Bluthochdruck
PTA-Fortbildung

Bluthochdruck: Silent Killer

Von Herzinfarkt über Nierenversagen bis zum Schlaganfall – Bluthochdruck kann vielfältige lebensgefährliche Folgen haben. Zwar sind die klassischen Antihypertensiva alle verschreibungspflichtig, Sie können Ihre Kunden bei der Therapie aber unterstützen.

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Hypertonie ist eine Volkskrankheit. Etwa 20 bis 30 Millionen Bundesbürger leiden darunter. Aber jeder Fünfte weiß gar nicht, dass er davon betroffen ist, da sich ein hoher Blutdruck nicht direkt oder zumindest kaum bemerkbar macht. Zeigen sich Symptome, dann sind Gefäße und Organe häufig bereits geschädigt.

Umso wichtiger sind die frühzeitige Diagnose und eine konsequente Behandlung. Hier kommt der Apotheke eine zentrale Rolle zu: Sie können durch Aufklärung, Früherkennung und Therapiebegleitung einen wertvollen Beitrag zur Versorgung leisten.

Lernziele

Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung unter anderem,

  • ab wann eine Hypertonie vorliegt,
  • was der systolische und der diastolische Blutdruckwert bedeuten,
  • zu welchen Folgeschäden ein unbehandelter Bluthochdruck führen kann,
  • wie primäre und sekundäre Hypertonie unterschieden werden,
  • welche Therapieziele die wichtigsten Leitlinien beschreiben,
  • die Wirkmechanismen und Nebenwirkungen der wichtigsten Antihypertensiva kennen,
  • wie Sie die Therapietreue Ihrer Kunden bei der Behandlung einer Hypertonie verbessern können und
  • in welchen Fällen ein Arztbesuch erforderlich ist.

Definition Bluthochdruck

Der Blutdruck entsteht durch die rhythmische Pumpbewegung des Herzens, das sich abwechselnd anspannt und wieder entspannt. Dabei wird in der Anspannungsphase Blut in die Arterien gepumpt (Systole), während sich das Herz in der Entspannungsphase wieder mit Blut füllt (Diastole).

Dementsprechend wir der Blutdruck in zwei Werten angegeben: dem systolischen und dem diastolischen Blutdruck, wobei immer der systolische Wert zuerst genannt wird. Der systolische Blutdruck beschreibt den maximalen Druck in den Arterien während der Kontraktion, der diastolische Blutdruck den minimalen Druck während der Entspannungsphase. Die Angabe erfolgt in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), zum Beispiel 120/80 mmHg.

Die unterschätze Gefahr

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck ist ein wichtiger Risikofaktor für weitere Krankheiten des Herz-Kreislaufs-Systems, insbesondere in Kombination mit erhöhten Blutfettwerten. Gefürchtet sind vor allem kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall und die Entwicklung einer Herzinsuffizienz.

Häufig tritt die Hypertonie zudem gemeinsam mit weiteren klinisch bedeutsamen Risikofaktoren auf, wie:

  • Bauchbetonte Adipositas
  • Insulinresistenz
  • Gestörter Fettstoffwechsel

Dieses Zusammenspiel erhöht das kardiovaskuläre Gesamtrisiko zusätzlich.

Bluthochdruck kann jedoch nicht nur das Herz-Kreislauf-System betreffen, sondern auch andere Organe schädigen. Typische Folgeerkrankungen sind chronische Nierenerkrankungen, die bis zur Niereninsuffizienz fortschreiten können.

Ebenso können die feinen Gefäße der Netzhaut des Auges in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu Sehstörungen führen kann und im fortgeschrittenen Stadium zu einer dauerhaften Sehverschlechterung. Auch ein erhöhtes Demenzrisiko wird diskutiert, vermutlich infolge chronischer Durchblutungsstörungen und Schädigungen kleiner Hirngefäße.

