Croissant und Milchkaffee© Olga Mazyarkina/iStock/Getty Images Plus
Ist das ein vollständiges Frühstück für Sie? In weiten Teilen Italiens wäre es das. In Thailand würde man das wohl anders sehen.

Esskultur

FRÜHSTÜCK IN ANDEREN LÄNDERN: TRADITION STATT HYPE

Frühstück in anderen Ländern reicht von Nudelsuppe bis Churros. Low Carb und Protein-Bowls liegen zwar im Trend – doch beim Frühstück zählt vielerorts weiter die Tradition. Ein Streifzug durch neun Morgenküchen und ihre besonderen Frühstücksgewohnheiten.

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Wer im Urlaub nur abends die lokale Küche probiert, verpasst oft das Spannendste. Denn schon beim Frühstück unterscheiden sich die Essgewohnheiten in anderen Länderngewaltig. Die Bandbreite reicht von Nudelsuppe bis Dim Sum, von Churros bis Smashed Avo, also einer zerdrückten Avocado auf geröstetem Brot. Ob im Stehen an der Bar, auf einem Plastikhocker am Straßenrand oder im hippen Café – die erste Mahlzeit des Tages erzählt oft mehr über ein Land als jeder Reiseführer.

Low Carb und Protein-Bowls liegen im Trend – doch beim Frühstück zählt in anderen Ländern vor allem eins: Tradition. Von Hongkong bis Madrid zeigen die Frühstücksgewohnheiten, wie unterschiedlich Menschen in den Tag starten. Ein traditionelles Frühstück kann dabei herzhaft oder süß, schnell oder ausgiebig sein.

Frühstücksgewohnheiten in Thailand und Australien

Schon im ersten Morgenlicht steigen aus Garküchen von Bangkok bis Phuket dampfende Schwaden auf, Metallkellen klappern gegen Woks, und der Duft von Knoblauch, Koriander, gebratenem Fleisch und frisch gekochtem Reis liegt in der Luft. Büroangestellte im Anzug, Mönche in safranfarbenen Roben und Schulkinder holen sich ihr Frühstück an Straßenständen: eine Schüssel Reisbrei (Jok), würzige Reisnudelsuppe (Kuai Tiao), marinierte Schweinespieße (Moo Ping) oder gebratener Reis mit Spiegelei gehören zu den Klassikern im Königreich.

Gegessen wird oft auf kleinen Plastikhockern am Straßenrand – schnell, heiß und herzhaft – möglichst bevor die tropische Hitze und Chilis gleichermaßen Schweißperlen auf die Stirn treiben. Dazu gibt es einen kräftigen Eiskaffee oder süßen Thai-Milchtee. Das traditionelle Frühstück ist in Thailand weniger eine Mahlzeit am heimischen Küchentisch als ein Stück Straßenleben – bunt, laut und voller Düfte. Wer Thailand wirklich kennenlernen will, muss früh aus den Federn, raus ins Leben und rein in die Schlangen an den Street-Food-Ständen.

Ganz anders sehen die Frühstücksgewohnheiten in Australien aus. Die „Aussies“ von Sydney bis Perth starten den Tag meist sportlich, mit Joggen oder Radfahren – und strömen anschließend in eines der unzähligen hippen Cafés. Aus den Espressomaschinen zischt heißer Dampf, Baristas gießen kunstvolle Herzen in den Milchschaum, und der Duft frisch gerösteten Kaffees mischt sich mit dem von Sauerteigbrot. Auf den Tellern landen Smashed Avo mit pochierten Eiern und Feta-Käse oder Ricotta-Pfannkuchen mit Banane und Ahornsirup – das Frühstück Down Under ist oft schon ein kleines kulinarisches Ereignis.

Zum Essen gehört fast immer ein Flat White – jene australische Kaffeespezialität, die längst die Welt erobert hat.

Mutige probieren zudem Vegemite: Der salzige Hefeaustrich wird hauchdünn auf Toast gestrichen – und gehört für viele Australier*innen zum Frühstück wie die Brezel zu Bayern. Ausländische Gäste machen hingegen meist ein Gesicht, als hätten sie in einen Brühwürfel gebissen.

Traditionelles Frühstück in Italien und der Türkei

Ein traditionelles Frühstück fällt in vielen Teilen Italiens eher kurz aus: ein schneller Espresso, dazu ein süßes Teilchen – und dann geht es auch schon weiter. Viele frühstücken nicht einmal zu Hause, sondern in einer Caffèbar, oft sogar im Stehen.

