Bluthochdruck: Silent Killer
18 Minuten 1 Punkte
- 1Silent Killer
- 2Ursachen
- 3Leitlinien
- 4Blutdrucksenker
- 5Nebenwirkungen begegnen
- 6Lebensstil
- 7Blutdruck messen
- 8Schwangerschafts-Bluthochdruck
- 9Lernerfolgskontrolle
01. September 2026
Lebensstil gezielt anpassen
Lebensstiländerungen bilden die Grundlage jeder Bluthochdrucktherapie. Sie wirken sich positiv auf mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren gleichzeitig aus. Damit verbessern sie auch verschiedene Komponenten des metabolischen Syndroms und tragen folglich wesentlich zur Senkung des individuellen Gesamtrisikos bei. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen
- regelmäßige körperliche Aktivität,
- bei Adipositas Gewichtsreduktion,
- eine salzarme Ernährung,
- die Reduktion des Alkoholkonsums und
- der Verzicht auf Nikotin.
Empfohlen wird eine Steigerung der körperlichen Aktivität auf mindestens 150 Minuten moderates aerobes Training pro Woche oder alternativ 75 Minuten intensives Training. Geeignete Aktivitäten sind beispielsweise zügiges Gehen, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Ergänzend sollte zwei- bis dreimal pro Woche ein Krafttraining mit niedriger bis mittlerer Intensität erfolgen, idealerweise auch mit isometrischen Übungen wie Wandsitz oder gehaltenen Liegestützen. Als praktikable Orientierung gilt eine vereinfachte Regel: An den meisten Tagen der Woche sollten mindestens 30 Minuten Bewegung eingeplant werden. Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert nicht nur den Blutdruck. Sie wirkt sich auch positiv auf das Körpergewicht, die Insulinsensitivität und den Fettstoffwechsel aus.
Auch die Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Ziel ist eine kalorienadaptierte, herzgesunde Ernährung zur Gewichtsnormalisierung, da bei Adipositas insbesondere eine Gewichtsreduktion den Blutdruck effektiv senkt. Bereits eine moderate Gewichtsabnahme von fünf Kilogramm Körpergewicht kann den Blutdruck um 10 mmHg senken. Gerade bei einer Insulinresistenz sollten schnell resorbierbare Kohlenhydrate und Alkohol reduziert werden.
Generell wird eine Reduktion des Alkoholkonsums sowie eine Begrenzung der Kochsalzzufuhr auf unter 2 Gramm Natrium pro Tag bei gleichzeitiger Erhöhung der Kaliumzufuhr empfohlen. Die Ernährung sollte ausgewogen und überwiegend pflanzenbasiert sein. Gesättigte Fettsäuren und Transfette – die sich vor allem in tierischen Produkten, verarbeiteten Lebensmitteln und Fast Food befinden – sind zu reduzieren, während ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Quellen (z. B. Pflanzenöle, Nüsse) bevorzugt werden sollten.
Als besonders geeignet gilt die Mittelmeer-Diät mit reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und pflanzlichen Fetten wie Olivenöl sowie wenig rotem Fleisch. Da sich die Ernährungsmaßnahmen gleichzeitig positiv auf Blutdruck und Lipidstoffwechsel auswirken und damit zentrale Komponenten des metabolischen Syndroms beeinflussen –insbesondere werden erhöhte LDL- und Triglycerid-Werte gesenkt – leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Risikoreduktion.
Individuelles kardiovaskuläres Risiko bestimmen
Das kardiovaskuläre Risiko wird durch das Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren bestimmt und steigt deutlich an, wenn mehrere der Faktoren gleichzeitig vorliegen. Zur Abschätzung des individuellen kardiovaskulären Risikos werden in Europa vor allem die von der European Society of Cardiology empfohlenen Risikokalkulatoren SCORE2 und SCORE2-OP (Systematic Coronary Risk Evaluation) verwendet. SCORE2 ist für Personen im Alter von 40 bis 69 Jahren vorgesehen, während SCORE2-OP („older persons“) für Menschen zwischen 70 und 89 Jahren eingesetzt wird.
In die Berechnung gehen fünf Parameter ein:
- Alter
- Geschlecht
- Nikotinkonsum
- systolischer Blutdruck
- Non-HDL-Cholesterin
Mithilfe dieser Modelle lässt sich das individuelle Zehn-Jahres-Risiko für das Auftreten tödlicher und nicht-tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse abschätzen. Die Einteilung in Risikokategorien (niedrig, moderat, hoch, sehr hoch) erfolgt altersabhängig anhand definierter Schwellenwerte:
- 40 bis 49 Jahre: hohes Risiko ≥ 2,5 Prozent, sehr hohes Risiko ≥ 7,5 Prozent
- 50 bis 69 Jahre: hohes Risiko ≥ 5 Prozent, sehr hohes Risiko ≥ 10 Prozent
- 70 bis 89 Jahre: hohes Risiko ≥ 7,5 Prozent, sehr hohes Risiko ≥ 15 Prozent
Diese altersadaptierte Bewertung ermöglicht insbesondere bei älteren Menschen eine realistischere Einschätzung des Gesamtrisikos und bildet die Grundlage für therapeutische Entscheidungen.











