Sodbrennen und Reflux
PTA-Fortbildung

Sodbrennen: Ärger mit der Magensäure

Das Sortiment an Mitteln gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen ist groß und für viele Betroffene nicht überschaubar. Damit erhält die Beratung in der Apotheke einen hohen Stellenwert. Wonach richtet sich Ihre Empfehlung?

21 Minuten

Schleimhautschutz mit Alginaten

Für einen Schleimhautschutz sorgen auch Präparate mit Natriumalginat, ein Extrakt, der aus der Braunalge Laminaria hyperborea gewonnen wird. Obwohl Alginate ein anderes Therapieprinzip als die neutralisierenden Antazida aufweisen, werden sie in der Regel dennoch zu ihnen gezählt.

Natriumalginat quillt bei Kontakt mit Magensäure zu einem stabilen Gelschaum, der sich als schwimmender Film auf den flüssigen Mageninhalt legt. Damit bildet sich eine Barriereschicht, die mechanisch ein Aufsteigen des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre verhindert.

Weiterer Pluspunkt der Alginate ist der Angriff auf die Säuretasche (Acid Pocket). Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Magensäure am Übergang vom Magen zur Speiseröhre. Alginate bilden an dieser Stelle einen Schaum, der die Acid Pocket eliminiert.

Die Wirkung der Alginate setzt innerhalb weniger Minuten ein und hält bis zu vier Stunden an. Da die Substanz nicht in den Blutkreislauf aufgenommen wird, sondern nach Ablauf der Wirkdauer über den Darm wieder ausgeschieden wird, ist sie sehr gut verträglich.

Der pH-Wert im Magen wird durch Alginate nicht verändert. Zumeist werden Alginate mit klassischen Antazida (diverse Carbonate) kombiniert, wodurch sich ein noch schnellerer Wirkeintritt und eine stärkere Wirksamkeit erzielen lässt.

Für einen natürlichen Schutzfilm sorgt auch ein Extrakt aus dem Feigenkaktus. Der Feigenkaktusextrakt verfügt über einen besonders hohen Gehalt an schleimbildenden Polysacchariden, die sich schützend auf die angegriffene Schleimhaut der Speiseröhre legen und somit vor einer Reizung durch den Magensaft bewahren.

Auch dieses Präparat enthält zusätzlich magensäureneutralisierende Calcium-­ und Magnesiumcarbonate. Durch das duale Wirkprinzip ermöglicht das Präparat einerseits eine Sofortwirkung aufgrund der schnellen und effektiven Säurepufferung, andererseits einen mittelfristigen Schutz der Schleimhäute durch den natürlichen Gel-Film des Pflanzenextraktes.

Ebenso können Kautabletten mit Hyaluronsäure, Xanthan und Carbomer einen Schutzfilm bilden. Beim Zerkauen der Kautabletten entsteht ein Gel-Komplex, der die Speiseröhre beim Schlucken mit einem Schutzfilm auskleidet. Dieser schützt die Speiseröhre vor aufsteigender Magensäure oder Mageninhalt und lindert das Brennen. Unter dem Schutzfilm kann sich die gereizte Schleimhaut der Speiseröhre regenerieren. Die Wirkung tritt schnell innerhalb von Minuten ein und hält bis zu 3,5 Stunden an.

Pflanzliche Mittel

Beruhen die säureassoziierten Symptome vor allem auf gestörten Bewegungsabläufen in Magen und Darm, haben sich pflanzliche Prokinetika bewährt. Sie beschleunigen die Magenentleerung und nehmen damit den Druck vom Mageneingang.

Ein Klassiker ist die Neunerkombination aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmel, Mariendistelfrüchten, Melissen- und Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel (STW5). Aufgrund des besonders hohen Anteils an motilitätsregulierenden Komponenten werden verkrampfte Magenmuskeln entspannt, sodass der Nahrungsbrei besser vermischt und wieder weitertransportiert werden kann. Damit wird der Druck auf den Magen und folglich auf den Ösophagussphinkter beseitigt. Gleichzeitig wirkt die Pflanzenmischung stärkend auf den Schließmuskel.

Eine Produktvariante aus sechs der neun Heilpflanzen in teilweise erhöhter Dosierung (STW5-II) setzt einen Schwerpunkt auf Entzündungshemmung und Schleimhautschutz und richtet sich damit vor allem an häufig wiederkehrende Reizmagenbeschwerden.

Homöopathie

Wer mit homöopathischen Mitteln Sodbrennen behandeln möchte, profitiert beispielsweise von Nux vomica, Robinia und Acidum sulfuricum.

  • Nux vomica D6 ist das Mittel der Wahl bei nervösen, ehrgeizigen Menschen, die vorwiegend im Sitzen arbeiten und geistig tätig sind. Um das hohe Arbeitspensum aufrechterhalten zu können, neigen diese angespannten Menschen dazu, Säurelocker wie Kaffee, Zigaretten oder Alkohol zu genießen.
  • Robinia D6 ist das passende Mittel bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen, das vor allem nachts auftritt. Die Betroffenen haben zudem häufig Probleme mit stumpfen Zähnen, da die Säure im Liegen in den Mund gelangt und den Zahnschmelz angreift.
  • Acidum sulfuricum D6 wird eingesetzt bei Sodbrennen und saurem Aufstoßen bei sehr ungeduldigen Menschen, vor allem wenn eine Abneigung gegen kalte Getränke und Kaffeegeruch und ein Verlangen nach Alkohol besteht. Weitere Hinweise sind stumpfe Zähne, Frösteln, Übelkeit und saures Erbrechen.

Die Autorin versichert, dass keine Interessenkonflikte im Sinne von finanziellen oder persönlichen Beziehungen zu Dritten bestehen, die von den Inhalten dieser Fortbildung positiv oder negativ betroffen sein könnten.

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