Lungenentzündung: Achtung, lebensgefährlich!
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- 1Pneumonie: Die Lungenentzündung
- 2Wie bekommt man eine Lungenentzündung?
- 3Verlauf & Diagnose
- 4Lungenentzündung behandeln
- 5Vor Lungenentzündungen schützen
- 6Weitere sinnvolle Impfungen
- 7Lernerfolgskontrolle
01. Februar 2026
Typischer Verlauf
Die Atembeschwerden bei einer Lungenentzündung beruhen auf dem behinderten Gasaustausch. Durch die Entzündung gelangt weniger Sauerstoff aus den Alveolen in die Blutbahn, sodass die Sauerstoffsättigung sinkt. Typischerweise – vor allem bei bakteriellen Pneumonien – leiden die Erkrankten unter starkem Husten, der zunächst trocken ist und wenig später von einem eitrigen Auswurf begleitet wird. Atemnot und Thoraxschmerzen stellen sich ein. Die Patienten beginnen schnell und flach zu atmen, ihre Pulsfrequenz steigt, der Blutdruck sinkt. Mit einem Stethoskop lassen sich Rasselgeräusche in der Lunge hören. Den Betroffenen geht es innerhalb weniger Stunden sehr schlecht. Sie entwickeln Schüttelfrost und das Fieberthermometer steigt schnell auf Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius.
Bei viralen Pneumonien kann sich das Beschwerdebild anders darstellen. Zu Anfang tritt nur leichtes Fieber auf, die Temperaturen steigen schleichend. Der Husten ist trocken und stellt sich erst später ein, ähnlich wie bei einem normalen (durch Rhinoviren ausgelösten) grippalen Infekt, wobei ein zuvor auftretender Erkältungsschnupfen meist fehlt. Spielen andere Viren wie beispielsweise das RSV eine Rolle, wird die Pneumonie von Schnupfen begleitet.
Atypische Pneumonie
Allerdings treten die typischen Anzeichen einer Pneumonie nicht bei allen Patienten immer gleichzeitig auf. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen können einige fehlen (z. B. Fieber) oder sich untypische Beschwerden zeigen (z. B. Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen). Bei diesen untypischen Pneumonien unterbleibt oft der schnelle Gang zum Arzt und damit auch eine adäquate Therapie. So kommt es häufiger zu schweren Komplikationen und tödlichen Verläufen.
Anhand welcher Merkmale lassen sich Lungenentzündungen einteilen?
| Merkmal | Bedeutung |
| Primär oder sekundär? | Erkrankt ein ansonsten gesunder Mensch, wird von einer primären Pneumonie gesprochen. Eine sekundäre Pneumonie tritt bei Personen mit Vorerkrankungen (z. B. COPD, Asthma, Diabetes mellitus) auf. |
| Typische oder atypisch? | Eine typische Pneumonie hat einen üblichen Symptomverlauf und wird meist durch Pneumokokken und Staphylokokken ausgelöst. Eine atypische Pneumonie zeigt mildere Verläufe, die nicht mit typischen Symptomen einhergehen. Sie wird häufig durch Viren, Chlamydien oder Mykoplasmen hervorgerufen. |
| Ambulant oder nosokomial? | Während eine ambulant erworbene Pneumonie im häuslichen Umfeld erworben wird, erfolgt die Ansteckung bei der nosokomial erworbenen Pneumonie im Krankenhaus. |
| Alveolär oder interstitiell? | Die alveoläre Pneumonie ist eine Lungenentzündung, bei der sich die Entzündung innerhalb der Lungenbläschen, der Alveolen, abspielt. Bei der interstitiellen Pneumonie ist dagegen das Gewebe zwischen den Alveolen entzündet. |
| Lobulär oder lobär? | Bei der lobulären Pneumonie sind viele kleinere Entzündungsherde in den Lungenläppchen vorhanden. Bei der lobären Pneumonie ist ein ganzer Lungenlappen betroffen. |
Gefürchtete Komplikationen
Eine rasch eingeleitete Therapie ist dringend erforderlich, um schwere Verläufe mit Komplikationen zu vermeiden. Beispielsweise eine respiratorische Lungeninsuffizienz. Bei dieser sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, selbstständig zu atmen. Sie müssen beatmet werden, damit eine ausreichende Sauerstoffaufnahme gewährleistet wird.
Eine rechtzeitige Behandlung kann auch die Entwicklung eines Lungenabszesses unterbinden, bei der sich eine Eiterhöhle in der Lunge bildet. Rasches Handeln ist auch wichtig, damit sich die Erreger nicht ausbreiten und lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen wie
- Kreislaufzusammenbruch,
- Lungen- und Herzversagen,
- Herzrhythmusstörungen,
- Hirnhautentzündung (Meningitis),
- Hirnabszesse oder
- eine Blutvergiftung (Sepsis).
Diagnosemöglichkeiten
Ein Arztbesuch ist also gleich beim ersten Verdacht auf eine Pneumonie erforderlich. Das Abhören der Lunge mit einem Stethoskop, die sogenannte Auskultation, sowie eine Messung von Puls und Blutdruck gibt dem Arzt bereits gute Hinweise, ob der Betreffende unter einer Lungenentzündung leiden könnte.
Er kann zudem den Sauerstoffgehalt im Blut kontrollieren. Üblicherweise erfolgt dies mithilfe der Pulsoximetrie. Dafür wird ein Clip mit einem Lichtsensor auf den Finger gesteckt, der den Sauerstoffgehalt optisch ermittelt.
Im Blutbild können bestimmte Entzündungswerte auf eine Pneumonie deuten. Dazu zählen beispielsweise erhöhte weiße Blutkörperchen (Leukozyten), wobei sich eine Leukozytose, also Werte über 10000 Leukozyten pro Mikroliter (µl), vor allem bei bakteriellen Lungenentzündungen zeigen. Bei schweren oder atypischen Pneumonien sind auch zu wenig (unter 4000/µl) Leukozyten (Leukopenie) möglich.
Weitere Parameter sind eine deutlich beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), stark angestiegenes C-reaktives Protein (CRP), häufig über 50 Milligramm pro Liter (mg/l), sowie erhöhtes Procalcitonin (PCT). PCT kann auch zur Unterscheidung zwischen einer viralen oder bakteriellen Infektion herangezogen werden: Während es bei einer bakteriellen Pneumonie oft deutlich höher liegt, ist es bei einer viralen Lungenentzündung meist nur gering oder gar nicht erhöht. Ebenso sind die CRP-Werte bei einer bakteriellen Pneumonie (häufig über 100 mg/l) deutlich höher als bei einer viralen Infektion.
Gewissheit verschafft aber erst ein Röntgenbild der Lunge (Röntgen-Thorax), das immer noch als Goldstandard für die Diagnose gilt. Hierin erkennt der Arzt das entzündete Gewebe anhand einer Verschattung. Bei unklaren Befunden im Röntgen ist eine Computertomografie (CT) notwendig. Letztendlich muss der Arzt für eine genaue Diagnosestellung immer andere Formen der Lungenentzündung ausschließen.











