Venen und Krampfadern: Schwieriger Rückweg
25 Minuten 1 Punkte
- 1Anatomie der Venen
- 2Erkrankungen der Venen
- 3Venenleiden vorbeugen
- 4Arzneimittel und Eingriffe
- 5Kompressionstherapie
- 6Praxistipps zum Kompressionsstrumpf
- 7Aktionstage der Apotheke
- 8Lernerfolgskontrolle
01. Juni 2026
Kompressionstherapie – altes Wissen in neuem Gewand
Die Ursprünge der Kompressionstherapie reichen weit zurück. Schon in der Antike erkannten Heiler, dass Druckverbände Schwellungen verringern und die Durchblutung unterstützen. Die Ägypter und Römer nutzten Bandage-ähnliche Stoffstreifen, um die Beine zu stützen und Beschwerden nach langen Märschen zu lindern.
Der Gedanke, gezielt äußeren Druck zur Entlastung der Venen auszuüben, war somit früh vorhanden. Jedoch gelang die wissenschaftliche Umsetzung dieser Praxis erst im 19. Jahrhundert. Erste Modelle industriell gefertigter Gummibandagen kamen auf den Markt – die Vorläufer des modernen Kompressionsstrumpfes.
So funktioniert Kompression
Das Wirkprinzip der Kompressionstherapie beruht darauf, dass von außen Druck auf das Bein ausgeübt wird. Durch den Druck auf das Gewebe werden die Venen im Inneren der Beine komprimiert. Der Rücktransport des Blutes in Richtung Herz verbessert sich. Außerdem wird die Schließfunktion der Venenklappen unterstützt.
Dies verhindert ein Absacken von Blut in den Beinen. Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen werden gemildert. Die Beine fühlen sich nicht mehr so schwer an. Das sind viele Vorteile einer Therapie, denen kaum Risiken gegenüberstehen.
Gummistrümpfe und aufwendiges Wickeln? Stimmt gar nicht (mehr)!
Und dennoch ist die Kompressionstherapie nicht bei allen beliebt. Lange hatte sie einen schlechten Ruf. Sie galt als kompliziert und unbequem. Mühevolles Wickeln oder Strümpfe, die aufgrund ihrer Materialbeschaffenheit gerne als Gummistrümpfe bezeichnet wurden, brannten sich in das Gedächtnis der Betroffenen ein. Und auch heute noch halten sich manche dieser Ansichten hartnäckig. Doch das muss nicht sein.
Moderne Kompressionsstrümpfe sind heute Hightech-Produkte: atmungsaktiv, formstabil, modisch und in verschiedenen Kompressionsklassen standardisiert. Sie dienen nicht nur der Therapie chronisch venöser Insuffizienz oder postthrombotischer Syndrome, sondern auch der Prophylaxe.
Damit hat sich der Kompressionsstrumpf von einem einfachen Wickelverband zu einem evidenzbasierten, anwenderfreundlichen Medizinprodukt entwickelt. Er ist unverzichtbar im Apothekenalltag und ein zentraler Baustein für gesunde Venen.
Ein großer Vorteil gegenüber der Therapie mittels Kompressionsbinden ist die Tatsache, dass Kompressionsstrümpfe in der Regel selbst angelegt werden können
Krampfadern bei Männern
Laut Bonner Venenstudie kennen die wenigsten Männer die Risiken von Venenleiden. Bei der Behandlung mit medizinischen Kompressionsstrümpfen sind sie eklatant unterversorgt. Die Studienteilnehmer nannten dafür diverse Gründe. Ein Großteil möchte nicht, dass die Optik verrät, dass sie Kompressionsstrümpfe tragen. Auch das Tragegefühl spielt eine entscheidende Rolle. Hinzu kommt, dass viele Männer erst bei deutlich sichtbaren Anzeichen oder spürbaren Beschwerden einen Arzt aufsuchen.
Kompressionsklassen 1 bis 4
Die Druckverteilung erfolgt beim Kompressionsstrumpf graduell und nimmt von unten nach oben ab. Am Knöchel beträgt der Druck 100 Prozent und ist damit am höchsten. Je nach Schwere der Erkrankung stehen vier verschiedene Kompressionsklassen (KKL) zur Verfügung. Sie bauen entsprechend ihrer Klasse einen Druck von mindestens 18 mmHg bis über 49 mmHg im Gewebe auf. Die Wahl der Kompressionsklasse obliegt dem Arzt und muss auf der Verordnung ersichtlich sein.
- Bei leichter Venenschwäche und müden Beinen wird die Kompressionsklasse 1 empfohlen.
- Liegen bereits Krampfadern vor oder sind die Beschwerden stärker, verordnet der Arzt die mittlere Kompressionsklasse 2.
- Für eine deutliche Veneninsuffizienz und schwerwiegende Fälle stehen die Kompressionsklassen 3 …
- … und 4 zur Verfügung.
Erklären Sie Ihren Kunden, dass es für den Behandlungserfolg wichtig ist, nicht von der verordneten Kompressionsklasse abzuweichen. Nur wenn genügend Druck im Gewebe aufgebaut werden kann, wird der venöse Rücktransport unterstützt.
Auf das richtige Maß kommt es an
Neben der Kompressionsklasse spielt das richtige Maß des Strumpfes eine entscheidende Rolle. Kompressionsstrümpfe richten sich nicht nach der Schuhgröße. Für eine optimale Passform müssen die anatomischen Gegebenheiten des Beins berücksichtigt werden. Dafür wurden durch eine Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Proktologie, dem Bundesinnungsverband Orthopädietechnik und Herstellern im Rahmen der RAL-Gütezeichengemeinschaft einheitliche Qualitätsstandards und Messpunkte festgelegt.
