Eine Frau in Schutzkleidung reinigt eine Laminar-Air-Flow-Bank.© Blackholy/iStock/Getty Images Plus
Augencremes, -salben und -gele unterscheiden sich in der Zubereitung von Tropfen. Was geht hier unter der LAF-Bank, was nicht?

Galenische Übungen

AUGENSALBEN HERSTELLEN: STERILE REZEPTURPRAXIS – TEIL 3

Eine Augensalbe herstellen ist anspruchsvoll: Grundlage, Wirkstoff und Packmittel müssen steril verarbeitet beim Kunden ankommen. Wie unterscheiden sich Augensalbe, Augencreme und Augengel, was leisten Spritzentechniken – und wann sollte die Apotheke die Herstellung ablehnen?

Seite 1/1 6 Minuten

Seite 1/1 6 Minuten

Wer eine Augensalbe herstellen will, braucht nicht nur eine sterile Grundlage. Es zählen auch Homogenität, Teilchengröße und Partikelfreiheit. Eine Augensalbe herstellen heißt daher, Rezeptur, Sterilisation, Weiterverarbeitung und Packmittel zusammen zu planen.

Nach Teil 1 zu sterilen Arzneiformen und Teil 2 zu Augentropfen geht es in diesem dritten Teil der Miniserie nun um halbfeste Zubereitungen. Beim Herstellen muss man wissen, warum für Augensalbe, Augencreme und Augengel eigene Verfahren benötigt werden. Salbe, Creme und Gel reagieren nämlich unterschiedlich auf Hitze, Filtration und Keime. Ohne standardisierte Vorschrift, belegte Stabilität und geeignete Ausstattung darf keine Augensalben-Rezeptur entstehen.

Augensalbe in der Rezeptur herstellen: Die Grundlage entscheidet

Bevor Sier eine Augensalbe herstellen können, muss die Grundlage zum Wirkstoff passen – davon werden sehr unterschiedliche eingesetzt. Beispielsweise enthält die Einfache Augensalbe DAC nach NRF S.47 Dickflüssiges Paraffin und Weißes Vaselin. Diese wasserfreie, nicht konservierte Grundlage ist mikrobiell nicht anfällig und kann keine wässrigen Wirkstofflösungen aufnehmen.

Die Emulgierende Augensalbe DAC nach NRF S.48 dagegen enthält zusätzlich noch Cholesterol, dank dem sie begrenzt Wasser aufnehmen kann. Mit steriler wässriger Wirkstofflösung entsteht eine lipophile Augencreme.

Suspendierte Wirkstoffe müssen ausreichend fein gepulvert und steril sein. Das ist in der Augensalben-Rezeptur schwer abzusichern; die Bundesapothekerkammer (BAK) rät von Suspensionszubereitungen am Auge in der Regel ab. Eine Augensalbe herstellen zu können heißt daher auch, eine nicht beherrschbare Rezeptur abzulehnen.

Wer eine Augensalbe herstellen will, braucht mehr als eine sterile Grundlage.

Augensalben-Rezeptur sterilisieren und abfüllen

Für eine Augensalben-Rezeptur werden die Grundlagen geschmolzen und heißluftsterilisiert. NRF S.47 legt 160 Grad Celsius (°C) für 120 Minuten fest, S.48 dagegen 180 °C für 30 Minuten. Wer eine Augensalbe herstellen möchte, darf diese Parameter nicht austauschen.

Um eine Augensalbe steril herstellen zu können, kühlt die Schmelze bedeckt und ohne Rühren ab. Bei 50 bis 60 °C wird der Überstand durch eine sterile weitlumige Kanüle in eine sterile zweiteilige Luer-Lock-Spritze aufgezogen. Die Temperatur wird berührungslos geprüft, ein Thermometer darf nicht eintauchen.

Die Grundlage kann sofort verwendet oder steril bevorratet werden. Eine vorsterilisierte Augensalbentube bleibt beim Befüllen in ihrer Sterilschutzfolie – nur die desinfizierte Einstichstelle wird durchstochen. Beim Herstellen einer Augensalbe plant man deshalb den Abfüllweg mit, denn übliche Tuben lassen sich nicht ohne Weiteres im Endbehältnis sterilisieren.

NRF S.47 nennt für die Stammzubereitung drei Jahre, S.48 ein Jahr Verwendbarkeitsfrist. Diese Fristen gelten nicht automatisch für die wirkstoffhaltige Augensalbe. Wenn Sie aus der Grundlage die fertige Augensalbe herstellen, benötigen Sie also produktspezifische Daten. Pro Behältnis sind im Übrigen höchstens zehn Gramm vorgesehen.

Augencreme: Herstellung im Dreispritzensystem

Bei einer Augencreme ist die Herstellung anspruchsvoller, weil Wasser in die sterile Grundlage gelangt. Das Endprodukt lässt sich meist nicht im Behältnis sterilisieren. Unter Bedingungen mit Laminar Air Flow (LAF) werden deshalb die hitzesterilisierte Grundlage und die bakterienfrei filtrierte Wirkstofflösung aseptisch zusammengeführt.

Das DAC/NRF beschreibt für die Augencreme-Herstellung eine Dreispritzentechnik:

  1. Sterile Grundlage in eine sterile Luer-Lock-Spritze aufziehen und verschließen
  2. Wässrige Phase in eine zweite Luer-Lock-Spritze aufziehen
  3. Durch einen hydrophilen Filter mit 0,2 oder 0,22 Mikrometern (µm) in eine dritte sterile Spritze filtrieren
  4. Spritzen mit Grundlage und Filtrat über einen stabilen doppelt weiblichen Adapter verbinden
  5. Beide Phasen bis zur homogenen Augencreme hin- und herschieben
  6. Filterintegrität mit dem Bubble-Point-Test prüfen und dokumentieren

Bei der Augencreme-Herstellung wirkt erheblicher Druck und Biegekräfte. Nötig sind kleine Ansätze und stabile Adapter. Der Bubble-Point-Test bestätigt nur die Filterintegrität, nicht die Sterilität der Zubereitung. Wer eine Augensalbe herstellen oder eine Augencreme zubereiten will, sichert die Qualität also nicht allein durch die Endkontrolle, sondern vielmehr durch den Gesamtprozess.

