Gezielte Therapie
HARNWEGSINFEKTE BEI MÄNNERN: SELTENER, ABER KOMPLIZIERTER
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Zahlen der Krankenkassen aus Berlin zeigen: Zwischen 2015 und 2019 betrafen nur 21,4 Prozent aller Harnwegsinfekte Männer. Weil sie eine längere Harnröhre und einen größeren Abstand dieser zum Anus aufweisen, können Bakterien nicht so leicht in die Harnwege gelangen. Außerdem besitzt das Prostatasekret eine antibakterielle Wirkung.
Bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt bei Männern sollte aber keine Zeit verloren und umgehend ärztliche Hilfe hinzugezogen werden. Für die Selbstmedikation ist das Thema keine Option.
Harnwegsinfekt bei Männern: öfter mit Prostatabeteiligung
Während ein Harnwegsinfekt bei Männern seltener vorkommt, trifft er sie öfter schwerer. Allgemein gilt meist: Lediglich bei jüngeren Männern ohne Begleiterkrankungen können Harnwegsinfekte als unkompliziert eingestuft und behandelt werden.
Aber auch dazu gibt es nur begrenzte Daten. Traditionell sehen Ärzt*innen einen Harnwegsinfekt bei Männern generell als kompliziert an, weil öfter die Prostata mitbeteiligt ist.
Typische Zeichen: BlasenentzĂĽndung beim Mann
Die Beschwerden sind bei Männern und Frauen ähnlich:
- Vermehrter Harndrang
- Brennender Schmerz
- Erschwertes Wasserlassen
Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen oder ein Alter über 60 Jahren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei diesen Anzeichen um eine Infektion handelt. Risikofaktoren für einen Harnwegsinfekt bei Männern sind Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Partnerin, Analverkehr oder Vorhautveränderungen.
Besteht der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt bei Männern, muss zeitnah eine ausführliche Anamnese erfolgen mit körperlicher Untersuchung und einem Urintest.
Tipps bei Harnwegsinfekten:
Harnwegsinfekt bei Männern braucht gezielte Therapie
Wird ein Harnwegsinfekt bei Männern festgestellt, richtet sich die Therapie nach der Schwere der Infektion und deren Lokalisation. Der Einsatz von Antibiotika sollte nicht leichtfertig erfolgen. Resistenzen sind leider häufig.
Die S3- Leitlinie unterscheidet zwischen:
- akuter, unkomplizierter Zystitis,
- akuter NierenbeckenentzĂĽndung und
- komplizierten Infektionen.
Diese Antibiotika kommen zum Einsatz
Harnwegsinfekte bei Männern zählen oft zur letzteren Gruppe und die Therapie richtet sich danach. Ein akuter, unkomplizierter Harnwegsinfekt ohne Prostatabeteiligung kann aber auch bei Männern mit Pivmecillinam oder Nitrofurantoin behandelt werden. Für die bei Frauen gängige Einmaltherapie mit Fosfomycin fehlen Daten.
Akute NierenbeckenentzĂĽndung erfordert eine Behandlung mit einem Cephalosporin. Erst wenn dieses nicht infrage kommt oder unwirksam ist, kommen Fluorchinolone wie Ciprofloxacin zum Einsatz.
Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt bei Männern richtet sich die Therapie nach dem nachgewiesenen Erreger. Auch Resistenzen sollten geprüft werden, bevor ein passendes Antibiotikum ausgewählt wird.
Weitere Besonderheiten bei der Therapie von Männern
Oft muss ein komplizierter Harnwegsinfekt bei Männern über einen längeren Zeitraum und unter urologischer Begleitung behandelt werden. Bildgebende Verfahren sollten für rezidivierende, komplizierte oder atypische Verläufe in Betracht gezogen werden.
Ein Harnwegsinfekt bei Männern, bei dem der Harnleiter beteiligt ist, birgt noch eine weitere Besonderheit. Hier sollte unbedingt auch an Chlamydien oder Gonokokken gedacht werden, die ähnliche Beschwerden verursachen, aber sexuell übertragbare Erkrankungen sind. Die richtige Behandlung, gegebenenfalls auch des Sexualpartners, ist in diesem Fall unerlässlich.
Quellen:
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/51805-maenner-mit-hwi-lange-leitung
https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/043-044











