Lungenentzündung
PTA-Fortbildung

Lungenentzündung: Achtung, lebensgefährlich!

Plötzlich hohes Fieber und Husten in Verbindung mit Atemnot können auf eine Lungenentzündung hinweisen. Sie zählt zu den häufigsten Todesursachen unter den Infektionskrankheiten. Hier lernen Sie, woran man eine Lungenentzündung erkennt, wie man ihr vorbeugt und sie behandelt.

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Bei einer Lungenentzündung, in der Fachsprache Pneumonie genannt, sind die Lungenbläschen (Alveolen) und das umliegende Lungengewebe entzündet. Meistens wird die Entzündung durch Bakterien verursacht.

Nach erfolgreicher Therapie ist eine Pneumonie meist innerhalb von zwei bis drei Wochen überstanden. Dennoch dauert es selbst bei ansonsten gesunden Personen meist mehrere Wochen bis Monate, bis der Körper wieder voll belastbar ist.

Bei Risikogruppen können sich lebensgefährliche Komplikationen einstellen:

  • Von den etwa jährlich 500000 erkrankten Personen müssen etwa die Hälfte im Krankenhaus behandelt werden,
  • ungefähr zehn Prozent davon intensivmedizinisch.
  • Jährlich sterben in Deutschland etwa 20000 Patienten an den Folgen einer Pneumonie,
  • vor allem ältere Menschen über 65 Jahre und vorerkrankte Patienten.

Lernziele

Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung unter anderem,

  • in welche Formen die Pneumonie unterteilt wird,
  • welche Symptome bei einer Pneumonie typisch und atypisch sind,
  • durch welche Erreger eine Pneumonie ausgelöst wird,
  • wer zu den Risikogruppen zählt,
  • wie man einer Pneumonie vorbeugen kann,
  • welche Impfungen eine sinnvolle präventive Maßnahme darstellen und
  • welche Therapieoptionen bestehen.

Ambulant erworben

Für die Prognose des Krankheitsverlaufs ist entscheidend, welche Erreger die Pneumonie auslösen und wo sie erworben wurde. Größtenteils sind Bakterien die Verursacher, vor allem Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken). Pneumokokken sind für etwa die Hälfte aller Lungenentzündungen verantwortlich, die im normalen sozialen Umfeld erworben werden. Diese Pneumonien werden als ambulant erworbene Pneumonien bezeichnet (CAP, Community Acquired Pneumonia).

Weitere häufige Erreger einer CAP sind

  • Haemophilus influenzae oder
  • atypische Bakterien wie
    • Mycoplasma pneumoniae (Mykoplasmen),
    • Chlamydia pneumoniae (Chlamydien) oder
    • Legionella pneumophila (Legionellen).

Während Mykoplasmen insbesondere bei jüngeren Menschen zu finden sind, spielen bei älteren Patienten Legionellen eine Rolle.

Im Krankenhaus erworben

Staphylococcus aureus (Staphylokokken), Pseudomonas aeruginosa oder Enterobakterien sind bei einer CAP eher selten. Sie sind vor allem bei nosokomial erworbenen Pneumonien vorherrschend (HAP, Hospital Acquired Pneumonia). Das sind im Krankenhaus erworbene Lungenentzündungen.

Um der Definition HAP zu entsprechen, müssen sich die Symptome der Lungenentzündung frühestens 48 Stunden nach stationärer Aufnahme und bis zu 14 Tage nach der Entlassung zeigen.

In der Regel ist eine nosokomial erworbene Pneumonie mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als die im ambulanten Setting erworbene Lungenentzündung. Die Erreger, die bei stationär im Krankenhaus untergebrachten Patienten vorkommen, sind schwerer zu bekämpfen. Sie sprechen oft nicht so gut auf gängige Antibiotika an. Häufig sind Reserveantibiotika notwendig, vor allem bei multiresistenten gramnegativen Keimen.

Besonders gefährdet sind intensivmedizinisch betreute sowie beatmete Patienten. Bei etwa zehn Prozent aller Fälle finden sich respiratorische Viren wie

  • Para- und Influenzaviren,
  • Rhinoviren,
  • Respiratorische Syncytial-Viren (RSV)
  • oder das Coronavirus SARS-CoV-2.

Pilze (z. B. Aspergillus) siedeln sich insbesondere bei immunsupprimierten Patienten an. Aber auch Bakterien (z. B. Mykobakterien) und Viren (z. B. Zytomegalievirus (CMV), Humanes Immundefizienzvirus (HIV)) lösen häufig lebensbedrohliche Lungenentzündungen bei immunsupprimierten Patienten aus.

Pneumonien bei immunsupprimierten Patienten zeigen prinzipiell ein breites Erregerspektrum. Dabei werden die beteiligten Erreger direkt mit der Art der Immunsuppression assoziiert.

