Sodbrennen: Ärger mit der Magensäure
21 Minuten
- 1Saurer Magensaft
- 2Sodbrennen, GERD, NERD, ERD
- 3Ursachen für Sodbrennen
- 4Sodbrennen behandeln: PPI
- 5Sodbrennen behandeln: Antazida
- 6Sodbrennen behandeln: Alginate
- 7Lernerfolgskontrolle
01. Oktober 2025
Häufigster Auslöser ist Stress
Eine Schwäche des Ösophagussphinkters kann viele Ursachen haben. In den meisten Fällen handelt es sich um funktionelle Beschwerden, für die verschiedene äußere Faktoren verantwortlich sind. Ein wesentlicher Einfluss ist Stress, da der Schließmuskel vegetativ gesteuert wird.
Auch bestimmte Nahrungs- und Genussmittel wie Alkohol, Kaffee, Rauchen oder fettreiche Speisen setzen seine Muskelspannung herab, ebenso wie einige Arzneistoffe (z. B. Calcium-Antagonisten, Anticholinergika, Beta-2-Sympathomimetika, Benzodiazepine). Aber auch der Genuss großer Mahlzeiten oder blähender Speisen führt zu einer Überdehnung des Magens und übt damit Druck auf den Ösophagussphinkter aus, wodurch er geschwächt wird.
Wer ist betroffen?
Unter den organischen Faktoren spielt vor allem das Alter eine Rolle. Da die Muskelkraft des Sphinkters physiologischerweise mit zunehmenden Lebensjahren abnimmt, leiden vermehrt ältere Menschen unter dem Säureproblem. Aber auch Jüngere sind betroffen. Beispielsweise kann ein unzureichender Verschluss des Schließmuskels durch Verspannungen der Kiefer- und Nackenmuskulatur (z. B. bedingt durch eine schlechte Haltung vor dem Computerbildschirm oder am Smartphone) ausgelöst werden.
Eine typische Risikogruppe sind auch Schwangere. Bei ihnen lässt der in der Schwangerschaft erhöhte Progesteronspiegel die Spannung des Schließmuskels hormonell erschlaffen. Zudem hält der Schließmuskel dem Druck des stetig wachsenden Ungeborenen meist ab dem dritten Schwangerschaftsdrittel nicht mehr ausreichend stand.
Bei Menschen mit Übergewicht ist es die eigene Körpermasse, die den Schließmuskel strapaziert.
Zwerchfellbruch
Mit zunehmendem Alter und bei Übergewicht ist ein Zwerchfellbruch häufiger Auslöser. Das Zwerchfell ist ein Muskelgewebe oberhalb des Magens, das diesen vom Brustkorb trennt. Durch eine schmale Muskellücke im Zwerchfell verläuft die Speiseröhre zum Magen. Vergrößert sich die Muskellücke durch einen hohen Druck im Bauchraum, beispielsweise aufgrund von starkem Übergewicht, spricht man von einem Zwerchfellbruch.
Als Folge tritt ein Teil des Magens an der Übergangsstelle zur Speiseröhre durch das Zwerchfell hoch in den Brustraum aus. Das Zwerchfell ist dann nicht mehr in der Lage, den Verschluss des Schließmuskels zu unterstützen, wodurch vermehrt saurer Magensaft in die Speiseröhre fließt.
Der medizinische Terminus für einen Zwerchfellbruch lautet Hiatushernie, von Hernie = Übergangsstelle und Hiatus = Austritt von Eingeweiden in die Bauchhöhle.
Erkrankungen der Speiseröhre
Seltener sind Erkrankungen der Speiseröhre Ursache für Sodbrennen, wie etwa eine Verkrampfung des Speiseröhrenmuskels (Achalasie). Bei dieser Erkrankung liegt eine neurodegenerative Störung des Schluckvorgangs vor, wodurch es dem Ösophagussphinkter nicht mehr gelingt zu erschlaffen. Folge ist, dass die Nahrung nicht problemlos in den Magen gelangt, sondern am Speiseröhrenausgang steckenbleibt und gemeinsam mit der Magensäure wieder hochläuft.
Ebenso fördern Aussackungen der Speisenröhrenwand (Speiseröhrendivertikel) oder ein Ösophaguskarzinom einen Reflux, da auch hier die Nahrungspassage erschwert ist.
Gastritis und Ulkus
Auch eine Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis) oder ein Magengeschwür (Ulkus) können die Ursache für Sodbrennen sein. Ein Hinweis darauf ist, wenn das Sodbrennen mit stechenden Schmerzen, Brechreiz oder Völlegefühl assoziiert ist.
Normalerweise bewahrt die schützende Schleimschicht auf der Magenschleimhaut den Magen vor einer Selbstverdauung. Ist jedoch längerfristig zu viel Magensäure vorhanden, kann sie die Magenschleimhaut angreifen und eine Entzündung auslösen. Während eine akute Gastritis meistens schnell erkannt wird und in der Regel folgenlos ausheilt, besteht bei der chronischen Verlaufsform die Gefahr, dass sich daraus ein Ulkus oder ein Magenkarzinom entwickelt.
Da eine chronische Gastritis wenig Beschwerden macht, bleibt sie häufig lange unbemerkt und wird nicht adäquat therapiert. Geschwüre mit tiefen Wanddefekten, die zu Karzinomen entarten können, sind eine mögliche Folge.
