Eine Frau steht im Freien und Pappelpollen fliegen an ihrem Gesicht vorbei. Sie verkneift das Gesicht.© Jens Rother/iStock/Getty Images Plus
Es geht wieder los: Die Pollensaison ist in vollem Gange!

Allergien

HEUSCHNUPFEN IM FOKUS

BlĂŒhender FrĂŒhling oder ein grĂŒner Sommer: Auf diese Idylle – pardon, dieses Allergen – antwortet bei einigen der Heuschnupfen mit all den Symptomen, die dazugehören. Was empfiehlt sich bei dieser Allergie? Hier erfahren Sie mehr ĂŒber die saisonale Allergie, aber auch andere Klassiker.

Seite 1/1 6 Minuten

Seite 1/1 6 Minuten

Eine Allergie, so auch Heuschnupfen, ist eine extreme Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Substanzen – die Allergene. Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren zu dieser Reaktion des Immunsystem fĂŒhren. Bei einer Beteiligung von Immunglobulin E (IgE) ist beispielsweise eine Vererbung der Hintergrund, die im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren dann einen Ausbruch der Allergie provoziert.

Der Ablauf einer Allergie startet im Grunde mit dem Auftreffen des Allergens auf die Haut oder Schleimhaut. Bei Heuschnupfen sind es beispielsweise die Pollen. Es lösen sich Peptide, die die Hautbarriere durchdringen und an den IgE-Antikörpern andocken. Diese Antikörper sind bereits mit einer Mastzelle verbunden, die auch den Botenstoff Histamin speichert. Nach der Verbindung geht es los: Histamin und andere EntzĂŒndungsbotenstoffe werden freigesetzt und die Symptome einer Allergie entstehen.

Mastzellen
Mastzellen sind an Orten angesiedelt, wo Allergene hÀufig ansetzen. Zum Beispiel an Haut, Darm und Atemwegen.

Allergie – die hĂ€ufigsten Auslöser

Oft entstehen Allergien durch Lebensmittel, Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben. Aber auch gegen bestimmte Metalle, Kosmetikinhaltsstoffe oder Lebensmittelzusatzstoffe kann man allergisch reagieren.

Allergie auf Lebensmittel

Lebensmittelallergien sind nicht dasselbe wie Lebensmittelintoleranzen. Bei einer Allergie auf bestimmte Lebensmittel geht es um potenziell lebensbedrohliche Symptome, die aggressiver ausfallen als bei beispielsweise Heuschnupfen.

Es reicht schon eine kleine Menge des Allergens aus, um eine Reaktion hervorzurufen, die sich bis in den anaphylaktischen Schock steigern kann.

Allergie Symptome Anaphylaktischer Schock
Schwellung der Mund- und Rachenschleimhaut Blutdruckabfall
Atemprobleme Bewusstlosigkeit
Juckreiz Schwellungen im Gesicht
HautausschlÀge oder Quaddeln Schwellung der Atemwege
Magen-Darm-Beschwerden Atemnot

Allergie auf Tierhaare

Genau genommen reagieren Betroffene nicht auf die Haare per se, sondern die Allergie richtet sich auf spezifische Eiweiße im Speichel, Talg, Ausscheidungen oder Epithelien des Tieres. Die Haare tragen diese Eiweiße bloß auf sich.

Wie beim Heuschnupfen wird das Allergen im menschlichen Körper als fremd erkannt, wodurch es zur Sensibilisierung kommt. Mit jedem neuen Kontakt verstĂ€rkt sich die Reaktion, bis sie zu einer merkbaren Allergie wird.

Allergie auf Hausstaubmilben

Auch hier richtet sich die Allergie auf die Ausscheidungen der Hausstaubmilben. Diese trocknen, und zerfallen in noch kleinere Teile, um sich dann als Allergene im ganzen Raum zu verteilen.

Die Symptome einer Allergie auf Tierhaare und Hausstaubmilben sind:

  • TrĂ€nende, juckende Augen (allergische Konjunktivitis)
  • Niesen (allergische Rhinitis)
  • Husten
  • AusschlĂ€ge, Juckreiz, Rötungen
  • Ganzheitliches Unwohlsein

Heuschnupfen – Pollen als Allergene

Das Allergen bei Heuschnupfen sind Pollen, ĂŒber die viele Pflanzen ihr mĂ€nnliches Erbgut verteilen. WindbestĂ€uber-Pollen sind leicht und klein, wodurch sie auch leicht in die oberen Atemwege eindringen.

Heuschnupfen ist eine Soforttypallergie, bei der es zur Sensibilisierung kommt, weil das Immunsystem beim Erstkontakt mit dem Allergen passende Antikörper bildet. Beim nĂ€chsten Zusammentreffen startet die Reaktion der Allergie.

Die Heuschnupfen-Hauptsaison startet im April und endet im August, wobei auch – nicht zuletzt durch den Klimawandel – vorher oder nachher Heuschnupfen auftritt.

HÀufig entstehen Kreuzallergien, durch die Betroffene auf mehr als nur einen Auslöser reagieren, auch auf Lebensmittel.

Hasel Januar – Mai
Erle Januar – Mai
Birke Februar – Juni
Ahorn Februar – Juli
Holunder April – September
GrĂ€ser April – Oktober

Die individuellen Symptome lassen sich mithilfe von Pollenkalendern und AllergietagebĂŒchern festgehalten.

Heuschnupfen – was hilft?