Unter Immunsuppression

Lungenentzündungen, die unter Immunsuppression (Pneumonia in the immunosuppressed host) außerhalb oder innerhalb des Krankenhauses erworben werden, stellen eine dritte Gruppe an Pneumonien dar. Sie treten beispielsweise auf:

  • Nach Stammzelltransplantation
  • Bei HIV-Patienten
  • Bei einer aktiven hämatologischen Erkrankung mit assoziierter schwerer Immunsuppression

Andere Auslöser

Aber auch Chemikalien und andere inhalierbare Schadstoffe können Auslöser sein. Giftige Dämpfe oder Feinstaubpartikel aus der Luft können im Lungengewebe direkte Entzündungsprozesse einleiten. Daraus wiederum resultieren akute oder chronische Pneumonien.

Haemophilus influenzae Typ b

Infektionen mit dem Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) zählen zu den schwersten bakteriellen Infektionen in den ersten fünf Lebensjahren. Das Bakterium wird über eine Tröpfchen- oder Kontaktinfektion übertragen und befällt zuerst die Schleimhäute der oberen Atemwege, wo sie typischerweise eine Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis) oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media) auslösen. Die Infektion kann sich aber auch auf die unteren Atemwege ausdehnen und gefährliche Pneumonien bedingen.

Hib zählt mit zu den häufigsten Erregern einer Pneumonie. Trotz antibiotischer Behandlung (z. B. mit Amoxicillin, Amoxiclav, Cephalosporine) können Hib-Infektionen zu schweren invasiven Infektionen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis), Kehldeckelentzündung (Epiglottitis) und Blutvergiftung (Sepsis) führen.

Meningitiden machen sich typischerweise mit Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen bemerkbar und können lebensbedrohliche beziehungsweise bleibende Hirn-, Hör- und Sehschäden nach sich ziehen. Bei einer Epiglottitis ist der Kehlkopfdeckel entzündet, wodurch es zu lebensgefährlichen Erstickungsanfällen kommen kann. Bei einer Sepsis ist ein Multiorganversagen gefürchtet.

Pneumokokken

In den Wintermonaten kommt es gehäuft zu respiratorischen Infektionen mit Pneumokokken. Die Bakterien besiedeln überwiegend symptomlos den Nasen-Rachenraum. Wenn sie sich ausbreiten, lösen sie akute Infektionen der oberen (z. B. Rhinosinusitis, Otitis media) und unteren Atemwege (z. B. Pneumonie) aus. Häufig kommt es auch bei einer bestehenden Influenza-Infektion zu einer Superinfektion der Lunge mit Pneumokokken.

Zu den besonders schwerwiegenden Folgen einer Pneumokokken-Infektion zählen invasive Pneumokokken-Erkrankungen. Dabei dringen die Bakterien in normalerweise keimfreie Körperbereiche (z. B. Blut, Gehirn) ein und lösen schwere Infektionen wie eine Sepsis oder Meningitis aus.

Das Risiko für derartige lebensbedrohliche Erkrankungen ist altersabhängig: Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und ältere Menschen ab 60 Jahren. Aber auch Personen mit Immunschwäche und bestimmten chronischen Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Asthma) haben ebenso wie Personen mit fremdkörperbedingten Risiken (z. B. Cochlea-Implantat) und Personen mit beruflicher Indikation (z. B. Schweißen, Exposition gegenüber Metallrauch) ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Für diese Personenkreise rät die STIKO zur Pneumokokken-Impfung, wobei unterschiedliche Impfstoffe und Impfschemata empfohlen werden.

Influenza

Grippe-Viren zählen zu den häufigsten viralen Erregern einer Pneumonie, die zudem schwere Verläufe auslösen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit bakteriellen Superinfektionen. Vor allem ältere Menschen über 60 Jahre und Risikogruppen entwickeln oft schwere Influenzaverläufe mit Komplikationen, die eine stationäre Versorgung der Patienten im Krankenhaus erforderlich machen, gegebenenfalls auf einer Intensivstation.

Auch ist die Influenza-bedingte Mortalität bei ihnen erhöht. Neben Lungenentzündungen treten bei Influenzainfektionen auch besonders häufig Herzinfarkte, Herzinsuffizienz und Schlaganfälle auf.

Zu den Risikogruppen für eine Influenza-Infektion zählen beispielsweise Personen mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge eines Grundleidens (z. B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber oder Niere, Diabetes mellitus).

Ebenso gehören Schwangere dazu. Sie sind aufgrund diverser physiologischer und immunologischer Veränderungen empfänglicher für schwere Krankheitsverläufe. Zudem besteht bei Infektion während der Schwangerschaft das Risiko für vorzeitige Wehen sowie für Fehl- oder Frühgeburten.

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