Metabolisches Syndrom: Das tödliche Quartett
20 Minuten
- 1Metabolisches Syndrom
- 2Adipositas
- 3Insulinresistenz
- 4Bluthochdruck & Blutfettwerte
- 5Ernährung & Bewegung
- 6Arzneimittel
- 7Lernerfolgskontrolle
01. November 2025
Grunderkrankung Adipositas
Übergewicht trägt zentral zum metabolischen Syndrom bei. Als Auslöser von Adipositas spielt der westliche Lebensstil eine wichtige Rolle. Dieser ist durch Überernährung und chronischen Bewegungsmangel geprägt, weshalb ein Synonym für das metabolische Syndrom auch Wohlstandssyndrom lautet.
Dabei wächst das individuelle Gesundheitsrisiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, nicht allein mit dem Ausmaß der überflüssigen Kilos. Vor allem spielt das Fettverteilungsmuster eine Rolle. Schädlich ist insbesondere das Fett, das sich zwischen und an den inneren Organen im Bauchraum bildet. Dieses überschüssige Bauchfett (viszerales Fett) dient nicht nur als Fettspeicher, sondern ist zudem sehr stoffwechselaktiv. Dabei ist der Einfluss im Stoffwechsel umso stärker, je größer die gespeicherte Fettmenge ist.
Bauchfett ist ein Stoffwechselorgan
Viszerales Fett agiert als endokrines Organ, das freie Fettsäuren, Entzündungsmediatoren (z. B. Zytokine) und Hormone (z. B. Adipokine wie Leptin, Resistin) ausschüttet. Die wiederum fördern Entzündungsprozesse und hemmen die Wirkung von Insulin an Leber und Muskulatur.
Dadurch wird vermehrt Glucose aus der Leber freigesetzt (Glycogenolyse), mehr Glucose in der Leber neu gebildet (Gluconeogenese) und weniger Glucose in die Muskelzellen aufgenommen. So erhöht sich letztendlich die Freisetzung von Glucose ins Blut.
Bei viel viszeralem Fett liegt definitionsgemäß eine abdominelle Adipositas vor. Der Volksmund spricht auch vom Apfeltyp. Ein einfacher Indikator für viszerales Fett ist der Taillenumfang (Bauchumfang auf Taillenhöhe). Er wird einen Zentimeter über dem Bauchnabel gemessen und sollte bei Frauen keine 80 cm und bei Männern keine 94 cm überschreiten.
Davon abzugrenzen sind Personen mit einer Fettverteilung vom sogenannten Birnentyp (gynoide Adipositas). Dieser Fettverteilungstyp wird häufiger bei Frauen als bei Männern beobachtet. Dabei lagert sich das Fett nicht im Bauchraum, sondern unter der Haut an Hüften, Gesäß und Oberschenkeln an. Der „Birnentyp“ hat ein weitaus geringeres Risiko für kardiovaskuläre oder metabolische Erkrankungen.
Ob ein Mensch eher das Fett am Bauch oder am Gesäß ausbildet, ist genetisch bestimmt und kann nicht durch Diäten beeinflusst werden. Bei Frauen kann sich aber die Fettverteilung hormonell bedingt in den Wechseljahren vom Birnentyp in Richtung Apfeltyp verändern, da sich der relative Anteil an männlichen Geschlechtshormonen erhöht, wenn die Östrogenproduktion nachlässt.
Fettverteilung berechnen
Da viszerales Fett mit einem höheren Gesundheitsrisiko verbunden ist, wird heute nicht mehr nur das Ausmaß des Übergewichts anhand des Body-Mass-Index (BMI) betrachtet. Vielmehr ist das Fettverteilungsmuster entscheidend, welches vor allem anhand des Taillenumfangs bestimmt wird. Alternativ kann die Taillen-Hüft-Ratio (Waist-to-Hip-Ratio, WHR) berechnet werden.
BMI – Der BMI ist eine Formel, die einen Anhaltspunkt darüber gibt, ob das Körpergewicht im Normalbereich liegt. Er unterscheidet jedoch weder zwischen Fett- oder Muskelmasse, noch sagt er etwas über die Körperfettverteilung aus. Der BMI ergibt sich rechnerisch aus dem Verhältnis des Körpergewichts in Kilogramm und der Körpergröße in Metern zum Quadrat (kg/m2). Obwohl der BMI damit eigentlich die Einheit kg/m2 besitzt, wird er in der Regel dimensionslos angegeben.
Je nach Höhe des Ergebnisses lassen sich bei Erwachsenen die Kategorien Untergewicht (BMI < 18,5), Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9), Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) und Adipositas (BMI 30 und höher) unterschieden. Die Adipositas wird noch in drei Schweregrade unterteilt: Adipositas Grad I (BMI 30 bis 34,9), Adipositas Grad II (BMI 35 bis 39,9) und Adipositas Grad III (BMI 40 und höher).
Historischer Fun Fact: Die Vergleichszahlen für diese Einteilung lieferten weiße, männliche, schottische Soldaten. Und den BMI erfand kein Mediziner, sondern ein Mathematiker.
Bauch-Taillen-Umfang – Risikoreiche Fettreserven offenbart hingegen der Bauchumfang. Er wird auf Taillenhöhe gemessen (einen Zentimeter über dem Bauchnabel) und sollte bei Frauen unter 80 und bei Männern unter 94 cm liegen. Darüber hinaus gilt er als gesundheitlich bedenklich.
Waist-to-Hip-Ratio – Der Bauch-(Taillen-)Umfang kann zudem noch mit dem Hüftumfang ins Verhältnis gesetzt werden, indem man den Bauchumfang durch den Hüftumfang teilt (Taillen-Hüft-Ratio oder Waist-to-Hip-Ratio, WHR). Die errechneten Werte signalisieren noch genauer, welches Fettverteilungsmuster vorliegt beziehungsweise ab wann das Risiko für Folgeerkrankungen wie dem metabolischen Syndrom steigt. Die Waist-to-Hip-Ratio gilt als ungünstig und gesundheitlich bedenklich bei Frauen mit Werten ab 0,85 und bei Männern ab 0,9.