Häufig führt das Bakterium Helicobacter pylori zu chronischen Entzündungen der Magenschleimhaut und bei einem Teil der Infizierten zu Magenkrebs.
Auch Motilitätsstörungen können Sodbrennen auslösen
Reflux kann auch auf gestörte Bewegungsabläufe (Motilität) verschiedener Magenmuskeln zurückzuführen sein. Die unterschiedlichen Muskelgruppen des Magens, die mit ihren wellenförmigen Muskelkontraktionen (Peristaltik) für eine gute Durchmischung und den reibungslosen Weitertransport des Nahrungsbreis sorgen, geraten durch unterschiedliche Faktoren aus dem Takt (z. B. Stress, Ernährungsweise).
Spannt sich die Magenmuskulatur im oberen Teil des Magens zu stark an (Hypermotilität), kann sich der Magenspeicher (Fundus) nicht mehr richtig dehnen, sodass er nicht mehr in der Lage ist, den Speisebrei komplett aufzunehmen und weiter zu befördern. Es entsteht Druck nach oben, wodurch saurer Speisebrei in die Speiseröhre steigt.
Ebenso kann eine erschlaffte, träge Muskulatur im unteren Magenbereich, im Transporter (Antrum), in ihrem Bewegungsablauf beeinträchtigt sein und den Nahrungsbrei unvollständig in den anschließenden Dünndarm entleeren (Hypomotilität).
Der Symptomkomplex aus aufsteigender Säure und Oberbauchbeschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit und schmerzhaften Krämpfen wird unter dem Begriff funktionelle Dyspepsie oder Reizmagen zusammengefasst. Ärzte sprechen davon, wenn sich für chronische oder wiederholt auftretende Verdauungsstörungen im oberen Magen-Darm-Trakt keine adäquate Diagnose finden lässt. Dabei treten die Beschwerden in mindestens drei von sechs Monaten und mindestens einmal wöchentlich auf.
Prinzipiell wird je nach Beschwerdebild das epigastrische Schmerzsyndrom (EPS) vom postprandialen Distress-Syndrom (PDS) unterschieden. Während sich EPS nahrungsmittelunabhängig durch Schmerzen und Brennen im Oberbauch auszeichnet, ist das PDS vor allem nach den Mahlzeiten durch vorzeitiges Sättigungsgefühl, Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen sowie Sodbrennen charakterisiert. Die Verdauungsprobleme äußern sich individuell, beide Formen können sich überschneiden.
Das Bauchhirn
Über die Ursachen dyspeptischer Beschwerden wird noch diskutiert. Man geht von einer multifaktoriellen Genese aus, wobei Störungen im Zusammenspiel zwischen dem zentralen und dem Magen-Darm-eigenen Nervensystem (enterisches Nervensystem, „Bauchhirn“) eine Rolle spielen. Sie führen zu Fehlern in der Steuerung der Magenbewegungen oder in deren Wahrnehmung.
Außerdem scheinen Betroffene über eine erhöhte Empfindlichkeit des enterischen Nervensystems zu verfügen, sodass bereits normale Verdauungsvorgänge oder vorhandene Magensäure sich mit einer gastrointestinalen Symptomatik wie Schmerzen oder Sodbrennen äußern.
Da die Symptome oftmals unter Stress auftreten und sich bei psychischen Belastungen oder unter negativen Emotionen verstärken, geht man zudem von einer seelischen Komponente aus.
Überproduktion von Magensäure
In selteneren Fällen ist auch eine gesteigerte Produktion von Magensäure für den Reflux verantwortlich. Dabei spielen typischerweise sehr fette, süße oder scharf gewürzte Nahrungsmittel sowie Kaffee, Fruchtsäfte oder kohlensäurehaltige Getränke eine Rolle. Ebenso regen Alkohol, Rauchen und diverse Arzneistoffe die Säureproduktion der Magenschleimhaut an. Im Volksmund spricht man auch von Säurelockern.
Zu den Arzneimitteln, die direkt für eine erhöhte Produktion von Magensäure sorgen, zählen beispielsweise Cholinergika. Sie stimulieren das parasympathische Nervensystem über eine Aktivierung von Muskarinrezeptoren an den Belegzellen, was mit einer Erhöhung der Salzsäureausschüttung einhergeht.
Glucocorticoide sind hingegen ein Beispiel für Arzneimittel, die eine indirekte Stimulation der Säureproduktion auslösen, unter anderem durch eine erhöhte Freisetzung von Gastrin. Gastrin regt die Belegzellen des Magens zur vermehrten Produktion von Salzsäure an. Zudem hemmen Glucocorticoide die Cyclooxygenase-2 (COX-2) und reduzieren damit die Produktion von protektiven Prostaglandinen wie Prostaglandin E2 (PGE2).
PGE2 schützt lokal im Magen die Schleimhaut (mukosaprotektiv), indem es die Durchblutung der Mukosa fördert, die Zellregeneration anregt sowie die Bicarbonatsekretion und die Schleimproduktion steigert. Eine verminderte Produktion von PGE2 führt daher zur Schleimhautschädigung, da die protektive Wirkung der Prostaglandine auf die Schleimhäute im Verdauungstrakt unterbunden wird.











