Sodbrennen: Ärger mit der Magensäure
21 Minuten
- 1Saurer Magensaft
- 2Sodbrennen, GERD, NERD, ERD
- 3Ursachen für Sodbrennen
- 4Sodbrennen behandeln: PPI
- 5Sodbrennen behandeln: Antazida
- 6Sodbrennen behandeln: Alginate
- 7Lernerfolgskontrolle
01. Oktober 2025
Die typischen Äußerungen von Kunden, die unter Sodbrennen leiden, kennen Sie vielleicht: „Es brennt wie Feuer hinter meinem Brustbein“, „Ich leide unter saurem Aufstoßen“, „Ich habe einen sauren Geschmack im Mund“. Sodbrennen entsteht, wenn saurer Mageninhalt in die Speiseröhre (Ösophagus) zurückfließt und dort die empfindlichen Schleimhäute angreift. Der saure Rückfluss wird Reflux genannt.
Circa jeder dritte Erwachsene leidet zumindest zeitweise unter einem Säureproblem. Daher sind Sodbrennen und Reflux auch ein häufiges Beratungsthema in der Apotheke. Betroffene wünschen sich rasche und langanhaltende Hilfe, da sie sich meist stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt fühlen.
Lernziele
Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung unter anderem,
- was Reflux und Sodbrennen unterscheidet,
- was stiller Reflux ist,
- wodurch Reflux ausgelöst werden kann,
- welche Risiken mit Reflux verbunden sind,
- welche nicht-medikamentösen und medikamentösen Therapieoptionen es gibt,
- welche Vor- und Nachteile der verschiedenen Antireflux-Medikamente haben und
- wie Sie entscheiden, welche Kunden zum Arzt weitergeleitet werden müssen.
Unser Magensaft
Eine zentrale Rolle in dem Geschehen nimmt der Magensaft ein. Dabei handelt es sich um eine sehr saure Flüssigkeit, die im nüchternen Zustand einen pH-Wert von 0,8 bis 1,5 aufweist. Der Magensaft besteht vornehmlich aus
- Magensäure, einer 0,5-prozentigen Salzsäure,
- dem Verdauungsenzym Pepsin,
- Schleim und dem
- Intrinsic Factor, einem Glykoprotein, das für die Resorption von Vitamin B12 im Dünndarm notwendig ist.
Ist der Magen leer, werden lediglich 5 bis 15 Milliliter Magensaft pro Stunde sezerniert. Durch Nahrungsaufnahme wird die Magensaftproduktion stimuliert und gleichzeitig der Pepsin- und Salzsäuregehalt erhöht. Zudem übt Gastrin einen starken Reiz auf die Sekretion von Magensäure aus.
Die Gastrinproduktion wird beim Essen durch die Magendehnung und durch Nahrungsbestandteile wie beispielsweise Alkohol, Coffein oder Bitterstoffe angeregt. Darüber hinaus können Stress und Ärger zur vermehrten Bildung von Magensäure führen, da das vegetative Nervensystem an der Steuerung maßgeblich beteiligt ist.
Der Magensaft wird von den Belegzellen der Magenschleimhaut (Mucosa) produziert. Dabei werden aktiv Protonen (H+) und Chlorid-Ionen (Cl-) in das Magenlumen transportiert. Eine wichtige Rolle spielt bei dem Vorgang das Enzym H+/K+-ATPase, das auch Protonenpumpe genannt wird. Unter ATP-Verbrauch pumpt es Protonen aus der Zelle und KaliumIonen in die Zelle hinein. Im Magenlumen verbinden sich die Protonen mit ChloridIonen zu Salzsäure und erhöhen die Azidität des Magensafts.
Die Magensäure wird vor allem für den Verdauungsprozess benötigt. Im sauren Milieu wandelt sich die Enzymvorstufe Pepsinogen in das aktive Pepsin um, das als Verdauungsenzym Nahrungsproteine in kleinere Peptide aufspaltet. Zudem hat die Magensäure aufgrund ihrer Azidität eine bakterizide Wirkung, mit der sie Infektionen vorbeugt.
Der Magen schützt sich
Obwohl sich im Magen aggressive Stoffe wie der saure Magensaft und das proteolytische Enzym Pepsin befinden, werden diese Substanzen für den Magen in der Regel nicht zum Problem. Die gesamte innere Magenwand ist mit einer gut durchbluteten Magenschleimhaut ausgekleidet. Ihre Epithel- und Nebenzellen produzieren einen alkalischen Schleim, der Bicarbonat-Ionen enthält, die als Puffer gegenüber den freien WasserstoffIonen wirken und die Magensäure neutralisieren.
Zudem überzieht die Magenschleimhaut die gesamte innere Magenwand und schützt mit ihrer dicken, zähen Mucinschicht vor der Selbstverdauung durch Pepsin. Problematisch wird es erst, wenn die aggressiven und die protektiven Faktoren aus dem Gleichgewicht geraten.
Säureangriff auf die Speiseröhre
Andere Verhältnisse liegen in der Speiseröhre vor. Sie ist nicht wie der Magen mit einer dicken, schützenden Schleimschicht versehen. Daher wird sie leicht vom aggressiven Magensaft angegriffen, wenn er dorthin gelangt. Dies kann mit Reizungen oder sogar mit ernsthaften Folgeerkrankungen assoziiert sein.
Die Speiseröhre ist ein 25 Zentimeter langer Muskelschlauch, durch den die Nahrung vom Mund in den Magen gelangt, also in der Regel in nur einer Richtung – von oben nach unten – befördert wird. Zum Magen hin wird die Speiseröhre durch einen Schließmuskel, dem unteren Ösophagussphinkter, abgedichtet.
Dieser Muskel funktioniert normalerweise wie ein Ventil, indem er dafür sorgt, dass der Nahrungsbrei nur in Richtung Magen rutscht. Er öffnet sich, wenn der Speisebrei den Mageneingang erreicht hat und verschließt sich unmittelbar nach seiner Aufnahme in den Magen.
Liegt eine Schwäche des Speiseröhrenmuskels oder ein erhöhter Magendruck vor, bleibt der Schließmuskel geöffnet. So gelangt Magensäure samt eiweißverdauenden Enzymen und Gallensäuren dem Druckgradienten zwischen Bauchraum und Brustkorb folgend aus dem Magen in die Speiseröhre und sogar bis in die obere Kehlkopfregion und kann dort Sodbrennen auslösen.