Grund: Am Tresen ist es in der Regel billiger, als wenn man sich setzt.

Das klassische Italo-Frühstück besteht aus einem starken Espresso oder einem schaumigen Cappuccino sowie einem süßen, manchmal sogar sehr süßen Gebäck – etwa einem noch warmen Cornetto (auf Deutsch: Croissant), gefüllt mit Vanillecreme, Marmelade oder Schokolade.

Je nach Region sieht der Start in den Tag aber ganz unterschiedlich aus. In Südtirol kommt eher Herzhaftes auf den Tisch. In Rom sind Maritozzi beliebt – luftig-leichte Hefebrötchen, die üppig mit Sahne vollgepumpt sind und jedem kalorienbewussten Ernährungstrend trotzen. Auf Sizilien darf es vor allem im heißen Sommer schon am Morgen eine Brioche mit Granita sein, einem erfrischenden, halbgefrorenen Sorbet.

Deutlich üppiger fällt das traditionelle Frühstück in der Türkei aus. Von Istanbul bis Izmir drängen sich kleine Schälchen und Teller auf dem Frühstückstisch: Glänzende Oliven, cremiger Käse, Gurken, süßer Honig, Rahm und würzige Aufstriche lassen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Eier werden gern als Menemen serviert – einem Gericht mit Tomaten und grüner Paprika. Dazu werden frisches Weißbrot und der traditionelle Sesamkringel Simit gereicht. Als Heißgetränk lieben die Türk*innen Schwarztee aus kleinen Gläsern.

Auch hier gibt es je nach Region Unterschiede, etwa bei den Backwaren und bei der Käsesorte. Im südosttürkischen Gaziantep sind die Aufstriche eher scharf, an der Ägäis kommt im Sommer auch Wassermelone zum Frühstück auf den Tisch. Landesweit bekannt ist das Frühstück aus dem osttürkischen Van: Dort wird etwa ein besonderer Schafskäse mit Kräutern serviert.

Frühstücksgewohnheiten in China und Äthiopien

In Peking steigt schon im Morgengrauen Dampf aus großen Metallkörben. Darin liegen Baozi, weiche gedämpfte Brötchen mit einer Füllung aus Fleisch, Gemüse oder Ei. Im Norden Chinas gehören sie ebenso zum Frühstück wie Youtiao, längliche frittierte Teigstangen, die in warme Sojamilch getunkt werden. Werktags muss es oft schnell gehen: Das Frühstück wird in einer kleinen Garküche gekauft und gleich dort oder unterwegs gegessen. Baozi wandern dabei meist in einer kleinen Plastiktüte von den Verkäufer*innen direkt in die Hand der Kund*innen.

Wie stark sich die Frühstücksgewohnheiten innerhalb eines Landes unterscheiden, zeigt sich in China besonders deutlich. In Shanghai und Umgebung sind Shengjianbao beliebt: saftig gefüllte und auf der Unterseite knusprig gebratene Teigbällchen. In den südchinesischen Metropolen Guangzhou und Shenzhen greifen viele zu Changfen, gedämpften Reisnudelrollen mit Ei, Fleisch oder Gemüse und Sojasoße. Auch Dim Sum mit Tee ist in der Region – sowie in Hongkong – verbreitet. Für ein ausgiebiges Frühstück mit den kleinen Köstlichkeiten aus dem Bambuskorb nimmt man sich aber besonders am Wochenende mit Familie oder Freund*innen gern Zeit.

Und in Äthiopien? Der Duft von gedünsteten Zwiebeln und der scharfen Gewürzmischung Berbere zieht durch die Straßen des Vororts Ayat in der Hauptstadt Addis Abeba. Auf einem belebten Gehsteig, zwischen Geschäften und vorbei drängenden Passant*innen, sitzen Äthiopier*innen vor einem einfach zusammengezimmerten Holztisch. Auf dem Teller duftet Fir-Fir. Die Basis des Gerichts ist zerkleinertes Injera, das berühmte sauer-weiche Fladenbrot der äthiopischen Küche, vermengt mit gewürztem Butterschmalz, Chili-Paste und Eintopf-Resten aus Gemüse und Fleisch.

