HÀnde eines Seniors mit Taschenrechner und Geldscheinen© Zelma Brezinska / iStock / Getty Images Plus
Altersvorsorge ab 50: Wer spĂ€t startet, sollte zuerst die RentenlĂŒcke berechnen – und dann gezielt eine passende Anlageform wĂ€hlen.

Ruhestand

ALTERSVORSORGE AB 50: RENTENLÜCKE BERECHNEN

Altersvorsorge ab 50 lohnt sich noch – auch wenn die Zeit bis zum Ruhestand knapper wird. Zwei Experten erklĂ€ren, wie sich die RentenlĂŒcke berechnen lĂ€sst, welche Anlageformen jetzt noch sinnvoll sind und von welchen Produkten man kurz vor der Rente besser die Finger lĂ€sst.

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Eigentlich sollten Verbraucher*innen, die es sich leisten können, so frĂŒh wie möglich fĂŒrs Alter vorsorgen. So lĂ€sst sich mit vergleichsweise kleinen SparbetrĂ€gen und der Wirkung des Zinseszinseffekts ein beachtliches Vermögen anhĂ€ufen. Je spĂ€ter man beginnt, desto grĂ¶ĂŸer mĂŒssen die SparbetrĂ€ge sein, um zum selben Ergebnis zu gelangen. Doch nicht selten bleibt das Vorhaben lange Zeit auf der Strecke – zum Beispiel wegen anderer finanzieller Verpflichtungen. Besser spĂ€t als nie: Auch eine Altersvorsorge ab 50 ist noch möglich.

Wer dann irgendwann ĂŒber 50 ist und einen Blick in seine Unterlagen wirft, stellt nicht selten fest, dass eine RentenlĂŒcke droht. Gemeint ist damit die Differenz zwischen dem gewohnten Nettoeinkommen vor dem Ruhestand und den tatsĂ€chlichen AlterseinkĂŒnften, etwa durch die gesetzliche Rente. Wer eine Altersvorsorge ab 50 aufbauen will, sollte deshalb zuerst die RentenlĂŒcke berechnen. Was Betroffene in dem vergleichsweise begrenzten Zeitraum bis zum Renteneintritt tun können, um noch Geld fĂŒr den Lebensabend anzusparen, erklĂ€ren zwei Experten.

RentenlĂŒcke strukturiert berechnen

Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW in DĂŒsseldorf rĂ€t Betroffenen dazu, strukturiert vorzugehen und sich Zeit zu nehmen, um die passende Lösung fĂŒr sich selbst zu finden. Wer die RentenlĂŒcke berechnen möchte, muss vor allem klĂ€ren, ob sie lediglich dazu fĂŒhrt, dass man den bisherigen Lebensstandard herabsetzen muss. Oder ob dadurch bereits gewöhnliche Lebenshaltungskosten gar nicht dauerhaft bedient werden können.

Wer seinen bisherigen Lebensstandard problemlos heruntersetzen kann und möchte, hat vielleicht weniger ein Problem, als wenn im Alter das Geld fĂŒr Miete und Lebensmittel fehlt.

ZunĂ€chst gilt es also zu prĂŒfen, wie es um die Finanzen nach dem Wechsel in den Ruhestand aussieht. Konkret: Welche Einnahmen gibt es – und welche Ausgaben stehen an? Anschließend checken Betroffene die in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung angegebene Rentenhöhe.

Um die RentenlĂŒcke genau berechnen zu können, prĂŒfen sie außerdem:

  • zusĂ€tzliche EinkĂŒnfte: Kann man etwa mit einer betrieblichen Altersvorsorge oder mit Mieteinnahmen rechnen?
  • wegfallende Ausgaben: Welche Ausgaben fallen im Rentenalter weg, etwa Fahrkosten zur Arbeit oder BeitrĂ€ge zur BerufsunfĂ€higkeitsversicherung?
  • BedĂŒrfnisse: Welchen Betrag benötigt man im Alter fĂŒr die grundlegenden BedĂŒrfnisse, welchen fĂŒr Konsumzwecke?

Wer so die RentenlĂŒcke berechnen konnte, muss anschließend entscheiden, wie sie geschlossen werden soll. Soll etwa ein bestimmter Kapitalstock angespart werden, aus dem in Eigenregie regelmĂ€ĂŸig Entnahmen erfolgen? Oder prĂ€feriert man eine lebenslang gezahlte Rente? Oder wĂ€hlt man einen dritten Weg?

Generell gilt: Wer Anfang 50 ist, hat aufgrund der noch zur VerfĂŒgung stehenden Zeit von rund 15 Jahren mehr Optionen bei der Altersvorsorge ab 50 als jemand, fĂŒr den oder die das 60. Lebensjahr naht oder eventuell schon ĂŒberschritten ist.

Sinnvolle Vorsorge-Optionen

Ein Bank- oder Fondsauszahlplan kann fĂŒr alle infrage kommen, die einen grĂ¶ĂŸeren Geldbetrag zur freien VerfĂŒgung haben – etwa nach Auszahlung einer Lebensversicherung. Wer sein Geld auf diese Weise anlegt, erhĂ€lt anschließend Monat fĂŒr Monat einen gewissen Geldbetrag ausgezahlt, bis das Vermögen am Ende möglicherweise aufgebraucht ist.

