Metabolisches Syndrom: Das tödliche Quartett
20 Minuten
- 1Metabolisches Syndrom
- 2Adipositas
- 3Insulinresistenz
- 4Bluthochdruck & Blutfettwerte
- 5Ernährung & Bewegung
- 6Arzneimittel
- 7Lernerfolgskontrolle
01. November 2025
Therapie des metabolischen Syndroms
Primäres Ziel bei der Behandlung des metabolischen Syndroms ist die Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Um das zu erreichen, ist erste und wichtigste Maßnahme eine Lebensstiländerung. Hierbei spielt die Gewichtsreduktion eine zentrale Rolle, da Übergewicht als maßgeblicher Faktor für die Entwicklung des metabolischen Syndroms gilt.
Anzustreben ist ein Bauch- beziehungsweise Taillenumfang unter 94 cm bei Männern und unter 80 cm bei Frauen. Dafür wird den Betroffenen empfohlen, ihre Ernährung umzustellen und regelmäßige körperliche Aktivität einzuplanen.
Allein mit diesen Veränderungen kann es einigen Betroffenen gelingen, nicht nur Gewicht zu reduzieren, sondern bereits Blutfette, Blutdruck und Blutzucker im erforderlichen Ausmaß zu senken – also die Risikofaktoren positiv zu beeinflussen, die maßgeblich am metabolischen Syndrom beteiligt sind. Werden die angestrebten Zielwerte trotz Lebensstilmaßnahmen nicht erreicht, kommen Medikamente aus den Gruppen der Antidiabetika, Antihypertonika und Lipidsenker zum Einsatz.
Bewegungsempfehlungen
Empfohlen werden 150 Minuten aerobes Training mittlerer Intensität pro Woche oder 75 Minuten mit hoher Intensität. Geeignet sind dazu beispielsweise schnelles Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Dazu kommt Krafttraining mit isometrischen Übungen in geringer mit mittlerer Intensität zwei bis dreimal pro Woche. Das können beispielsweise drei Sets mit einer jeweils ein- bis zweiminütigen Muskelkontraktion sein (z. B. Wandsitz, gehaltene Liegestütze). Eine vereinfachte Regel lautet, mindestens 30 Minuten Bewegung an den meisten Tagen der Woche einzuplanen.
Man sollte sich an den meisten Tagen mindestens eine halbe Stunde bewegen.
Ernährungsumstellung
Um das Normalgewicht zu halten, sollten prinzipiell nur so viele Kalorien aufgenommen werden, wie für den Energieverbrauch notwendig sind. Liegt bereits Übergewicht vor, hilft eine Gewichtsreduktion, den Blutdruck zu senken und Blutfettwerte zu verbessern.
Vor allem profitieren Menschen mit Übergewicht und Hypertriglyceridämie. Sie sollten insbesondere rasch resorbierbare Kohlenhydrate und Alkohol meiden, da diese nicht nur für mehr Kilos auf der Waage sorgen, sondern auch den größten negativen Einfluss auf die Triglyceridwerte ausüben.
Ebenso profitieren Bluthochdruckpatienten von einem reduzierten Alkoholkonsum. Zudem sollten sie darauf achten, die Natrium-Zufuhr auf unter zwei Gramm pro Tag zu beschränken und zugleich die Kalium-Zufuhr erhöhen.
Prinzipiell sollte die Ernährung fettarm sein (weniger als 30 Prozent Gesamtfett) sowie einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren (weniger als 10 Prozent der Kalorien) und niedrige Cholesterinmengen (weniger als 300 mg am Tag) beinhalten.
Die Auswahl der Fette hat einen großen Einfluss auf das Lipidprofil. Gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Lebensmitteln vorkommen (z. B. Fleisch, Wurst, Butter, Käse, Milch), haben einen erhöhenden Effekt auf das LDL-Cholesterin, da sie die Aktivität der LDL-Rezeptoren an den Leberzellen herabsetzen. Folglich kann zu wenig LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Leber aufgenommen werden. Daher hilft es, die Zufuhr gesättigter Fettsäuren zu reduzieren. Sollten Lebensmittel tierischer Herkunft verzehrt werden, eignen sich fettarme Varianten wie Geflügel, Kalb, gekochter Schinken sowie fettarme Milch und Milchprodukte. Zudem sollte sichtbares Fett (z. B. am Schinken, Geflügelhaut, Fleischkrusten) entfernt werden.
Ebenso lassen gehärtete Trans-Fettsäuren den LDL-Cholesterinspiegel ansteigen. Diese entstehen beim Braten aus ungesättigten Fettsäuren und finden sich vor allem in Backwaren, Süßigkeiten, Fast Food oder Fertigprodukten. Günstig auf den Fettstoffwechsel wirken sich hingegen einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus, die vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln zu finden sind (z. B. in Pflanzenölen wie Raps-, Walnuss-, Lein- oder Olivenöl sowie in Nüssen).
Darüber hinaus sollte die Ernährung ballaststoffreich sein. Ballaststoffe (mehr als 20 Gramm pro Tag) haben zum einen indirekten lipidsenkenden Effekt, weil sie den Fett- und Zuckeranteil in der Nahrung senken.
Zum anderen senken sie direkt LDL-Cholesterin, indem lösliche Ballaststoffe wie Pektin, Guar, Hafer oder Flohsamenschalen im Darm aus Cholesterin gebildete Gallensäuren binden und damit ihre Aufnahme verhindern. Folglich müssen Gallensäuren im Körper neu gebildet werden, wofür Cholesterin verbraucht wird, sodass Gesamt- und LDL-Cholesterinspiegel sinken.
HDL lässt sich mit der Ernährung nur schwer beeinflussen. Hingegen gelingt es, mit vermehrter körperlicher Aktivität das HDL-Cholesterin zu steigern.
Mittelmeer-Diät
Eine vielseitige, ausgewogene Mischkost ist beispielsweise die sogenannte Mittelmeer-Diät. Sie ist gekennzeichnet durch reichlich frisches Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Olivenöl als wichtigsten Lieferanten ungesättigter Fette und wenig rotes Fleisch. Da es keine strengen Regeln und strikte Verbote gibt, fällt das Einhalten der Diät leicht. Zugleich ist die Lebensmittelauswahl vielfältig und ausgewogen und sorgt somit für eine gute Nährstoffversorgung.
Der hohe Anteil an Gemüse und Obst sorgt für viele Ballaststoffe und damit für ein großes Volumen bei relativ wenig Kalorien. So hilft die Mittelmeer-Diät, das Gewicht zu reduzieren und einen Gewichtsanstieg zu vermeiden beziehungsweise dauerhaft das Gewicht zu stabilisieren.
Begrüßenswert ist zudem, dass die Ernährungsweise langfristig die Gesundheit fördert, da sie günstige metabolische Effekte hat. Da die Mittelmeerkost reich ist an kaliumreichem Obst und Gemüse, lässt sich ein blutdruckregulierender Effekt erzielen. Ihre einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, insbesondere die Omega-3-Fettsäuren, wirken sich positiv auf das Lipidprofil aus. Erhöhte Triglyceridwerte sowie LDL-Spiegel werden gesenkt und das HDL-Cholesterin erhöht.











