Eine Frau hat einen halb aufgegessenen Teller vor sich stehen, greift sich verkrampft an den Bauch und hält einen angebrochenen Blister mit Kapseln in der Hand. Der Fokus liegt auf ihren Bauchschmerzen.© Pranithan Chorruangsak/iStock/Getty Images Plus
Histamin kommt zwar auch als körpereigener Stoff vor, doch das Histamin in Lebensmitteln kann bei einer Intoleranz Beschwerden verursachen.

Hintergründe verstehen

HISTAMININTOLERANZ IM PORTRÄT

Unauffällige Blutwerte, Arzttermine ohne Ende und doch keine Antwort – so der Weg zur Diagnose Histaminintoleranz für viele Betroffene. Aber was genau ist die Histaminintoleranz? Durch welche Symptome äußert sie sich und gibt es bekannte Ursachen?

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Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der in vielen Prozessen im Körper involviert ist. Während es die Magensäureproduktion anregt, ist es auch essenziell für Entzündungsreaktionen: Es erweitert die Blutgefäße, führt die Immunzellen an den entsprechenden Einsatzort und lässt Schwellungen entstehen. Außerdem wirkt es als Neurotransmitter.

In diesem ersten Teil der Miniserie zu Histaminintoleranz beleuchten wir, was eine Histaminintoleranz eigentlich ist. In Teil 2 und 3 geht es dann um die Therapie und die Ernährung.

Allergie oder Intoleranz?

Der Unterschied zwischen einer Intoleranz und einer Allergie liegt im Einsatz des Immunsystems. Bei einer Intoleranz, so auch bei der Histaminintoleranz, ist das Immunsystem nicht direkt beteiligt. Deshalb entscheiden sich auch die auslösenden Ursachen von denen einer Allergie. Der Körper kann entsprechende Lebensmittelbestandteile nicht verarbeiten und es kommt zu Reaktionen.

Symptome der Histaminintoleranz

Während Histamin einerseits ein körpereigener Stoff ist, nehmen wir ihn gleichzeitig durch verschiedene Nahrungsmittel von außen auf. Normalerweise wird Histamin nach dem Essen durch das Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Passiert das jedoch nicht, ist das Histamin zu lange aktiv und führt zu körperlichen Reaktionen – den Symptomen der Histaminintoleranz. 

Einige Betroffene der Histaminintoleranz haben allergieähnliche Symptome, die mal stärker, mal schwächer ausgeprägt sind. Diese Vielfalt und zeitweise Unregelmäßigkeit im Auftreten der Symptome erschwert das Erkennen durch Betroffene und entsprechend später Diagnose. Die Histaminintoleranz äußert sich durch die folgenden Symptome:

  • Magen-Darm-Bereich: Übelkeit und Emesis, Bauchgrummeln- und Krämpfe, Durchfall oder Obstipation, Blähungen, Völlegefühl und Aufstoßen
  • Atemwege: Histamin reizt die Schleimhäute und es kommt zu Hustenreiz, Fließschnupfen und verstopfter Nase.
  • Allgemeine Symptome der Histaminintoleranz: Flush durch die Gefäßerweiterung, Schwindel, Herzrasen  

Die genannten Symptome treten bei einer Histaminintoleranz in unterschiedlicher Ausprägung vor allem nach dem Essen auf. Langfristige Symptome, die auf den akuten aufbauen, sind:

  • Körperliche Symptome wie Mangelerscheinungen, Amenorrhö und Untergewicht  
  • Psychische Symptome: psychische Belastung, Erschöpfung, ständiges Gefühl des Krankseins und Hilflosigkeit

Ursachen der Histaminintoleranz

Ursachen der Histaminintoleranz liegen zum einen im gestörten Abbau des Histamins durch die Diaminoxidase. Die Enzymaktivität kann durch genetische Veranlagung gehemmt sein. Auch Medikamente kommen als Ursache infrage, etwa Diclofenac, Acetylsalicylsäure, manche Antibiotika und Antidepressiva. Darmerkrankungen oder eine bakterielle Fehlbesiedlung können ebenso die Ursache einer verminderten Diaminoxidase-Aktivität sein und so eine Histaminintoleranz auslösen.

Zum anderen können äußere Ursachen die Histaminintoleranz begünstigen, etwa Stress, Alkohol und hormonelle Schwankungen. Die verschiedenen Ursachen der Histaminintoleranz führen dazu, dass Betroffene zu manchen Tagen Lebensmittel vertragen, während sie an anderen Tagen akute Schübe auslösen.

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