Großraumbüro mit Trennwänden: Eine Frau versteckt sich in ihrer Kabine, schaut aber gleichzeitig misstrauisch über den Rand.© Image Source/iStock/Getty Images Plus
Typisch für eine Schizophrenie ist das Gefühl, verfolgt zu werden oder dass die Umwelt Einfluss auf die eigenen Gedanken hätte.

Aus der Psychologie

SCHIZOPHRENIE IM FOKUS – URSACHEN UND THERAPIE

Verfolgungswahn oder Stimmen, die hässliche Dinge rufen – und dann ist es wieder vorbei. Die Schizophrenie ist eine komplexe psychische Erkrankung, die trotz ihrer Bekanntheit oft verwechselt wird. Informieren Sie sich hier über die Schizophrenie, mögliche Ursachen und Optionen zur Therapie.

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Die Schizophrenie, unabhängig ihrer Ursachen, ist nicht das gleiche wie eine gespaltene Persönlichkeit. Häufig wird sie aber mit der dissoziativen Störung verwechselt. Diese ist über das Leitsymptom, dass sich mindestens zwei Persönlichkeitsidentitäten entwickeln, definiert, die durch die Dissoziation unabhängig voneinander existieren. Das ist bei der Schizophrenie trotz der wörtlichen Übersetzung nicht der Fall. Die Ansätze der Therapie sind ebenfalls unterschiedlich.

Entsprechend ist auch die schizoide Persönlichkeitsstörung kein Synonym. Hierbei handelt es sich um eine tiefgehende Kontaktstörung, durch die Betroffene kaum emotionale Bindungen zu anderen Menschen eingehen können. Extremer sozialer Rückzug und kein Bedürfnis nach sozialer Interaktion – auch nicht mit ausgewählten Personen – sind Folgen der Persönlichkeitsstörung. Die Schizophrenie ist ebenfalls anders definiert und mit einer anderen Therapie behandelbar.

Schizophrenie erklärt

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die meist episodisch verläuft und anhand der komplexen und individuellen Symptome in verschiedene Arten eingeteilt wird. Ihre Therapie passt sich an mögliche Ursachen und individuelle Symptome an.

Die Schizophrenie beginnt meist zwischen 15 und 35 Jahren, wobei die hebephrene Schizophrenie, eine Unterform, eher zwischen 15 und 25 vorkommt. Je früher erkannt, desto schneller können Ursachen innerhalb der Therapie geklärt werden. Geschätzt sind weltweit etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei sich der Wert gleichmäßig auf die Geschlechter verteilt.

Die Symptome können in Positiv- und Negativsymptomatik eingeteilt werden, wobei positiv hier nicht gut bedeutet, sondern produktiv. Die Produktivsymptome der Schizophrenie fassen eher die Akutphasen der Erkrankung zusammen, während die Negativsymptomatik in den chronischen Phasen auftritt. An deren Ausprägung orientiert sich auch die Therapie.

Positivsymptomatik:

  • Verschiedene Wahnvorstellungen wie Verfolgungswahn
  • Halluzinationen, oft akustische
  • Ich-Störungen mit Fremdbeeinflussungs-Erleben: Veränderte Umweltwahrnehmung; Befürchtung, dass persönliche Gedanken in die Umwelt dringen oder sie umgekehrt von außen beeinflusst werden
  • Gedankenlautwerden: Teil der Ich-Störungen, wodurch Betroffene eigene Gedanken echoartig vernehmen
  • Formale Denkstörungen: zusammenhanglose Gedanken in veränderter Geschwindigkeit, die in sprachlichen Äußerungen enden. Meistens kommt es zur Denkzerfahrenheit, durch die für Außenstehende Gedanken nicht nachvollziehbar sind, da Gedankenausbrüche unzusammenhängend verbunden werden.
  • Bizarres Verhalten mit Desorganisation

Negativsymptomatik:

  • Anhedonie: Unfähigkeit, Freude zu empfinden
  • Apathie: Antrieblos und mangelnd ansprechbar
  • Affektverflachung: geringe Intensität von Emotionen
  • Konzentrationsstörungen und geringe Aufmerksamkeit
  • Sozialer Rückzug

Die unterschiedlichen Symptome und ihre Ausprägungen können nicht auf spezielle Ursachen zurückgeführt werden. Auch die Therapie verläuft neben der medikamentösen individuell. Auch die verschiedenen Unterformen beeinflussen die Therapie, diese werden im Folgenden erläutert.

Paranoide Schizophrenie

Die häufigste Unterform ist über die Hauptsymptome der Wahnvorstellungen und Halluzinationen wie das Stimmenhören definiert. Diese Stimmen bedrohen oder befehligen Betroffene. Chronisch sind Reizbarkeit, akute Wutausbrüche und Misstrauen mit Furchtsamkeit. Die paranoide Schizophrenie entwickelt sich aufgrund verschiedener Ursachen.

Hebephrene Schizophrenie

Das vorrangige Symptom ist hier die Affektverflachung sowie eine fehlende Fähigkeit, emotional zu interagieren. Das Verhalten ist unpassend und manieriert – auch in Bewegungsabläufen. Unlogisches und desorganisiertes Denken führt auch zu merkwürdiger Wortwahl und einer gestelzten Ausdruckweise. Die Wahl der Therapie passt sich an diese Ausprägungen an, die Ursachen sind unterschiedlich.

