Metabolisches Syndrom: Das tödliche Quartett
20 Minuten
- 1Metabolisches Syndrom
- 2Adipositas
- 3Insulinresistenz
- 4Bluthochdruck & Blutfettwerte
- 5Ernährung & Bewegung
- 6Arzneimittel
- 7Lernerfolgskontrolle
01. November 2025
Insulinresistenz
Bei Menschen mit einer abdominellen Adipositas steigt das Risiko für Störungen im Glucosestoffwechsel bis hin zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Sie entwickeln besonders leicht eine Insulinresistenz. Dann sprechen Muskel-, Leber- und Fettzellen geringer auf Insulin an. Das blutzuckersenkende Hormon aus der Bauchspeicheldrüse, also Insulin, ist dann zwar noch vorhanden, kann aber aufgrund einer gestörten Signalübertragung an den Insulinrezeptoren nicht mehr adäquat wirken. Die Folge ist, dass Körperzellen weniger Glucose aus dem Blut aufnehmen können, sodass der Blutzuckerspiegel steigt.
Das ist wiederum für die Bauchspeicheldrüse das Signal, vermehrt Insulin zu produzieren. Damit kann der Körper die Insulinresistenz zunächst kompensieren. Anfangs sind sogar erhöhte Insulinspiegel im Blut (Hyperinsulinämie) zu messen, wobei der Blutzuckerspiegel nahezu im Normbereich liegt.
Die Insulinresistenz gilt als Vorstufe eines Typ-2-Diabetes. Im Laufe der Jahre lässt die Insulinproduktion dann nach, da die insulinproduzierenden Beta-Zellen auf Dauer allmählich erschöpfen und den erhöhten Bedarf an Insulin somit nicht mehr decken können. Folglich beginnt der Insulinspiegel allmählich zu sinken, bis die Bauchspeicheldrüse die Insulinproduktion ganz einstellt. Schließlich kommt es zum absoluten Insulinmangel und damit zu einem manifesten Diabetes mit einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie).
Oft ist zunächst nur der Nüchternblutzucker erhöht. Er liegt aber noch unterhalb des Grenzwertes, ab dem ein manifester Diabetes vorliegt. Man spricht von einem Prädiabetes, einem Vorstadium des Diabetes.
Da die Stoffwechselvorgänge anfangs nahezu unbemerkt ablaufen und die Diabetes-Symptome sehr unspezifisch sind, werden sie vom Betroffenen nicht gleich mit einem sich manifestierenden Diabetes in Zusammenhang gebracht. Daher ist die Diagnose Typ-2-Diabetes häufig ein Zufallsbefund, der bei Routineuntersuchungen entdeckt wird. Zu diesem Zeitpunkt haben sich jedoch bei mehr als der Hälfte der Betroffenen bereits diabetische Gefäßveränderungen entwickelt.
Diagnose Diabetes
Um einen Diabetes eindeutig festzustellen, entnimmt der Arzt Blut aus der Vene. Die Blutzuckerbestimmung aus venösem Plasma ist auch der Weg, den die aktuellen Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) für die Diagnosestellung vorsehen.
- Wurde dem Patienten nüchtern Blut abgenommen, liegt ein manifester Diabetes bei einem Plasma-Glukosewert von 126 mg/dl (7,0 mmol/l) und höher vor.
- Nüchternwerte zwischen 100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) können auf einen Prädiabetes hindeuten.
- Zu beachten ist, dass für die Bestimmung des Nüchternblutzuckers vor der Blutentnahme eine mindestens zehn- bis zwölfstündige Nahrungspause liegen sollte.
- Häufig werden aber auch Gelegenheits-Blutglucosewerte bestimmt, das heißt der Patient war zum Zeitpunkt der Blutabnahme nicht nüchtern. Liegt dieser Gelegenheits-Plasmaglucosewert bei 200 mg/dl (11,1 mmol/l) und mehr, kann die Diagnose Diabetes ebenfalls eindeutig gestellt werden.
- Zudem wird die Diagnose Diabetes erst durch zwei Messungen bestätigt, um Fehlmessungen auszuschließen.
Gewissheit verschafft schließlich der Zuckerbelastungstest (oraler Glucosetoleranztest, oGGT). Er ermittelt den Blutzuckerwert (oGTT-2-h-Wert), der zwei Stunden nach Gabe eines definierten Zuckergetränks gemessen wird (75 g Glucose in 250 bis 300 Milliliter Wasser innerhalb von 5 Minuten). Der Test erfolgt morgens nach einer 10- bis 16-stündigen Nahrungs- und Alkoholkarenz im Sitzen oder Liegen. Mindestens drei Tage zuvor sollte sich der Patient kohlenhydratreich ernährt haben.
Werden im venösen Plasma oGTT-2h-Werte von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) festgestellt, liegt ein Diabetes vor. Bei Werten zwischen 140 und 199 mg/dl (7,8 bis 11,1 mmol/l) spricht man von einer gestörten Glucosetoleranz.











