Venen und Krampfadern
PTA-Fortbildung

Venen und Krampfadern: Schwieriger Rückweg 

Geschwollene, schmerzende Beine, Besenreiser oder Krampfadern – das sind Symptome, unter denen viele Ihrer Kunden leiden. Was können sie dagegen tun? Wie kann man vorbeugen? Diese Fortbildung macht Sie fit in Sachen Venengesundheit. 

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Anlegen, nicht anziehen

Ist das richtige Maß gefunden und der gewünschte Strumpf geliefert, folgt die nächste Hürde – das Anziehen. Der Teufel steckt hierbei im Detail. Kompressionsstrümpfe sollen nicht angezogen werden, sie werden angelegt. Ein kleiner, aber dennoch feiner Unterschied, der die Passform und die Haltbarkeit der Strümpfe entscheidend beeinflusst. 

Denn gerade das Ziehen an den elastischen Materialien führt dazu, dass sich die Strümpfe dehnen und ausleiern. Die Druckverteilung ist dann nicht mehr stimmig, der Strumpf kann die Venen nicht mehr stabilisieren. Darüber hinaus wird der Strumpf länger und verliert seine Passform. Besser ist es deshalb vom Anlegen des Strumpfes zu sprechen. Damit das tägliche Ritual für Ihren Kunden nicht zum Kraftakt wird, zeigen Sie ihm bei der Abgabe der Strümpfe die richtige Technik.  

So klappt das Anlegen

Ebenso wie das Anmessen erfolgt das Anlegen der Strümpfe am besten morgens direkt nach dem Aufstehen. 

  1. Vorbereitung des Beins: Ist das Bein feucht, zum Beispiel nach dem Duschen, kann das Anlegen erschwert sein. Das Bein darf nicht mit Creme oder Lotion eingecremt werde, da diese den Strumpf schädigen können. 
  2. Lange Fingernägel und Schmuck können zu Löchern in den Strümpfen führen. Empfehlen Sie Ihren Kunden, Schmuck auszuziehen und bei langen oder spitzen Fingernägeln spezielle Handschuhe zu tragen, um das Gewebe zu schützen. Diese sind als Gummihandschuhe sowie als Textilhandschuhe mit gummierter Handinnenfläche erhältlich. Sie erleichtern das Anlegen und Ablegen der Kompressionsstrümpfe und schonen zudem das Gestrick der Strümpfe. 
  3. Im Sitzen: Zum Anlegen der Strümpfe setzt sich Ihr Kunde am besten bequem und stabil auf einen Stuhl. 
  4. Bis zur Ferse: Zunächst wird die Ferse vorbereitet. Dazu fasst man den Strumpf bis zur Ferse von innen und stülpt ihn auf links, sodass die Ferse außen liegt. Anschließend wird der Strumpf über die Zehen und Ferse geführt, bis die Ferse korrekt sitzt. Es dürfen sich keine Falten bilden. 
  5. Bis zum Knie: Nun wird der Schaft des Strumpfes etappenweise in Pendel- oder Ruckbewegungen gleichmäßig über den Unterschenkel bis zum Knie geführt. Spezielle Handschuhe zum Anlegen von Kompressionsstrümpfen erleichtern diesen Schritt. Mit ihrer Hilfe kann der Schaft gleichmäßig von unten nach oben geschoben werden. Dies ermöglicht einen perfekten Sitz und eine optimale Druckverteilung.  
  6. Je nach Strumpf bis nach oben: Bei Wadenstrümpfen sitzt das Bündchen beziehungsweise Haftband zwei Fingerbreit unterhalb der Kniekehle. Handelt es sich um Schenkelstrümpfe oder eine Strumpfhose, so wird der Strumpf über das Knie bis nach oben weitergeführt. Auch hier sind Falten – besonders in der Kniekehle – zu vermeiden. 

Beim Anlegen darf man niemals am oberen Rand des Strumpfes ziehen, das Material muss immer von unten nach oben gleichmäßig auf dem Bein verteilt werden. 

An- und Ausziehhilfen

Bei Strümpfen mit einer offenen Fußspitze liegt in der Regel eine kleine Anziehhilfe bei. Dabei handelt es sich um eine Art Kappe, die über die Zehen gezogen wird. Sie ist aus einem gleitfähigen Stoff und erleichtert dadurch das Überstreifen des Kompressionsstrumpfes. Durch die offene Fußspitze des Strumpfes kann die Anziehhilfe anschließend leicht entfernt werden. 

Wichtig ist es, den Strumpf nicht aufzurollen“ wie man es vielleicht bei normalen Strümpfen macht. Durch das Aufrollen erhöht sich die Kompressionskraft und das Anlegen wird erschwert.

An- und Ausziehhilfen erleichtern den Umgang mit den medizinischen Kompressionsstrümpfen und schonen das Strumpfmaterial. Dadurch kann die Lebensdauer der Produkte verlängert werden. Diese Hilfsmittel sind bei allen Strumpfherstellern in unterschiedlicher Ausführung im Programm. 

