Lungenentzündung: Achtung, lebensgefährlich!
20 Minuten 1 Punkte
- 1Pneumonie: Die Lungenentzündung
- 2Wie bekommt man eine Lungenentzündung?
- 3Verlauf & Diagnose
- 4Lungenentzündung behandeln
- 5Vor Lungenentzündungen schützen
- 6Weitere sinnvolle Impfungen
- 7Lernerfolgskontrolle
01. Februar 2026
Infektionswege
Meist erfolgt die Ansteckung als Tröpfcheninfektion. Dabei verbreiten sich die Erreger in Form kleiner Tröpfchen über den Luftweg und erreichen per Inhalation direkt die Alveolen. Sie können aber auch erst einmal den Nasen-Rachen-Raum besiedeln und von dort aus in die unteren Atemwege, also in die Lunge, vordringen.
Möglich ist zudem eine Übertragung der Erreger durch Handberührung von kontaminierten Oberflächen oder Nasensekret. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um flüssiges oder eingetrocknetes Sekret handelt.
Daneben besteht die Möglichkeit der Aspiration. Hierbei dringen durch Verschlucken Speichel aus dem Mund-Rachenraum, Speisereste, Magenflüssigkeit oder Erbrochenes mit Keimen in die Lunge vor. Dort lösen sie eine Entzündung aus, die sogenannte Aspirationspneumonie.
Risikogruppen
Eine Aspirationspneumonie wird durch eine lange Bettlägerigkeit begünstigt. Durch das flachere Atmen im Liegen werden tiefere Bereiche in der Lunge nicht mehr ausreichend durchlüftet. Zudem haben die Betroffenen in waagerechter Position Schwierigkeiten beim Abhusten.
Schneller kann sich eine Entzündung entwickeln, wenn das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise durch
- höheres Alter (über 65 Jahre),
- Mangelernährung oder
- Chemotherapie.
Aber auch Menschen mit neurologischen Erkrankungen (z. B. Morbus Parkinson) oder unter Demenz oder Schlaganfall leidende Personen sind besonders gefährdet. Sie verschlucken sich häufig beim Essen oder Trinken, sodass Fremdkörpern der Weg in die Lunge erleichtert wird.
Eine erhöhte Gefahr für eine Pneumonie besteht auch bei vielen weiteren Vorerkrankungen. Funktioniert beispielsweise die körpereigene Abwehr aufgrund eines Diabetes mellitus, einer chronischen Nierenfunktionsstörung oder Krebserkrankung nicht optimal, haben Erreger mitunter leichtes Spiel. Zu den Risikogruppen zählen auch Patienten mit Herzinsuffizienz, koronarer Herzkrankheit sowie chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale oder COPD.
Aber auch bestimmte akute Atemwegsinfektionen können eine Pneumonie begünstigen, beispielsweise durch das Influenza-Virus oder RSV ausgelöst. Darüber hinaus erhöhen therapeutische Maßnahmen wie Bestrahlungen oder Beatmungen (Intubationen) das Erkrankungsrisiko ebenso wie lebensstilabhängige Faktoren, also zum Beispiel erhöhter Alkoholkonsum oder Nikotingenuss.
Inhalierter Tabak beeinträchtigt nicht nur die mukoziliäre Clearance. Er schwächt auch das Immunsystem und kann langfristig intaktes Lungengewebe reduzieren.
Säuglinge und Kleinkinder erkranken besonders häufig, da bei ihnen zum einen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Dadurch sind sie noch nicht in der Lage, Krankheitserreger wirkungsvoll abzuwehren. Zum anderen werden die Erreger bei den Kleinen durch enge Personenkontakte besonders schnell von Kind zu Kind übertragen.
Lungenentzündung bei Säuglingen und Kindern
Bei Kindern lässt sich eine Lungenentzündung manchmal schwer diagnostizieren. Nicht immer haben sie Husten, Fieber oder Atemnot. Charakteristisch sind vielmehr leichtere Krankheitsverläufe ohne Fieber. Säuglinge und Kleinkinder leiden vor allem unter
- Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen,
- Kopf- und Gliederschmerzen
- sowie unter Appetitlosigkeit.
Möglich sind aber auch
- hohes Fieber und
- eine hohe Herzfrequenz (vor allem bei Säuglingen).
Kommt es zur Atemnot, ist dies an der Haut zwischen den Rippen erkennbar, die sich nach innen einzieht. Zudem bewegen sich die Nasenflügel deutlich auf und ab. Atemnot ist ein Warnzeichen für eine schwere Lungenentzündung, die unbedingt in die Klinik gehört. Ebenso Grund für eine Krankenhauseinweisung sind
- Krampfanfälle,
- Bewusstlosigkeit und
ein Alter unter sechs Monaten.
Lungenentzündung bei älteren Menschen: Old is Cold
Auch bei Älteren weichen die Symptome oft vom normalen Krankheitsverlauf ab. Sie entwickeln trotz der akuten Infektion häufig kein Fieber, die Temperatur kann sehr niedrig sein (35 Grad Celsius oder tiefer). Zudem beginnt die Erkrankung schleichend mit nur leichten, unspezifischen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Durchfall.
Möglich sind auch Bewusstseinsstörungen in Form von Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit, Schwindel, Lethargie oder Müdigkeit. Ebenso kann eine Kreislaufschwäche mit Blutdruckabfall Anzeichen einer Pneumonie sein (systolischer Wert unter 90 mmHg und diastolischer Wert unter 60 mmHg).
Eine derartige atypische Verlaufsform wird auch als „kalte“ Lungenentzündung bezeichnet („old is cold“). Sie ist gefährlich, da sie häufig mit einem grippalen Infekt verwechselt wird. Die Lungenentzündung bleibt somit unerkannt und wird nicht adäquat therapiert.
Bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen wie COPD, Herzschwäche, koronarer Herzerkrankung, Diabetes mellitus oder chronischer Nierenerkrankung sollte bereits bei einem Verdacht auf eine Lungenentzündung immer schnell eine ärztliche Behandlung eingeleitet werden. Häufig ist eine stationäre Therapie erforderlich.











