-eosinophile-oesophagitis/

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