Ein Mädchen stellt ein Vorratsglas mit Erdnüssen in den Schrank.© doble-d/iStock/Getty Images Plus
Neue Erkenntnisse: Wir können nicht alle Erdnuss-Desensibilisierungen in die gleiche Schublade stecken – eine Individualisierung wäre sinnvoll.

Immunsystem

HILFE BEI ERDNUSSALLERGIE: DESENSIBILISIERUNG VON KINDERN SICHERER GESTALTEN

Erdnussallergie im Alltag: Aus Vorsicht verzichten viele Schulen und Kitas auf Lebensmittel mit Nüssen. Eine neue Studie zeigt nun, wie Kinder auf eine orale Desensibilisierung reagieren – und wie sich die Therapie künftig gezielter einsetzen lässt.

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Eine Erdnussallergie kann bei Kindern und ihren Familien den Alltag massiv verändern. Kleinste Mengen können allergische Reaktionen auslösen – im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Anaphylaxie mit Atemnot. Für Sie als PTA gehören Fragen zu Allergien dazu. Sie sind geschult zu Notfallmedikamenten und Umgang mit verschiedenen Allergenen.

Forschungsergebnisse zeigen: Die Desensibilisierung bei einer Erdnussallergie könnte künftig individueller gestaltet werden. Nicht alle Kinder profitieren gleichermaßen. Bei manchen steigt die Reaktionsschwelle deutlich, während andere kaum auf die Behandlung ansprechen. Innerhalb der Therapie können starke allergische Reaktionen auftreten. Genau hier setzt eine neue Studie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft und der Charité an.

Erdnussallergie und Desensibilisierung: neue Studie bei Kindern

Für die Studie wurden 38 Kinder mit Erdnussallergie untersucht, die im Durchschnitt sieben Jahre alt waren. Sie erhielten eine orale Therapie zur Gewöhnung an das Allergen. Vor und nach der Behandlung analysierten Forschende unter anderem Immunzellen, Antikörper und Entzündungsbotenstoffe. Dabei zeigte sich: Kinder, die gut auf die Therapie ihrer Erdnussallergie ansprachen, unterschieden sich bereits vor Beginn der Behandlung in ihrem Immunsystem.

Sie hatten niedrigere Werte bestimmter Immunglobuline und Zytokine. Die Forschenden stellten Unterschiede in der Genaktivität und der sogenannten DNA-Methylierung von Immunzellen fest. Hier fanden sie heraus, dass Immunzellen im Vordergrund stehen, die im Blut selten vorkommen, jedoch im Darm eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören bestimmte T-Zellen und Zellen der angeborenen Immunabwehr.

Die Vision dahinter: Ein einfacher Bluttest könnte künftig zeigen, welche Kinder mit Erdnussallergie besonders gut von einer oralen Desensibilisierung profitieren. Sowohl die Dosierung der Erdnuss-Allergene sowie die Dauer der Behandlung könnten an das bestimmte Immunprofil besser angepasst werden.

Wir haben jetzt potenzielle Biomarker, um vor Beginn der Therapie herauszufinden, wie gut ein Kind auf diese anspricht und welche Risiken mit ihr in dem jeweiligen Fall verbunden sind.“
Professorin Young-Ae Lee, Leiterin der Arbeitsgruppe „Molekulare Genetik allergischer Erkrankungen“ am Max-Delbrück-Centrum

Andere Studien zur Erdnussallergie

Weitere Studien zeigen, wie dynamisch sich die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Erdnussallergie entwickelt. Das macht Hoffnung auf gezieltere Therapieansätze. Betroffene benötigen eine persönliche allergologische Betreuung. Eine Desensibilisierung ist keine Selbstmedikation, sondern eine Form der ASIT (antigenspezifische Immuntherapie).

Eine frühere internationale Phase-3-Studie untersuchte eine orale Desensibilisierung mit AR101. AR101 ist ein neu entwickeltes, von der Erdnuss stammendes Medikament, das täglich als Pulver in die Nahrung von Alergiker*innen gemischt werden kann. Durch die Behandlung mit AR101 konnten Teilnehmende, die das Medikament täglich erhalten hatten, größere Mengen Erdnussprotein tolerieren als Proband*innenen aus der Placebogruppe. Das bedeutet, dass es zu einer Anhebung der Reaktionsschwelle kam. Außerdem verminderte sich der Schweregrad der Symptome.

Noch eine Studie sorgte 2025 für Aufmerksamkeit: Kinder mit leichter Erdnussallergie erreichten unter ärztlicher Begleitung durch langsam steigende Mengen Erdnussbutter eine Desensibilisierung. Nach der Behandlung vertrugen 32 Kinder die maximale Testmenge von neun Gramm Erdnussprotein. In der Kontrollgruppe waren es nur 3 von 30 Kindern. Bei vielen blieb die erhöhte Toleranz auch nach einer anschließenden Vermeidungsphase bestehen.

Erdnussallergie: Was Eltern beachten sollten

Es handelt sich bei den Ergebnissen um einen Forschungsansatz, der in weiteren Studien bestätigt werden muss. Eine Erdnussallergie wird nicht gleich behandelt – und auch die Immunantwort der Kinder kann sehr unterschiedlich sein. Wichtig für die Eltern aller betroffener Kinder sind jedoch einige Tipps.

Diese 3 Tipps können PTA an Eltern weitergeben

  • Eine orale Desensibilisierung gehört ausschlieĂźlich zu Fachärzt*innen.
  • ErdnĂĽsse sollten bei Kindern mit diagnostizierter Erdnussallergie nicht eigenständig zu Hause „ausgetestet“ werden.
  • Notfallmedikamente mĂĽssen korrekt angewendet werden können.
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