Venen und Krampfadern: Schwieriger Rückweg
25 Minuten 1 Punkte
- 1Anatomie der Venen
- 2Erkrankungen der Venen
- 3Venenleiden vorbeugen
- 4Arzneimittel und Eingriffe
- 5Kompressionstherapie
- 6Praxistipps zum Kompressionsstrumpf
- 7Aktionstage der Apotheke
- 8Lernerfolgskontrolle
01. Juni 2026
Stau und Rückfluss – Besenreiser und Krampfadern
Ist das venöse System geschwächt, können verschiedene Folgekrankheiten entstehen. Oftmals stören sich die Betroffenen nur an den optischen Veränderungen, die mit einer Venenerkrankung einhergehen. Doch unbehandelt können kranke Venen schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.
Besenreiser
Meist harmlos, aber dennoch ein Vorbote tieferliegender Venenprobleme sind Besenreiser. Ein schwaches Bindegewebe, meist erblich bedingt, sowie Elastizitätsprobleme sorgen für ihre Entstehung. Bewegungsmangel, Übergewicht und hormonelle Veränderungen begünstigen Besenreiser zusätzlich.
Krampfadern
Ohne Behandlung kann sich die Venenschwäche manifestieren und in die Tiefe verlagern und zu Varikosis, dem Krampfaderleiden, führen. Varikosis ist die häufigste Form der Venenerkrankungen. Sie zeigt sich charakteristisch in geschlängelten Venen, die auf eine Insuffizienz der Venenklappen zurückzuführen sind. Dadurch entsteht ein venöser Rückfluss, der den Druck in den Gefäßen kontinuierlich erhöht. Das Blut kann nicht mehr effizient zum Herzen zurückgepumpt werden und versackt zunehmend in den Beinen.
Darüber hinaus werden Stoffwechselendprodukte aus dem Gewebe schlechter abtransportiert. Dies kann langfristig zu Entzündungen führen. Auch die Gefahr einer Thrombose steigt, da Blut, das nur langsam fließt, leichter gerinnt.
Ursächlich für Besenreiser und Krampfadern ist eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche. Darüber hinaus nimmt mit zunehmendem Lebensalter die Elastizität der Gefäßwände ab. Dies fördert die Krankheitsprogression. Und auch hier spielt der Lebensstil eine wichtige Rolle. Hormonelle Veränderungen, wie beispielsweise in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren, Adipositas oder langes Stehen machen den Venen zu schaffen.
Chronisch-venöse Insuffizienz
Bleibt eine Varikose unbehandelt oder liegen zusätzliche Klappen- beziehungsweise Gefäßschäden vor, kann sich daraus eine chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) entwickeln. Durch den dauerhaft erhöhten Druck in den Beinvenen wird die Mikrozirkulation beeinträchtigt: Es entstehen
- Ödeme,
- Hautverfärbungen
- und im Spätstadium trophische Hautveränderungen.
Hauptursachen für eine CVI sind langjährige venöse Stauungen, eine vorangegangene Thrombose oder wiederholte Entzündungen der Venenwände.
Achtung: Notfall
Venenerkrankungen verlaufen in der Regel langsam fortschreitend. Bei folgenden Symptomen muss jedoch unverzüglich ein Krankenhaus aufgesucht werden:
- Plötzliche, einseitige Beinschwellung
- Starke Schmerzen im Bein oder Druckempfindlichkeit
- Ungewöhnliches Hitze- oder Kältegefühl im Bein
- Plötzliche Hautverfärbungen (starke Rötung oder bläuliche Farbe)
- Atemnot, Brustschmerzen oder Schwindel
Tiefe Venenthrombose
Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist ein potenziell lebensbedrohliches Ereignis, das unbehandelt zur Lungenembolie führen kann. Ein Thrombus verschließt dabei eine tiefe Vene, meist im Bein oder Becken. Grundlegend sind die drei Komponenten der sogenannten Virchow-Trias:
- Gefäßwandschäden (z. B. nach Operation oder Trauma)
- Verlangsamter Blutfluss (durch Immobilität, Gipsverband, Bettlägerigkeit)
- Erhöhte Gerinnungsneigung (z. B. durch hormonelle Therapie, Schwangerschaft, Tumorerkrankung oder genetische Disposition).
Langstreckenflüge, Adipositas und höheres Alter steigern das Risiko zusätzlich.
Postthrombotisches Syndrom
Nach einer überstandenen tiefen Venenthrombose kann sich ein postthrombotisches Syndrom entwickeln. Es resultiert aus bleibenden Schäden an den Venenwänden und -klappen, wodurch der venöse Rückfluss dauerhaft gestört bleibt. Die unzureichende Rekanalisation nach einer Thrombose und eine fortbestehende Entzündungsreaktion führen zu einer chronischen Druckbelastung des Gewebes. Fehlende oder unregelmäßig angewandte Kompressionstherapie und Bewegungsmangel erhöhen die Wahrscheinlichkeit für diese Spätfolge.
Thrombophlebitis
Bei der Thrombophlebitis handelt sich um eine Entzündung der oberflächlichen Venen. Sie ist meist lokal begrenzt und tritt gehäuft bei bestehender Varikose auf. Oft bildet sich ein tastbarer, schmerzhafter Venenstrang. Auslöser können lokale Verletzungen, Injektionen oder Infusionen sowie Krampfadern sein. Auch systemische Entzündungen oder Gerinnungsstörungen spielen eine Rolle. Bei rezidivierenden Verläufen sollte immer an eine tieferliegende Thrombophilie gedacht werden.
Ulcus
Das Endstadium der venösen Erkrankungen bildet das venöse Unterschenkelgeschwür – Ulcus cruris venosum genannt. Es stellt die schwerste Form der chronischen venösen Insuffizienz dar. Durch die langanhaltende Stauung und die gestörte Mikrozirkulation kommt es zu Gewebshypoxie und Nekrosen, die meist schlecht abheilen.
- Langanhaltende venöse Insuffizienz,
- mangelnde Mobilität,
- Diabetes mellitus und
- Rauchen
beeinträchtigen die Wundheilung erheblich. Bereits kleinste Verletzungen können dann zur Ausbildung eines Ulcus führen. Die Behandlung des Ulcus ist langwierig und erfordert geschultes Personal. Trotz moderner Therapien führt ein Ulcus auch heute noch oftmals zur Amputation.