Katatone Schizophrenie

Die seltenste Unterform ist durch psychomotorische Symptome gekennzeichnet:

  • Stupor: psychische und motorische Reglosigkeit
  • Negativismus: Ignorieren oder gegenteiliges Ausführen von Handlungen
  • Katalepsie: Erstarren in einer passiven Bewegung, trotz möglicher Ungemütlichkeit. Beispielsweise das Anheben des Arms durch andere.

Ursachen der Schizophrenie

Die Ursachen der Schizophrenie müssen nicht zwangsläufig zu einem speziellen Verlauf oder Ausprägungen der Erkrankung führen. Neben den drei klassischen Ursachen Neurobiologie, Genetik und Erlebnissen kann ein psychologisches Persönlichkeitsmodell herangezogen werden, um mögliche Begünstigungen der Entwicklung zu erklären.

Genetische Ursachen

Über Zwillingsstudien ließ sich verzeichnen, dass genetische Ursachen das Risiko der Entwicklung der Schizophrenie erhöhen.

Neurobiologische Ursachen

Dass es auch neurobiologische Ursachen gibt, zeigt sich anhand bekannter Symptome. Der Botenstoff Dopamin steuert unter anderem die Motorik und Motivation, Serotonin beeinflusst die Stimmung und Gedächtnisleistung. Innerhalb der Schizophrenie sind diese Abläufe beeinträchtigt. Außerdem wurden neurologische Veränderungen festgestellt, die speziell das limbische System betreffen, das die Gefühle reguliert.

Drogen als Ursachen

Cannabis kann Schizophrenie nicht verursachen, erhöht aber das Risiko der Auslösung bei genetischer Veranlagung. Gibt es in der Familie Fälle einer Schizophrenie, ist der Konsum von Rauschmitteln nicht empfohlen. Neben Cannabis werden noch Auswirkungen von Amphetaminen, Kokain und Lysergsäure vermutet, da diese den Krankheitsverlauf verschlechtern. Außerdem bewirken einige Drogen die Symptome einer Schizophrenie, nur dass im Normalfall die Wirkungen nachlassen. Eine Therapie kann selbstverständlich nicht durch eigenständigen Drogenkonsum ersetzt werden.

Ursachen Stress und Traumata     

Trauma oder extreme Ereignisse wie der Verlust nahestehender Personen genauso wie Stress können als Ursachen die Entwicklung einer Schizophrenie begünstigen. Betroffene verarbeiten Stress meist schlecht, wodurch die Belastung stetig ansteigt.

Zu den Ursachen der fehlenden Stressresilienz passt ein psychologisches Modell: Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell von Zubin und Spring besagt vereinfacht, dass die Kombination aus einer erhöhten Vulnerabilität und Stresseinwirkung psychische Erkrankungen provoziert.  

Therapie von Schizophrenie

Die Therapie der Schizophrenie teilt sich in nichtmedikamentöse und medikamentöse Maßnahmen auf. Das Ziel der Therapie ist, dass Betroffene von der Symptomatik der Schizophrenie unabhängig leben können. Die beiden Formen der Therapie funktionieren langfristig nur gemeinsam.

Nichtmedikamentöse Therapie

In der Psychotherapie werden das individuelle Krankheitsprofil erklärt und Ziele der Betroffenen abgesteckt. Das psychotherapeutische Verfahren ist die kognitive Verhaltenstherapie, außerdem kann das nahe Umfeld hinzugezogen werden, um das Zusammenleben positiv zu beeinflussen. Der psychosoziale Ansatz bezieht sich auf das Training sozialer Kompetenzen.

Medikamentöse Therapie

Es gibt typische Antipsychotika (auch Neuroleptika), die über einen Dopamin-D2-Antagonismus wirken, während atypische über mehrere Rezeptoren vermittelt werden. Sie lindern die Positivsymptomatik, indem sie bestimmte Nervenaktivitäten hemmen. Insgesamt wird die Therapie mit atypischen Antipsychotika bevorzugt, in akut psychotischen Phasen werden aber auch typische wegen ihrer sedierenden Wirkung angewandt.

  • Beispiele für typische Antipsychotika: Haloperidol, Pipamperon, Chlorpromazin
  • Beispiele für atypische Antipsychotika: Amisulprid, Aripiprazol, Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon

Quellen:
Mathias Berger: „Psychische Erkrankungen“, Urban & Fischer in Elsevier, 6. Auflage 2018.
Ulrich Voderholzer, Fritz Hohagen: „Therapie psychischer Erkrankungen. State of the Art“, Urban & Fischer in Elsevier, 17. Auflage 2021.
https://gesund.bund.de/schizophrenie#symptome
https://www.st-augustinus-kliniken.de/psychiatrie/schizophrenie
https://www.therapie.de/psyche/info/index/diagnose/schizophrenie/ursachen-entstehung/
https://mentalwohl.com/schizoide-personlichkeitsstorung-was-ist-das/
https://schizophrenie-forum.com/psychose/lexikon/hebephrene-schizophrenie/
https://gedankenwelt.de/cannabis-und-schizophrenie-was-du-darueber-wissen-solltest/
https://www.schoen-klinik.de/schizophrenie/behandlung
https://www.akdae.de/arzneimitteltherapie/arzneiverordnung-in-der-praxis/ausgaben-archiv/ausgaben-ab-2015/ausgabe/artikel/2023/2024-1/behandlung-der-schizophrenie-status-quo-der-pharmakotherapie

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