Man unterscheidet zwischen Gestellen und Gleitern. Erstere bestehen aus Metall oder Plastik. Sie sind meist recht groß und erfordern eine gewisse Feinmotorik und Kraft. Dadurch sind sie nicht für alle Kunden geeignet. 

Gleiter sind aus gleitfähigen künstlichen Fasern wie beispielsweise Ballonseide gefertigt. Sie sind klein und handlich, erfordern aber manchmal ein wenig Übung in der Anwendung. Je nach Ausführung erleichterten die Produkte entweder nur das Anlegen oder sowohl das Anlegen als auch das Ausziehen der Strümpfe. 

Fragen Sie Ihren Fachhändler nach Vorführmodellen und lassen Sie sich die richtige Handhabung der einzelnen Varianten erklären. So können Sie gemeinsam mit Ihrem Kunden die zu seinen Bedürfnissen passende Anziehhilfe auswählen. 

Übrigens: Auch Anziehhilfen sind verordnungsfähige Hilfsmittel.

Beine und Füße pflegen

Trotz der modernen Materialien trocknen die meisten Kompressionsstrümpfe die Haut aus. Die richtige Pflege unterstützt dann das Wohlbefinden. Da sich Cremes und Lotionen im Strumpf ablagern und so das Material schädigen können, dürfen sie nicht vor dem Anlegen der Strümpfe angewendet werden. In der Regel reicht es aus, die Beine abends, nachdem die Strümpfe ausgezogen wurden, mit entsprechenden Produkten zu pflegen. 

Zunächst sollten die Füße und Beine gewaschen werden. Nach dem Abtrocknen folgt das Eincremen. Empfehlen Sie Ihren Kunden Produkte entsprechend dem aktuellen Hautzustand. Bei gesunder normaler Haut eignen sich feuchtigkeitsspendende Cremes und Lotionen beispielsweise mit Oliven- oder Mandelöl. Ist die Haut trocken, achten Sie auf einen ausreichend hohen Fettanteil in den Zubereitungen. 

Urea ist ebenfalls eine gute Empfehlung. Es bindet Feuchtigkeit in der Haut, pflegt und lindert Juckreiz. Zubereitungen mit fünf Prozent Urea sind für viele Hauttypen geeignet. Bei Kunden mit besonders trockener Haut oder Diabetes empfehlen Sie Produkte mit einem Urea-Gehalt von zehn Prozent. 

Möchte sich Ihr Kunde gerne auch morgens die Beine eincremen oder ist dies eventuell sogar medizinisch notwendig, benötigen Sie eine fettfreie Alternative. Für diesen Zweck gibt es von diversen Anbietern sogenannte Fußschäume. Ihre Anwendung ist denkbar einfach: Dose kurz schütteln, den Sprühkopf betätigen, fertig. 

Fußschäume sind in der Regel frei von Duft- und Farbstoffen. Sie spenden Feuchtigkeit und enthalten ebenfalls Urea. Da sie fettfrei sind, hinterlassen sie keinen öligen Film auf der Haut. Dies schützt nicht nur die Strümpfe. Da der Schaum komplett in die Haut einzieht, hinterlässt er kein klebriges Gefühl. Vorteile, von denen sich auch Eincrememuffel – und Männer – gerne überzeugen lassen.  

Um Löcher in den Strümpfen und Druckstellen zu vermeiden, ist eine gute Fußpflege wichtig. Die Nägel sollten kurz geschnitten sein. Scharfe Kanten und Hornhaut können den Strumpf beschädigen. 

Strümpfe pflegen

Doch nicht nur der Fuß, auch die Strümpfe benötigen Pflege. Aus hygienischen Gründen werden Kompressionsstrümpfe täglich gewaschen. Dies kann entweder von Hand oder in der Waschmaschine erfolgen. Aus ökonomischer Sicht ist die Handwäsche vorzuziehen. 

Dafür wird der Strumpf auf links gedreht, so können Hautpartikel optimal entfernt werden. Nun die Strümpfe in einer Schüssel oder im Handwaschbecken in handwarmem Wasser mit einem milden Feinwaschmittel waschen. Weichspüler, Seife oder ähnliches ist tabu, da dadurch das Material beschädigt wird. Anschließend die Strümpfe gründlich ausspülen und in ein Handtuch einschlagen. 

Das Wasser aus den Strümpfen klopfen und die Strümpfe liegend auf einem Handtuch trocknen lassen. Auf der Wäscheleine können sich die Strümpfe aushängen. Auf der Heizung wird das Material angegriffen. Und auch im Trockner haben Kompressionsstrümpfe nichts zu suchen. 

Mit der richtigen Pflege können die Strümpfe sechs Monate getragen werden. Danach ist die Kompressionswirkung nicht mehr vollständig gewährleistet. Erklären Sie Ihrem Kunden, dass er seine Strümpfe für eine optimale Wirkung zweimal jährlich erneuern soll. 

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