Augencreme-Herstellung: Wo das Verfahren endet

Außerhalb einer LAF-Werkbank ist die Augencreme-Herstellung nur als begründete Ausnahme im geeigneten nahezu geschlossenen System vertretbar. Auch wenn Sie eine solche Augensalbe herstellen dürfen, prüfen Sie bitte jede Rezeptur neu. Eine Vierspritzentechnik wäre bei filtrierbarer lipophiler Phase denkbar, ist laut DAC/NRF aber nicht ausreichend validiert und standardisiert.

Beim Herstellen einer Augensalbe nach NRF S.48 nutzen Sie eine wasserfreie, mikrobiell nicht anfällige Grundlage. Erst bei der Herstellung einer Augencreme kommt Wasser hinzu. Dann sind Anfälligkeit, mögliche Konservierung und Verträglichkeit neu zu bewerten. Ein Konservierungsmittel darf gerade bei Zubereitungen zur Anwendung am Auge nicht eigenmächtig ergänzt werden.

Bei einer Augencreme ist die Abfüllung besonders kritisch. Sterile Tuben sind erhältlich, ihre kontaminationsarme Befüllung ist jedoch nicht optimal gelöst. Für weiche Zubereitungen kann eine teilweise befüllte zweiteilige Luer-Slip-Spritze mit sterilem Verschlusskonus infrage kommen. Sie trägt die Aufschrift „Nicht zur Injektion bestimmt“.

Vor dem Herstellen eines Augengels erst die Rezeptur prüfen

Ein Augengel herstellen bedeutet meist, eine hochviskose wässrige Lösung etwa mit Hypromellose 4000 anzufertigen. Tonizität und pH-Wert müssen zur Verträglichkeit und Stabilität passen. Hydrophile Augengele können bei geeigneter Rezeptur und geeignetem Endbehältnis dampfsterilisiert werden.

Hochviskose Lösungen sind jedoch nicht beliebig filtrierbar. Die BAK nennt für die manuelle Filtration bis etwa zehn Millipascalsekunden (mPa · s) als praktikabel. Wer ein Augengel herstellen will, legt deshalb schon vor der Gelbildung den Sterilisationsweg fest.

Im aktuellen DAC/NRF findet sich keine allgemeine Standardrezeptur für beliebige wirkstoffhaltige Augengele. Beschrieben werden ein vorsterilisiertes Gel zur aseptischen Abfüllung und ein fertiges Augengel zum Mischen mit sterilen Augentropfen. Dafür dienen zwei verbundene Spritzen – bei vorheriger Filtration kommt eine dritte hinzu. Wer ein anderes Augengel herstellen möchte, darf das Prinzip aber nicht ohne Daten übertragen.

Ein Augengel oder eine Augensalbe herstellen? Ohne belegte Rezeptur ist Nicht-Herstellen die sichere Entscheidung.

Nach dem Herstellen des Augengels: Abfüllen und freigeben

So, wie auch das Zubereitungsverfahren eines Augengels oder einer Augensalbe schon vor dem Herstellen feststeht, werden auch die  Kontrollen vorab festgelegt. Dazu gehören Einwaagen, Sterilisationsparameter, Aussehen, Homogenität, Partikelfreiheit, Filterintegrität, Füllmenge und Verschluss. Die Freigabe erfolgt möglichst ohne Öffnen am konfektionierten Produkt.

Hydrophile Augengele kommen in sterilisierte Tuben oder bei ausreichender Fließfähigkeit in geeignete Augentropfenflaschen. Von einem Augengel sollte man höchstens zehn Gramm pro Packung herstellen.

Als Orientierung bei der Aufbrauchfrist nennt die BAK nach Anbruch vier Wochen für konservierte Gele, 24 Stunden für unkonservierte Gele und vier Wochen für hydrophobe Augensalben. Produktspezifische Daten haben Vorrang.

Beim Abgeben von Augensalben muss auf Kontaktlinsen und den möglichen Schmierfilm hingewiesen werden. Egal, ob Sie ein Augengel oder eine Augensalbe herstellen sollen: Erst Prüfung, Freigabe und Beratung machen daraus ein verantwortbares Rezepturarzneimittel.

 

Quellen:
DAC/NRF: Allgemeine Hinweise I.8 „Zubereitungen zur Anwendung am Auge“, insbesondere I.8.3.5 bis I.8.3.7, aktueller Stand.
DAC/NRF: Einfache Augensalbe DAC, NRF S.47, Stand 2015/1.
DAC/NRF: Emulgierende Augensalbe DAC, NRF S.48, Stand 2015/1.
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/
https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/fuer-abonnenten/rezepturtipp/rezepturtipps-2025/inhalte-zu-augenzubereitungen-aktualisiert
https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Praktische_Hilfen/Leitlinien/Rezeptur_Defektur/AWB_Zubereitungen_Auge.pdf
https://www.abda.de/fuer-apotheker/qualitaetssicherung/leitlinien/leitlinien-und-arbeitshilfen/herstellung/
https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/__7.html
https://www.gesetze-im-internet.de/apobetro_1987/__14.html
https://www.edqm.eu/en/european-pharmacopoeia

×