Venen und Krampfadern
PTA-Fortbildung

Venen und Krampfadern: Schwieriger Rückweg 

Geschwollene, schmerzende Beine, Besenreiser oder Krampfadern – das sind Symptome, unter denen viele Ihrer Kunden leiden. Was können sie dagegen tun? Wie kann man vorbeugen? Diese Fortbildung macht Sie fit in Sachen Venengesundheit. 

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Medikamentöse Hilfe bei kranken Venen

Sind die Venenklappen geschädigt, können sie nicht medikamentös geheilt werden. Es gibt jedoch eine Vielzahl an Präparaten, die die Symptome lindern und eine Venentherapie unterstützen können. Fragen Sie im Beratungsgespräch gezielt nach den Beschwerden Ihres Kunden. Auf diese Weise erkennen Sie, welches Symptom im Vordergrund steht. Dies erleichtert Ihnen die Auswahl des passenden Medikaments. 

Phlebotonika

Venenmittel, die Phlebotonika, enthalten häufig pflanzliche Extrakte. Sie können die Durchblutung und den venösen Rücktransport unterstützen. Dadurch werden Symptome wie schwere Beine und Schwellungen gelindert. Darüber hinaus wirken sie gefäßstärkend, entzündungshemmend und helfen, die Kapillarfestigkeit zu verbessern. 

Die bekanntesten Wirkstoffe sind 

  • Rosskastanie, 
  • Rotes Weinlaub und 
  • Troxerutin. 

Empfehlen Sie Ihren Kunden Phlebotonika besonders im Frühstadium einer Venenerkrankung, da sie hier den größten Effekt erzielen können. Die Kombination aus topischer (Salbe) und systemischer (Tablette, Kapsel) Anwendung stärkt die Venen sowohl von innen wie von außen. Die Symptome können so bestmöglich gelindert werden. 

Ergänzungen der Venentherapie

Leidet Ihr Kunde an Krämpfen in den Beinen, empfehlen Sie ihm zusätzlich ein Magnesiumpräparat. Mit der passenden Dosierung vermeiden Sie unangenehme Nebenwirkungen.  

Bei starken Wassereinlagerungen können Diuretika zum Einsatz kommen. Sind diese ärztlich verordnet, erfolgt die Einnahme nach Anweisung des Arztes. Empfehlen Sie Ihrem Kunden auch hier eventuell ein Magnesiumpräparat. Die erhöhte Wasserausscheidung kann zu einer Verschiebung im Elektrolythaushalt führen und somit Krämpfe auslösen. 

Hat der Kunde Ödeme und nimmt bisher kein Diuretikum ein, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Bis dahin unterstützen Sie ihn mit sanften Alternativen. Brennnessel- oder Birkenblättertee regen die Urinproduktion und die Ausscheidung an. Somit helfen sie Ödeme auszuschwemmen.  

Besteht bei einer Venenerkrankung die Gefahr einer Thrombose, können Antikoagulanzien vom Arzt verordnet werden. Sie sind immer dann erforderlich, wenn geschwächte Venen und Störungen im Blutfluss zusammentreffen. Hauptindikation ist die Gefahr einer tiefen Venenthrombose, um Gerinnsel und so eine Embolie zu vermeiden. 

Angewendet werden die Gerinnungshemmer oft als Spritzen mit dem Wirkstoff Heparin. Auf dem Markt sind jedoch auch orale Antikoagulanzien verfügbar. Bei Venenleiden kommen hauptsächlich die Wirkstoffe Rivaroxaban, Apixaban und Dabigatran zum Einsatz.  

Liegt eine Entzündung der Venen (Phlebitis) vor, lindern NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) Schmerzen und Entzündungen. Bewährte Wirkstoffe sind Diclofenac oder Ibuprofen. Vorteil einer topischen Applikation ist die Umgehung des Magen-Dram-Traktes. Dadurch werden gastrointestinale Nebenwirkungen reduziert. 

Bei tiefliegenden Venen können die Wirkstoffe bei einer lokalen Therapie eventuell nicht weit genug eindringen. Hier wird eine kurzfristige orale Therapie mit Tabletten empfohlen. 

Weisen Sie Ihren Kunden darauf hin, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Bei Beschwerden, die länger als drei Tage andauern, muss ein Arzt aufgesucht werden. 

Invasive Eingriffe: Kleber, Schaum und Laser

Schreiten die Beschwerden voran, ist ein chirurgischer Eingriff manchmal unumgänglich, um schwere Verläufe zu verhindern. Die operativen Behandlungsmaßnahmen bei Venenerkrankungen haben sich in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt. 

Früher: Venenstripping

State of the Art war früher das Venenstripping. Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff zur Entfernung von Krampfadern. Die erkrankte Vene wird mithilfe einer speziellen Sonde durch kleine Hautschnitte herausgezogen. Das Venenstripping ist ein seit langem etabliertes Verfahren zur Behandlung ausgeprägter Varizen, um Krampfadern an den Stammvenen zu beseitigen. Es wird oft als Babcock-Operation bezeichnet. 

Der Eingriff zielt darauf ab, das Venensystem zu entlasten und Folgeerkrankungen zu verhindern. Er kann sowohl mit einer Lokalanästhesie als auch unter Vollnarkose durchgeführt werden. Im Anschluss an das Stripping muss konsequent mit Kompressionsstrümpfen nachgesorgt werden, um das venöse System in der Heilungsphase zu unterstützen. Großer Nachteil der Methode ist, dass sie mehrere, wenn auch kleine Hautschnitte benötigt.  

Heute: minimalinvasive Eingriffe

Moderne Venenschwäche-Behandlungen fokussieren sich auf minimalinvasive Verfahren. Diese liefern kosmetisch bessere Ergebnisse. 

Bei der Radiofrequenzablation (RFA) wird ebenso wie bei der Lasertherapie (EVLT) ein Katheter in die betroffene Vene eingeführt. Die mit dem Laser erzeugte Hitze verschließt das Gefäß von innen. Der Eingriff ist unter lokaler Betäubung ambulant durchführbar. Es sind in der Regel nur ein bis zwei kleine Einschnitte nötig. Die Genesungszeit ist bei diesem Verfahren deutlich kürzer als beim Venenstripping. 

Handelt es sich um weniger ausgeprägte Krampfadern, so können diese mit einem Venenkleber oder mit einem Mikroschaum verschlossen werden. Diese Stoffe werden direkt in die betroffene Vene injiziert. Dies bewirkt, dass die Vene verklebt und sich vollkommen verschließt. Die Reste des Verödungsmittels werden allmählich vom Körper abgebaut. Oftmals ist für diese Eingriffe keine Betäubung notwendig. 

Es kommt seltener zu Schmerzen und Blutergüssen als bei anderen Verfahren. Nach dem Eingriff müssen die Kompressionsstrümpfe meist nur kurz getragen werden oder sind gar nicht nötig.  

Um die individuell passende Operationsmethode zu finden, ist eine umfassende Beratung durch einen Facharzt erforderlich. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass eine OP nicht alle Probleme lösen kann. Zwar werden Krampfadern, also geschädigte Venen, entfernt oder verschlossen, das Hauptproblem, nämlich die Bindegewebsschwäche bleibt aber bestehen. 

Für den Kunden heißt das: Lebt er nach der OP weiter wie bisher oder verändert sich der Hormonstatus beispielsweise durch die Wechseljahre, kann es erneut zu Krampfadern kommen. Erklären Sie Ihren Kunden, dass ein gesunder Lebensstil und das Tragen von Kompressionsstrümpfen erneute Beschwerden hinauszögern können – und somit die Lebensqualität nachhaltig fördern.

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