Nahaufnahme Man mit Klopapierrolle in der Hand © Rattankun Thongbun / iStock / Getty Images Plus
Die European Association of Urology hat in ihrer Leitlinie die Einteilung von Harnwegsinfektionen angepasst. Die neuen Regeln sollen die Behandlung vereinfachen.

Neue Einteilung

LEITLINIEN-UPDATE BEI HARNWEGSINFEKTEN SOLL BEHANDLUNG VERBESSERN

Harnwegsinfekte unterscheidet man meist in unkompliziert und kompliziert. Das soll sich bald mit einer Anpassung der Leitlinie Ă€ndern. Der Grund: Die bisherigen Formulierungen sind nicht einheitlich und lassen Fehlinterpretationen zu. ZukĂŒnftig soll der Fokus auf dem Ort der EntzĂŒndung liegen.

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Die Klassifizierung von Harnwegsinfekten stammt aus dem Jahr 1963. Unkomplizierte Harnwegsinfekte können Betroffene zunĂ€chst selbst behandeln, komplizierte Infektionen erforderten bisher einen Praxisbesuch. Was das Update der Leitlinie nun Ă€ndern möchte: Die Bezeichnung „kompliziert“ meinte ursprĂŒnglich das Vorhandensein von Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen, die die Behandlung von Harnwegsinfekten erschweren oder bei denen ein schwerer Verlauf wahrscheinlicher ist. Im Laufe der Zeit verĂ€nderte sich aber die Bedeutung des Begriffes, was zu Problemen fĂŒhrt.

Die uneinheitliche Verwendung der Kriterien bei der Diagnostik von Harnwegsinfektionen und in der Forschung erschwert die Interpretation der Ergebnisse sowie die Behandlung. Das will die EuropĂ€ische Gesellschaft fĂŒr Urologie mit dem Update ihrer Leitlinie Ă€ndern.

Harnwegsinfekte: lokal oder systemisch

Dass ein Harnwegsinfekt als kompliziert bezeichnet wird, kann verschiedene GrĂŒnde haben. In manchen FĂ€llen bestehen bestimmte klinische Symptome, in anderen nicht. Auch eine systemische Beteiligung, die sich in Fieber oder SchĂŒttelfrost Ă€ußert, kann, muss aber nicht bestehen. Genau das macht die Interpretation von Studienergebnissen und die Kommunikation zwischen Fachpersonen unnötig schwierig, weshalb eine neue Leitlinie klarere Definitionen schaffen soll.

Die European Association of Urology (EAU) fordert daher ein Umdenken und schlĂ€gt die Einteilung in „lokalisierte“ und „systemische“ Harnwegsinfekte vor. Hier soll das Augenmerk auf den Beschwerden liegen. Risikofaktoren fließen erst spĂ€ter in die Beurteilung ein, was MissverstĂ€ndnisse vermeiden und die Behandlung verbessern soll. Aktuelle Studien sprechen fĂŒr die Orientierung an systemischen Zeichen, typischen Beschwerden und Risikofaktoren im Sinne einer praxisnahen, eindeutigen Einteilung von Harnwegsinfekten.

BlasenentzĂŒndung beim Mann: neue Regeln

Ob es sich um eine einfache, lokal begrenzte BlasenentzĂŒndung handelt, die Betroffene selbst behandeln können, legen laut EAU klare Kriterien fest. Neu ist, dass bei lokalisieren Harnwegsinfekten nicht mehr nach Geschlechtern getrennt entschieden wird. MĂ€nner mit akuten Symptomen einer BlasenentzĂŒndung mussten bisher immer an einen Arzt oder eine Ärztin verwiesen werden. Das Ă€ndert sich jetzt mit dem Update der Leitlinie.

Bei ausschließlich lokalen Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen, Harndrang und Schmerzen im Unterleib, die nicht lĂ€nger als fĂŒnf Tage bestehen und bei denen keine systemischen Beschwerden wie Fieber bestehen, kann eine Selbstmedikation versucht werden. Mediziner*innen behandelt diese Art von Harnwegsinfekten in der Regel ambulant.

Systemischer Harnwegsinfekt oder Risikofaktoren

Ein Harnwegsinfekt mit systemischen Beschwerden oder Zeichen einer Sepsis gehört umgehend in Àrztliche Behandlung. Dazu zÀhlen:

  • Fieber
  • SchĂŒttelfrost
  • Starkes KrankheitsgefĂŒhl
  • Blutdruckabfall
  • Flankenschmerzen

Eine stationÀre Aufnahme kann in solchen FÀllen notwendig werden, ebenso wie weitere Diagnostik, etwa zur Bestimmung von Antibiotikaresistenzen.

Bestehen bei lokalisiertem Infekt bestimmte Risiken, sollten Betroffene ebenfalls Àrztlich untersucht werden. Dies ist der Fall bei:

  • Schwangerschaft
  • SĂ€uglingen
  • Senioren
  • Immunsuppression
  • PflegebedĂŒrftigkeit
  • Bekannten Anomalien der Harnwege oder Nieren
  • Katheterisierung
  • Vorerkrankungen wie Diabetes, Prostataerkrankungen, Nierenfunktionsstörungen
  • Nierensteinen
  • Kurz zurĂŒckliegender Antibiotika-Einnahme (Gefahr resistenter Keime)

Bestehen einer oder mehrere Risikofaktoren, kann dies den Verlauf und die Wahl der Therapie beeinflussen. Anders als bei der bisherigen Einteilung betrachtet die neue Klassifizierung von Harnwegsinfekten die Faktoren aber getrennt vom Infektionstyp. Die aktuell gĂŒltigen Leitlinien der deutschen Fachgesellschaften teilen Harnwegsinfekte nach wie vor in kompliziert und unkompliziert ein. Ob sich die neuen Kriterien durchsetzen, wird sich zeigen.

Quellen:

https://link.springer.com/article/10.1007/s11298-025-4454-6

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-leitlinie-unterscheidet-lokalisiert-und-systemisch-167401/

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/harnwegsinfektion-neue-einteilung-optimiert-therapie/#

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