Nahaufnahme einer Frau, die wĂ€hrend eines Termins in der Zahnarztpraxis einen kieferorthopĂ€dischen Beißschiene erhĂ€lt.© Drazen Zigic / iStock / Getty Images Plus
Hinter Kopf- oder Nackenschmerzen, Problemen beim Kauen oder ein Knacken im Kiefergelenk kann eine Funktionsstörung im Kausystem stecken. Nicht selten wird dann eine Aufbissschiene vom Zahnarzt empfohlen.

CraniomandibulÀre Dysfunktion

KIEFERBEDINGTE KOPFSCHMERZEN: WENN ZÄHNEKNIRSCHEN ZUR QUAL WIRD

Kieferbedingte Kopfschmerzen werden oft ĂŒbersehen – dabei kann eine Störung im Kausystem Auslöser zahlreicher Beschwerden sein. Ob ZĂ€hneknirschen oder CraniomandibulĂ€re Dysfunktion: Wer die Ursachen kennt, kann gezielt gegensteuern – oft ganz ohne Medikamente.

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Kopf- oder Nackenschmerzen, Probleme beim Kauen oder ein Knacken im Kiefergelenk: Hinter diesen Beschwerden kann eine Funktionsstörung im Kausystem stecken, eine sogenannte CraniomandibulÀre Dysfunktion (CMD).

Die CraniomandibulĂ€re Dysfunktion ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff fĂŒr Störungen im Zusammenspiel von Kiefergelenken, Kaumuskulatur und ZĂ€hnen. Die Ursachen sind vielfĂ€ltig – hĂ€ufig spielt Stress eine entscheidende Rolle. Wer unter Anspannung tagsĂŒber die ZĂ€hne zusammenbeißt oder nachts mit ihnen knirscht (Bruxismus), kann das Kausystem ĂŒberlasten. ZĂ€hneknirschen als Ursache tritt hĂ€ufig in Verbindung mit psychischem Druck oder unausgeglichenem Alltag auf.

Die Folge: Verspannungen, EntzĂŒndungen oder Verschiebungen im Gelenk, die auch in Kopf, Schultern oder Nacken ausstrahlen können. Dann treten Symptome wie Schmerzen im Kiefer selbst, Knacken oder Probleme beim Öffnen des Mundes, aber auch Beschwerden in der Schulter und im Nacken sowie mitunter in den Ohren auf – und hĂ€ufig kieferbedingte Kopfschmerzen.

Kopfschmerz durch Kiefer: Wann CMD dahintersteckt

„Die wenigsten wissen, dass der Auslöser von Kopfschmerzen auch der Kiefer sein kann“, sagt der Zahnmediziner Jean-Marc Pho Duc von der LMU MĂŒnchen gegenĂŒber der Stiftung Warentest. Viele Betroffene hĂ€tten bereits eine Ärzte-Odyssee hinter sich, bevor sie auf den Zusammenhang mit einer CraniomandibulĂ€ren Dysfunktion stießen.

Wer typische Symptome bemerkt, sollte laut Stiftung Warentest eine ZahnĂ€rztin oder einen Zahnarzt direkt darauf ansprechen. Bei der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) kann man außerdem nach Spezialisten in der NĂ€he suchen.

ZĂ€hneknirschen: Ursachen erkennen und handeln

Stress zĂ€hlt zu den hĂ€ufigsten ZĂ€hneknirschen-Ursachen. Viele Patientinnen und Patienten sind sich nicht bewusst, dass sie ihre ZĂ€hne im Schlaf aufeinanderpressen oder mit ihnen knirschen. Dieses unbewusste Verhalten ĂŒberlastet langfristig das Kausystem und fĂŒhrt nicht selten zu kieferbedingten Kopfschmerzen.

Zur Behandlung empfehlen Fachleute in erster Linie Selbsthilfemaßnahmen wie LockerungsĂŒbungen oder Massagen. Auch individuell angepasste Aufbissschienen bei CMD kommen zum Einsatz, werden aber nicht immer von der Krankenkasse ĂŒbernommen. Dauerhafte Eingriffe wie kieferorthopĂ€dische Korrekturen seien dagegen selten sinnvoll, heißt es.

Aufbissschiene bei CMD: Alternative zur Schmerztablette

„Studien zeigen, dass gezielte Übungen langfristig genauso wirksam sein können wie das Tragen einer Schiene“,

so CMD-Experte Professor Olaf Bernhardt von der UniversitĂ€tsmedizin Greifswald gegenĂŒber Stiftung Warentest.
Wichtig sei, das eigene Verhalten im Alltag zu hinterfragen – und bei Anspannung bewusst den Kiefer zu entspannen. Gerade in Kombination mit einer Aufbissschiene bei CMD können sich Beschwerden reduzieren lassen.

Jean-Marc Pho Duc rĂ€t zur Selbstbeobachtung: „Es reichen kurze Momente am Tag, an denen man innehĂ€lt und sich bewusst macht, wie man seinen Kiefer gerade hĂ€lt. Ist er angespannt, sind die ZĂ€hne aufeinandergepresst? Dann einfach wieder locker lassen!“ Solche Achtsamkeit kann verhindern, dass aus wiederkehrendem ZĂ€hneknirschen chronische kieferbedingte Kopfschmerzen entstehen.

Vorsicht vor der Schmerzspirale durch Medikamente

Gerade bei Kopfschmerzen greifen viele Menschen zu Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol. Das sollte aber nicht zur Gewohnheit werden. Kopfschmerzmedikamente sollte man an höchstens zehn Tagen im Monat einnehmen, so die Deutsche Hirnstiftung. Sonst können sie selbst Kopfschmerzen auslösen – und damit eine Schmerzspirale, aus der man nicht so leicht wieder herauskommt.

Im Fall von kieferbedingten Kopfschmerzen kann eine Aufbissschiene bei CMD eine bessere Lösung sein als regelmĂ€ĂŸige Schmerzmittel.

Quelle: dpa

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