Mentale Gesundheit
REISEN MIT PHOBIE: WAS GEGEN ANGST IM URLAUB HILFT
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Für viele Menschen ist Reisen rundum positiv: Es locken schöne Strände, wunderbare Bergaussichten und fremde Kulturen. Menschen mit ausgeprägter Angst im Urlaub sehen das anders. Sie denken womöglich an gefährliche Wanderwege in der Höhe, Hängebrücken, an riesige Spinnen oder abstürzende Seilbahnen.
Eine Phobie – also Ängste, die durch bestimmte Situationen oder Objekte ausgelöst werden – gibt es in vielen Formen. Und sie sind keine Seltenheit. „Rund ein Siebtel aller Menschen leiden an einer Phobie“, sagt Professor Andreas Ströhle, leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Berlin.
Belastende Symptome bis zur Panikattacke
Die Bandbreite ist groß: von Höhenangst über Aviophobie (Angst vor Vögeln) bis zur Mysophobie (Furcht vor Bakterien) oder Arachnophobie (Spinnenangst). Auch Emetophobie, die krankhafte Angst vor dem Erbrechen, kann bei Angst im Urlaub zum Problem werden. Die Symptome einer solchen Phobie können sehr belastend sein: Herzrasen, Schwindel, Atemnot, Schweißausbrüche oder Zittern.
In schweren Fällen erreichen sie die Intensität von einer Panikattacke. Außerdem können Erstickungsgefühle auftreten, die bei einer Panikattacke Todesangst auslösen können. Oft versuchen Betroffene mit Angst im Urlaub, angstauslösende Situationen zu vermeiden, und schränken sich im Alltag immer mehr ein. Für Außenstehende ist diese Angst im Urlaub oft schwer nachzuvollziehen.
Wann bei einer Phobie professionelle Hilfe wichtig ist
Gerade auf Reisen kann eine Phobie stärker werden. „Weit weg von zu Hause fehlt die Sicherheit“, so Andreas Ströhle. Viele Betroffene vermeiden deshalb Reisen ganz – empfinden die Angst im Urlaub aber selbst als einschränkend. Wer zentrale Bereiche des Alltags aufgrund einer Phobie nicht mehr genießen kann, sollte sich professionelle Unterstützung suchen.
Angststörungen lassen sich gut behandeln.
Andreas Ströhle rät Betroffenen langfristig zu einer Psychotherapie. Häufig wird eine spezifische Phobie mit Methoden der Verhaltenstherapie behandelt, bei der sich Betroffene schrittweise ihren Ängsten stellen und so eine Panikattacke verhindern lernen.
Daneben können auch niedrigschwellige Ansätze wie digitale Gesundheitsanwendungen („App auf Rezept“) oder Selbsthilfegruppen gegen Angst im Urlaub helfen.
Kurzfristige Strategien gegen Angst im Urlaub
Wenn die Reise unmittelbar bevorsteht, gibt es auch spezielle Techniken, um mit der Angst im Urlaub besser umzugehen oder sie zumindest auszuhalten. Generell hilft körperliche Aktivität, Adrenalin abzubauen und einer Panikattacke vorzubeugen.
Zudem ist es vorteilhaft, auf Reisen eine sichere Umgebung zu schaffen. Dies gelingt etwa, indem man sich bewusst eine komfortable Unterkunft bucht, die als Rückzugsort bei Angst im Urlaub dient.
„Letztlich geht es aber immer darum, den Ängsten die Stirn zu zeigen.“
Ströhle sagt weiter: „Nur in der Konfrontation lernt man, dass die Furcht aushaltbar und vielleicht doch gar nicht so schlimm ist. Wer einer Panikattacke immer nachgibt, festigt sie.“
Training und Begleitung bei Höhenangst
Wie ein solcher Umgang aussehen kann, zeigt Christian Zottl, Bergwanderführer und Coach für Höhenangst, am Beispiel der Höhenangst. In seinen Trainings gegen Höhenangst geht es zunächst darum, Risiken realistisch einzuschätzen. Ist die Situation wirklich gefährlich? Ungesichert über einen schmalen Felsgrat zu wandern, kann tatsächlich riskant sein und eine Panikattacke auslösen. Bei einer Brücke oder einem gut gesicherten Wanderweg ist das bei Höhenangst anders.
Ist die Situation ungefährlich, gilt es, den Stress aktiv anzugehen, um die Angst im Urlaub zu mindern. Der nächste Schritt ist die Konfrontation: also etwa bei Höhenangst eine Hängebrücke zu überqueren oder einen Turm zu besteigen – möglichst im eigenen Tempo und ohne zusätzlichen Druck.
Auch eine verständnisvolle Begleitung kann bei einer Phobie helfen. Wirksam sind zudem Atemübungen, die das vegetative Nervensystem beruhigen und vor einer Panikattacke schützen.
Ein offener Umgang mit der Phobie
Wer mit anderen reist, sollte sie über bestehende Ängste wie Höhenangst informieren. „Dafür muss man sich bei Angst im Urlaub nicht schämen“, sagt Professor Ströhle. „Und man darf davon ausgehen, dass einem die anderen wohlgesonnen sind, selbst wenn eine Panikattacke droht.“
Mitreisende können bei einer Phobie unterstützen – etwa, indem sie Verständnis zeigen, in stressigen Situationen nicht drängen und die Planung respektieren.
Ein konkreter Tipp von Zottl für Brücken bei Höhenangst: „Nicht zur Seite oder direkt nach unten schauen, sondern den Raum rund drei Meter vor sich anvisieren.“
Quelle: dpa