Gegessen wird mit den Händen, indem große Stücke Injera in mundgerechte Stücke gerissen und in das Gericht getaucht werden. Dazu wird traditionell frisch gebrühter äthiopischer Kaffee gereicht – tiefschwarz und voller Röstaromen.

Vielerorts steigt Weihrauch auf, dessen Duft sich mit den Gewürzen des Fir-Fir zu einer unverwechselbaren Morgenstimmung verbindet.

Traditionelles Frühstück in Peru und England

In Peru darf ein traditionelles Frühstück durchaus deftig ausfallen. Ein Klassiker ist Pan con chicharrón: knusprig gebratenes Schweinefleisch kommt zusammen mit Süßkartoffeln und einer pikanten Zwiebel-Salsa in ein knuspriges Brötchen. Dazu gibt es häufig Kaffee oder Saft. Auch Tamales gehören zu den traditionellen Frühstücksgerichten: Die gefüllten Maisteigtaschen werden in Blätter gewickelt und gedämpft.

Überhaupt ist das Frühstück in Peru eine kleine kulinarische Reise durch das südamerikanische Land: An der Küste gibt es etwa Fischsandwiches wie Pan con pejerrey, in den Anden kommen etwa Quinoa oder Mais auf den Tisch, während im Amazonasgebiet Zutaten wie Kochbananen und Yuca eine größere Rolle spielen. Ein echter Frühstücksklassiker sind zudem Haferflocken, die etwa mit Quinoa kombiniert werden.

In England und anderen Teilen Großbritanniens riecht es in Pubs und Restaurants schon am Morgen eher nach deftigem Mittagessen. Das sogenannte Full English Breakfast, meistens nur „Full English“ genannt, ist alles andere als ein leichter Start in den Tag – es soll vor allem lange satt machen. Auf dem Teller landen typischerweise gebratener Speck, Würstchen und Eier (meist als Spiegelei), dazu Baked Beans in Tomatensoße sowie gegrillte Tomaten, Pilze und wahlweise Black Pudding, eine herzhafte Blutwurst. Dazu werden Toast oder in der Pfanne geröstetes Brot serviert – und natürlich kräftiger Schwarztee oder Kaffee.

Seine Wurzeln hat dieses traditionelle Frühstück wohl bereits im 17. Jahrhundert, richtig populär wurde es aber erst mit der Industrialisierung. Wer früh aufstehen und körperlich hart schuften musste, brauchte eine kräftige Grundlage für den Tag.

Heute gilt es als kulinarische Tradition und gehört für viele ausländische Tourist*innen einfach zu einer Reise nach Großbritannien dazu.

Frühstück in Spanien: süß, herzhaft und zweigeteilt

In Spanien begnügen sich am frühen Morgen viele mit einem Kaffee und einer Scheibe Toast oder Baguette, häufig mit gutem Olivenöl und geriebener frischer Tomate (Pan con tomate). Da das Mittagessen oft erst zwischen 14 und 15 Uhr eingenommen wird, legen die Spanier*innen später am Vormittag noch eine zweite Frühstückspause ein. Dann stehen oft ein belegtes Baguette (Bocadillo), eine Tortilla oder Gebäck auf dem Speiseplan.

Wer es süßer mag, greift zu Churros con Chocolate: Die knusprig frittierten Teigstangen werden in dickflüssige heiße Schokolade getunkt. Die gehaltvolle Spezialität wird gern zum Frühstück, nach einer langen Partynacht oder auch als Zwischenmahlzeit gegessen. Besonders an kühlen Herbst- und Wintertagen sowie rund um Weihnachten sind Churrerías wie die 130 Jahre alte Chocolatería San Ginés in Madrid schon am frühen Morgen gut besucht.

Für viele Familien gehört die köstliche Kalorienbombe fest zum Wochenende dazu.

Frühstücksgewohnheiten: Tradition schlägt Ernährungstrend

So verschieden das Frühstück in anderen Ländern auch aussieht – ein Muster zieht sich durch: Ob Reisbrei in Bangkok, Cornetto in Rom oder Churros in Madrid, die Frühstücksgewohnheiten folgen weniger den aktuellen Ernährungstrends als der Tradition. Low Carb und Protein-Bowls mögen angesagt sein, doch die römischen Maritozzi trotzen jedem kalorienbewussten Ernährungstrend.

Ein traditionelles Frühstück verrät oft mehr über ein Land als jeder Reiseführer.

Quelle: dpa

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