Dieses standardisierte Verfahren erleichtert Ihnen die Messung, da alle Messpunkte klar definiert sind. Für eine erleichterte Durchführung können Sie bei den Herstellern von Kompressionsstrümpfen Maßblätter bestellen beziehungsweise online abrufen.
Da die Beine im Tagesverlauf anschwellen, ist es wichtig, das Anmessen so früh wie möglich durchzuführen, im Idealfall direkt nach dem Aufstehen. Planen Sie die Termine für Ihre Kunden deshalb so früh wie möglich und bitten Sie sie, davor nicht zu viel herumzulaufen. Dies ist besonders im Sommer wichtig, da Wärme zu einem schnelleren Anschwellen führt.
Ein falsch oder schlecht angemessener Strumpf ist nutzlos. Ist er zu groß, baut er nicht genügend Druck auf oder rutscht sogar herunter. Ist er zu klein, kann er einschnüren und wird nicht getragen.
Für jeden den passenden Strumpf
Noch vor einigen Jahren gab es Kompressionsstrümpfe nur in wenigen Farben. Und auch die Materialqualität war eingeschränkt. Gründe, die unter anderem zu einer mangelnden Compliance bei Kunden geführt haben. Doch die Zeiten haben sich geändert.
Mittlerweile stehen Kompressionsstrümpfe in unzähligen Ausführungen zur Verfügung. Über die Art des Strumpfs – Waden-, Halbschenkel- oder Schenkelstrumpf, Strumpfhose, ein oder zwei Strümpfe – entscheidet der Arzt je nach Krankheitsbild. Auch die Art des Gestricks legt der Arzt fest.
Rundstrick, Flachstrick
Kompressionsstrümpfe sind sowohl rundgestrickt als auch flachgestrickt erhältlich.
- Rundgestrickte Strümpfe haben im Vergleich zu flach gestrickten keine Naht am Bein. Die Elastizität rund gestrickter Strümpfe ist höher, was das Anlegen erleichtert. Bei Krampfadern kommen in der Regel rundgestrickte Kompressionsstrümpfe zum Einsatz.
- Flach gestrickte Strümpfe sind in der Regel weniger atmungsaktiv. Die Indikationen für flach gestrickte Strümpfe sind Ödeme (Lymphödem, Lipödem), die einen eine hohe Wandstabilität und hohen Arbeitsdruck erfordern.
Die weiteren Konfigurationen wie Material und Farbe kann Ihr Kunde zusammen mit Ihnen festlegen.
Offene oder geschlossene Spitze?
Auf dem Markt stehen Strümpfe mit offener und geschlossener Fußspitze zur Verfügung. Gerade bei Menschen mit Nagelpilz oder diabetischem Fußsyndrom kann eine offene Fußspitze sinnvoll sein, da sie eine bessere Belüftung der Fußspitze ermöglicht. Auch im Sommer ist diese Strumpfvariante sehr beliebt.
Jedoch gibt es auch Nachteile. Durch das über den Fußspann verlaufende Bündchen kann der Strumpf über den Fuß rutschen und zu Druckstellen führen. In geschlossenen Schuhen muss ein normaler Strumpf über dem Kompressionsstrumpf getragen werden, da die Zehen nackt sind. Das Bündchen am Spann führt häufig zu Durchblutungsstörungen. Dadurch kommt es häufiger zu kalten Füßen, wenn die Strümpfe getragen werden.
Look und Tragegefühl
Auch im Bereich Material gab es in den letzten Jahren Neuerungen. So können Ihre Kunden zwischen verschiedenen Qualitäten wählen – von elegant bis sportlich und robust. Besonders beliebt bei Frauen sind Strümpfe mit Mikrofaser. Sie sind angenehm zu tragen und ähneln in der Optik Feinstrümpfen. Daher sind sie für viele Looks und Gelegenheiten passend. Durch ihre Materialzusammensetzung staut sich zudem weniger Wärme im Gewebe, was sie zu einem optimalen Sommerstrumpf macht.
Für all diejenigen, die zu kalten Beinen neigen oder es gerne etwas robuster mögen, eignen sich Strümpfe mit Baumwolle. Sie sind dicker als die Strümpfe aus Mikrofaser und dadurch weniger anfällig für Löcher.
Die meisten Firmen bieten eine spezielle Herrenlinie für Kompressionsstrümpfe an. Auch diese Strümpfe enthalten Baumwolle. Sie erinnern von der Optik an Herrensocken und sind vergleichsweise robust.
Farblich bieten alle Firmen mittlerweile ein großes Spektrum, von klassischem Schwarz und Nudetönen bis hin zu knalligen Farben im Stil der aktuellen Modetrends. So lassen sich auch junge Kunden für Kompressionsstrümpfe begeistern.
Das Haftband
Für den optimalen Komfort von Schenkelstrümpfen gibt es verschiedene Arten von Haftbändern. Auch bei Wadenstrümpfen ist ein Haftband möglich. Beachten Sie dabei, dass Haftbänder auf dem Rezept mit verordnet werden müssen, um abgerechnet werden zu können.
Kompressionstherapie in der Schwangerschaft
Da Venenschwäche häufig in der Schwangerschaft auftritt, bieten die Firmen spezielle Modelle für Schwangere an. Während der wachsende Bauch bei Waden- oder Schenkelstrümpfen unproblematisch ist, muss er bei einer Strumpfhose mitbedacht werden. Kompressionsstrumpfhosen für Schwangere verfügen deshalb über einen mitwachsenden Leibteil und passen sich so optimal dem Körper an.