Der Nachteil laut Scherfling: Die zusĂ€tzliche Rente kann eben nach einer gewissen Zeit verebben. FĂŒr die Altersvorsorge ab 50 ist das ein Punkt, den man einkalkulieren sollte.

Eine weitere Möglichkeit sind freiwillige BeitrÀge in die gesetzliche Rentenversicherung.

„Es kann sich rechnen, freiwillige BeitrĂ€ge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen“, sagt Andreas Irion, PrĂ€sident des Bundesverbands der Rentenberater. Wer ein Jahr lang jeden Monat den freiwilligen Mindestbeitrag von 112,16 Euro zahlt, sorgt spĂ€ter fĂŒr eine monatliche Rentensteigerung von 5,68 Euro, wie die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite erklĂ€rt.

Beim freiwilligen Höchstbeitrag von 1571,70 Euro ergibt sich nach einjĂ€hriger, regelmĂ€ĂŸiger Zahlung ein monatliches Rentenplus von 79,63 Euro. Die gesetzliche Altersrente erhalten Anspruchsberechtigte ein Leben lang, egal, welches Alter sie erreichen.

Altersvorsorge mit ETF und Sofortrente

Sparen ĂŒber Indexfonds (ETFs) ist Scherfling zufolge immer eine Alternative, ĂŒber die man nachdenken kann. Wer Anfang 50 ist, könnte sich dafĂŒr entscheiden, Anteile eines breit streuenden Aktien-ETF zu kaufen und die Aktienquote dann bis zum Rentenbeginn nach und nach zu reduzieren. Die Anteile werden dann StĂŒck fĂŒr StĂŒck verkauft und in weniger schwankungsanfĂ€llige Anlageformen umgeschichtet.

So lĂ€sst sich das Risiko von KurseinbrĂŒchen minimieren – denn kurz vor dem Ausstieg aus dem Berufsleben bleibt weniger Zeit, Börsencrashs auszusitzen.

Bei einer Sofortrente zahlen Kund*innen einen grĂ¶ĂŸeren Betrag bei einer privaten Rentenversicherung ein und bekommen dafĂŒr fĂŒr den Rest ihres Lebens eine Rente aufs Konto ĂŒberwiesen. „Eine Sofortrente bietet sich nur an, wenn man noch Geld gespart hat oder durch eine Erbschaft oder Auszahlung einer Lebensversicherung zu Geld kommt und weder in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen noch mit ETF ansparen möchte“, erklĂ€rt Irion.

Aber Achtung: „Bei Versicherungslösungen muss man oft Ă€lter als 90 Jahre alt werden, um das eingezahlte Geld ĂŒber die monatlichen Rentenzahlungen zurĂŒckzuerhalten“, so Scherfling.

Nicht sinnvoll ist eine Sofortrente fĂŒr Frauen und MĂ€nner, bei denen sich etwa aufgrund einer Erkrankung abzeichnet, dass sie kein hohes Alter erreichen.

LĂ€nger arbeiten lohnt sich

Wer die RentenlĂŒcke nach dem Berechnen schließen will, kann auch ĂŒber das regulĂ€re Rentenalter hinaus arbeiten. „Den Rentenbeginn zu verschieben und weiterhin eine versicherungspflichtige BeschĂ€ftigung auszuĂŒben, kann sich rechnen“, sagt Irion.

Denn fĂŒr jeden Monat des spĂ€teren Rentenbeginns gibt es einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf die Rente. Wurde der Rentenbeginn um ein Jahr verschoben, erhöht sich die Altersrente um sechs Prozent. Und: Die Rente erhöht sich zusĂ€tzlich um die weiter gezahlten BeitrĂ€ge.

Diese Oprionen lohnen kaum

Von kapitalbildenden Lebensversicherungen sollte man aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW eher Abstand nehmen, wenn es um das Ziel geht, Vermögen aufzubauen. Denn kapitalbildende Lebensversicherungen sind laut Scherfling in der Regel teuer und unflexibel. Auch private Rentenversicherungen seien allein schon aufgrund des geringen Höchstrechnungszinses von derzeit einem Prozent auf den Sparanteil nicht erste Wahl – vor allem, wenn der Renteneintritt nahe ist. FĂŒr die Altersvorsorge ab 50 fallen diese Produkte damit weitgehend aus dem Raster.

Eine Altersvorsorge teilweise auch ĂŒber einen Banksparplan aufzubauen, ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW unter Renditegesichtspunkten ebenfalls keine gute Entscheidung.

Denn der Zins reiche in den meisten FĂ€llen nicht aus, um auch nur die Inflation auszugleichen. „Boni und PrĂ€mien, die BanksparplĂ€ne ein StĂŒck weit interessanter machen, gibt es aber oft erst nach vielen Jahren“, so Scherfling. Bei einer solch langfristigen Betrachtung bietet ein Aktien-ETF die Chance auf deutlich höhere Renditen.

Wer die RentenlĂŒcke berechnen und anschließend gezielt schließen will, fĂ€hrt mit den genannten Alternativen also meist besser.

Quelle: dpa

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