Bluthochdruck: Silent Killer
18 Minuten 1 Punkte
- 1Silent Killer
- 2Ursachen
- 3Leitlinien
- 4Blutdrucksenker
- 5Nebenwirkungen begegnen
- 6Lebensstil
- 7Blutdruck messen
- 8Schwangerschafts-Bluthochdruck
- 9Lernerfolgskontrolle
01. September 2026
Blutdruck richtig messen
Ein zentraler Bestandteil im Management der Hypertonie ist zudem die regelmäßige Blutdruckmessung. Ein umfassendes Bild des Blutdruckverhaltens ergibt sich aus der Kombination verschiedener Messmethoden, also aus
- Praxisblutdruckmessung,
- Heimblutdruckmessung und
- bei Bedarf einer 24-Stunden Langzeitmessung.
Regelmäßige Selbstmessungen zu Hause werden von den Leitlinien zur Verlaufskontrolle ausdrücklich empfohlen. Sie tragen zu einer besseren Blutdruckeinstellung bei und fördern die Therapieadhärenz. Die Langzeitmessung gilt dabei als wichtige Referenzmethode zur Diagnosesicherung.
Messwerte richtig bewerten
Dabei gelten für häusliche Messungen niedrigere Grenzwerte als für die Messung in der Praxis. Bereits Werte ab 135/85 mmHg werden als hyperton eingestuft, während Praxiswerte erst über 140/90 mmHg als Hypertonie gelten. Diese Differenz berücksichtigt unter anderem den sogenannten Weißkittel-Effekt, bei dem der Blutdruck in medizinischer Umgebung aufgrund von Anspannung häufig höher gemessen wird als unter gewohnten Bedingungen zu Hause. Für Sie ist diese Unterscheidung wichtig, um Messwerte korrekt einzuordnen und den Kunden richtig beraten zu können.
Messfehler vermeiden
Für zuverlässige Messwerte ist eine korrekte Messtechnik entscheidend, da nur standardisiert erhobene Werte für die ärztliche Therapieeinstellung verwertbar sind. Daher sollten Kunden in die Selbstmessung eingewiesen werden. Empfehlenswert ist es, das Blutdruckmessen direkt praktisch zu demonstrieren und gemeinsam mit dem Kunden einzuüben – eine wichtige Aufgabe für die Apotheke.
Dies kann beispielsweise im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistung (pDL) „Strukturierte Risikoerfassung Bluthochdruck“ erfolgen, ein Angebot für Patienten mit diagnostizierter Hypertonie. Diese dürfen den Erfolg ihrer medikamentösen Blutdruckeinstellung standardisiert in der Apotheke kontrollieren lassen;
- einmal alle zwölf Monate
- und gegebenenfalls bei Änderung der antihypertensiven Therapie ab zwei Wochen nach Einlösung einer Neuverordnung.
Im Einzelnen: Für verlässliche Ergebnisse werden in der Apotheke nach einer fünfminütigen Ruhepause im Sitzen mit einem validierten Oberarmmessgerät drei Messungen im Abstand von ein bis zwei Minuten durchgeführt. Dabei wird der Arm auf Herzhöhe gelagert und eine zum Oberarmumfang passende Manschette verwendet. Während der Messung darf weder gesprochen noch sich bewegt werden. Aus dem Mittelwert der zweiten und dritten Blutdruckmessung leiten sich die Empfehlungen ab.
Bei unauffälligen Werten werden regelmäßige Selbstkontrollen empfohlen. Bei auffällig erhöhten Werten sollten die Kunden zur Abklärung an ihren Arzt verwiesen werden.
Auch für die Messung zu Hause empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen. Der Kunde sollte für ein aussagekräftiges Blutdruckprofil morgens und abends über mehrere Tage hinweg jeweils zwei Messungen durchführen, möglichst immer zur gleichen Zeit. Morgens sollte idealerweise vor der Einnahme der blutdrucksenkenden Medikamente gemessen werden. Zudem sollte die Messung stets am gleichen Arm – vorzugsweise an dem mit den höheren Werten – und mit einem validierte Blutdruckmessgerät erfolgen.
Entsprechende Geräte sind beispielsweise durch Prüfsiegel gekennzeichnet. Oberarmmessgeräte gelten als Standard und sind insbesondere bei Herzrhythmusstörungen zuverlässiger als Handgelenksgeräte.
Geben Sie Ihrem Kunden einen Blutdruck-Pass mit, in den er seine gemessenen Werte eintragen kann. Viele – vor allem ältere – Kunden dokumentieren ihre Blutdruckwerte weiterhin gern schriftlich. Der Pass erlaubt eine gute eigene Verlaufskontrolle. Zusätzlich gibt er dem behandelnden Arzt ein übersichtliches und zuverlässiges Bild über das Blutdruckverhalten seines Patienten.
Richtig reagieren
Bei sehr hohen Blutdruckwerten (z. B. über 180/110 mmHg) in Kombination mit Beschwerden wie Brustschmerzen, Luftnot, neurologischen Auffälligkeiten (z. B. Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen), starken Kopfschmerzen oder Bewusstseinsstörungen besteht der Verdacht auf einen hypertensiven Notfall. In diesen Fällen sollte umgehend der Notruf verständigt werden.
Unabhängig davon sind auch ohne akute Beschwerden zeitnah ärztlich abzuklären:
- Wiederholt deutlich erhöhte Blutdruckwerte (z. B. über 160/100 mmHg)
- Neu aufgetretener Bluthochdruck
- Auffällige Werte trotz Therapie
- Relevante Nebenwirkungen
Eine erfolgreiche Blutdruckeinstellung erfordert eine konsequente Therapie, regelmäßige Kontrolle und eine gute Integration in den Alltag. Sie können durch eine gezielte Beratung und Begleitung dazu beitragen, die Therapietreue zu verbessern und den Behandlungserfolg langfristig zu sichern.