Schleichende Gefäßschädigung

Bei anhaltend erhöhtem Blutdruck kommt es zu einer Gefäßerweiterung und damit zur Schädigung des Endothels, also der Gefäßinnenwand. Dies begünstigt die Ablagerung von Lipiden und entzündlichen Zellen in der Gefäßwand und führt zur Bildung arteriosklerotischer Plaques. Diese verengen das Gefäßlumen zunehmend und beeinträchtigen den Blutfluss.

Zudem verlieren die Gefäße an Elastizität. Instabile Plaques können aufbrechen, wodurch sich Thromben bilden. Sie können das Gefäß lokal verschließen oder als Embolus weitertransportiert werden und an anderer Stelle einen Gefäßverschluss verursachen.

Die daraus resultierende Minderdurchblutung führt zu einer unzureichenden Versorgung von Geweben mit Sauerstoff und Nährstoffen. Im Extremfall ist ein Absterben von Gewebe oder der Funktionsverlust von Organen möglich.

Herz und Gehirn besonders gefährdet

Je nach Lokalisation können unterschiedliche Krankheitsbilder entstehen:

  • Ein Verschluss der Herzkranzgefäße führt zum Herzinfarkt,
  • während ein Verschluss hirnversorgender Gefäße einen Schlaganfall verursacht.

Eine chronische Verengung der Herzkranzgefäße kann eine koronare Herzkrankheit (KHK) bedingen, die sich häufig durch Angina-pectoris-Anfälle bemerkbar macht. Die dauerhaft erhöhte Druckbelastung kann außerdem zur Entwicklung einer Herzinsuffizienz beitragen.

Das Herz muss kontinuierlich gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten, wodurch sich der Herzmuskel – insbesondere in der linken Herzkammer – verdickt. Mit der Zeit verliert der Muskel an Elastizität. Die Herzkammer kann sich dann in der Entspannungsphase nicht mehr ausreichend ausdehnen und mit Blut füllen. So gelangt weniger Blut in den Kreislauf.

Niere unter Druck

Auch die Nieren werden durch einen dauerhaft erhöhten Blutdruck geschädigt. Als hochdurchblutete Filterorgane reagieren sie besonders empfindlich auf den erhöhten Druck in den feinen Gefäßen. Dieser führt zu strukturellen Veränderungen der Gefäßwände, insbesondere zu einer Verdickung und Verhärtung der kleinen Arterien und Arteriolen. Ablagerungen von Eiweißen und Bestandteilen der Gefäßwand verengen das Gefäßlumen und verringern die Elastizität. Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung des Nierengewebes.

Gleichzeitig verändern sich die Filtereinheiten, die Glomeruli. Die Kapillarschlingen verdicken sich, Matrixbestandteile lagern sich ab und es entwickelt sich eine fortschreitende Vernarbung, die als Glomerulosklerose bezeichnet wird.

Auch das umgebende Gewebe leidet unter der Minderdurchblutung. Der anhaltende Sauerstoffmangel schädigt Zellen oder führt zu ihrem Untergang. Funktionsloses Gewebe wird zunehmend durch Bindegewebe ersetzt. Es kommt zur interstitiellen Fibrose. Dadurch gehen nach und nach funktionsfähige Nephrone verloren – die kleinsten funktionellen Einheiten der Niere, in denen das Blut gefiltert und der Urin gebildet wird.

Die Leistungsfähigkeit der Niere nimmt entsprechend ab. Infolge der Schädigung wird auch die Filterbarriere durchlässiger, sodass vermehrt Eiweiß in den Urin gelangt. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt die Leistungsfähigkeit der Niere weiter ab, was schließlich in eine chronische Niereninsuffizienz übergehen kann.

Zusätzlich können arteriosklerotische Veränderungen der größeren Nierenarterien die Durchblutung weiter verschlechtern. Eine solche Verengung kann hormonelle Gegenregulationsmechanismen aktivieren, die den Blutdruck weiter erhöhen und so einen sich selbst verstärkenden Kreislauf in Gang setzen. Dieses Beispiel zeigt, dass Bluthochdruck nicht nur Ursache, sondern auch Folge anderer Erkrankungen sein kann.

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