Arzneimittel bei Heuschnupfen? In eigentlichen Sinn gibt es keine Medikation gegen den Heuschnupfen, sondern die Wirkung richtet sich auf die Symptome des Heuschnupfens, also die allergische Reaktion durch das Allergen. Je nach AusprĂ€gung wird mit Antihistaminika oder Mastzellstablilisatoren behandelt, wĂ€hrend sich fĂŒr einen schwereren Verlauf auch Glucocorticoide eignen. Zum Beispiel:

Antihistaminika wie Cetirizin oder Loratadin (intranasal/intraokulĂ€r z. B. Levocabastin oder Azelastin) verhindern nicht die HistaminausschĂŒttung, sondern blockieren den Histaminrezeptor anderer Körperzellen. Im Gehirn wirkt Histamin aber als Wachmacher, wodurch die Blockade des entsprechenden Rezeptors wiederum zur MĂŒdigkeit fĂŒhrt. Wenn Betroffene gegen den Heuschnupfen das systemisch wirkende Cetirizin einnehmen, das die Blut-Hirn-Schranke passiert, muss diese Nebenwirkung erwĂ€hnt werden.

Mastzellstabilisatoren wie CromoglicinsĂ€ure hindern die Mastzellen daran, Histamin auszuschĂŒtten. Und Glucocorticoide wie Mometason (instranasal) wirken gegen die EntzĂŒndungsreaktion und modulieren das Immunsystem.

Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen

Der Anfang einer Allergie wie Heuschnupfen beginnt mit der Sensibilisierung auf das Allergen. Ist die Antwort darauf die Hyposensibilisierung?

Die sogenannte Allergenspezifische Immuntherapie erfolgt entweder sublingual ĂŒber die Mundschleimhaut, subkutan oder oral. Man startet damit, den Körper einer sehr geringen Menge des Allergens auszusetzen, sodass keine allergische Reaktion entsteht, sondern bestimmte Botenstoffe, Antikörper und Zellen des Immunsystems aktiviert werden.

Diese blockieren die Immunreaktion auf das Allergen und schwĂ€chen die EntzĂŒndungsreaktion ab. Im Laufe der Zeit werden die Kontakte mit dem Allergen regelmĂ€ĂŸig wiederholt und die Allergenmenge bis zu einer Erhaltungsdosis gesteigert. So soll sich eine Toleranz gegen das Allergen einstellen.

Die subkutane allergenspezifische Immuntherapie wurde mit einer Depotwirkung so optimiert, dass die Allergene verzögert freigesetzt werden. Dadurch werden die ZeitabstĂ€nde der Termine verlĂ€ngert und die Injektionsanzahl verringert. Sie gilt als besser vertrĂ€glich. Die sublinguale und orale Therapie können dafĂŒr zu Hause durchgefĂŒhrt werden.

8 Tipps bei Heuschnupfen

  1. LĂŒften trotz Allergie: In der Stadt empfiehlt sich das morgendliche LĂŒften, wohingegen sich auf dem Land eher der Nachmittag oder der Abend eignen. Hier ist die Pollenkonzentration in der Luft geringer. Apropos LĂŒften, sogenannte Pollengitter lassen sich an die Fenster anbringen und verringern die Pollenbelastung in den WohnrĂ€umen.
  2. Duschen: Abends zu duschen und die Haare zu waschen sorgt dafĂŒr, dass man die Allergene des Heuschnupfens abwĂ€scht und ohne Erreger ins Bett steigt. Genauso empfiehlt es sich, die SchmutzwĂ€sche nicht im Schlafzimmer zu sammeln und auch das Umziehen in ein anderes Zimmer zu verlegen, um die Pollenbelastung im Schlafzimmer möglichst gering zu halten.
  3. Auslöser weg! Vielleicht offensichtlich, aber dennoch kann man darauf achten, was in unmittelbarer NĂ€he oder dem eigenen Garten blĂŒht und zu Heuschnupfen fĂŒhrt. Bei starker Belastung empfiehlt es sich, die Allergenquelle zu reduzieren oder gar zu eliminieren.
  4. WĂ€sche trocknen: So schön es ist, die WĂ€sche draußen trocknen zu lassen, haften Pollen an den Fasern und fĂŒhren zu Heuschnupfen. In der Hauptallergiesaison oder wĂ€hrend extremeren PollenflĂŒgen sollte deshalb die WĂ€sche innen getrocknet werden.
  5. Sauberkeit: RegelmĂ€ĂŸiges Wischen und Saugen verringert das Aufwirbeln der Pollen im Wohnraum.
  6. Reize eliminieren: Rauchen beispielsweise reizt die SchleimhÀute zusÀtzlich, sogar, wenn man nicht selbst raucht.
  7. SelbstfĂŒrsorge bei Allergie: Arzttermine, Pollenkalender und TagebĂŒcher sowie das richtige Einnehmen von Medikamenten helfen Betroffenen dabei, sich selbst und die Allergie kennenzulernen und langfristig einen Umgang mit ihr zu finden.
  8. ZusatzverkĂ€ufe: Wer viel schnĂ€uzt, niest oder von Atemwegskratzen betroffen ist, sollte Nasensalben und Lutschbonbons als UnterstĂŒtzung anwenden. Sensitive TaschentĂŒcher und das Feuchthalten der SchleimhĂ€ute durch FlĂŒssigkeitszufuhr können Sie ebenso empfehlen.
×