Pille und Pille Danach
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Pille und Pille Danach: Sicher beraten, sicher verhüten

Auch wenn sie bis heute weltweit eines der am meisten verwendeten Verhütungsmittel ist, verliert sie in Deutschland seit einigen Jahren an Beliebtheit. Die Rede ist von der Pille. Warum ist das so? Und welche Alternativen bieten eine ähnliche Sicherheit?

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Langzyklus

Es gibt Situationen im Leben, in denen das Verschieben des Zyklus oder ein mehrmonatiges Ausbleiben der Menstruationsblutung sinnvoll sein kann:

  • Zyklusabhängige Beschwerden wie eine Dysmenorrhö, Hypermenorrhö, das prämenstruelle Syndrom oder eine zyklusabhängige Migräne sind mögliche Gründe.
  • Ebenso profitieren Frauen, die unter gynäkologischen Erkrankungen leiden, bei denen keine Hormonschwankungen oder Blutungen erwünscht sind (z. B. Endometriose, polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Myome).
  • Gleiches gilt für chronische Krankheiten, die von hormonellen Schwankungen mitbestimmt werden (z. B. Multiple Sklerose, Depressionen, Eisenmangelanämien).
  • Und selbst individuelle Aspekte (z. B. Urlaub, Sport, Prüfung) können ein Argument für eine längerfristige Hormoneinnahme sein.

Aus physiologischer Sicht besteht keine Notwendigkeit für eine regelmäßige Abbruchblutung. Das hormonfreie Intervall hat vielmehr historische Gründe: Es sollte über das Kopieren eines natürlichen Menstruationszyklus die Compliance der Pillenverwenderin steigern.

Medizinisch betrachtet kommt es aber bei der Pillen-Dauereinnahme durch die regelmäßige Hormoneinnahme sogar zu einer effektiveren Unterdrückung der Follikelreifung und damit zu einer stärkeren ovariellen Suppression. Damit ist die kontrazeptive Wirksamkeit im Vergleich zum konventionellen 21/7-Schema erhöht. Der Empfängnisschutz ist selbst bei einer vergessenen Pille verbessert, vorausgesetzt die Pilleneinnahme wird nach dem Fehler noch für mindestens sieben Tage fortgesetzt.

Gynäkologen warnen aber vor einem zu leichtfertigen Umgang mit der Pillen-Dauereinnahme. Auch wenn das Risiko für Nebenwirkungen nicht erhöht zu sein scheint, sehen sie die durchgehende Einnahme ohne hormonfreies Intervall vor allem dann als problematisch an, wenn die Frau die Pille erst seit kurzer Zeit einnimmt. Sie weisen darauf hin, dass im ersten Halbjahr der Einnahme das höchste Risiko für Thrombosen, Embolien oder Schlaganfälle besteht.

Off-label oder zugelassen?

Lange Zeit wurde das Langzyklus-Schema off-label mit Einphasenpillen praktiziert, die einfach ohne hormonfreies Intervall über mehrere Monate hinweg (bis zu einem Jahr und länger) eingenommen wurden. Inzwischen stehen einige wenige Präparate mit einer Zulassung für den Langzyklus zur Verfügung.

Eine der Optionen beinhaltet Tabletten mit 20 µg EE und 3 mg Drospirenon, die bis zu 120 Tage eingenommen werden, gefolgt von vier Tagen Pause (hormonfreies Intervall).

Die zweite Option enthält 30 µg EE und 150 µg Levonorgestrel. Ihre Einnahme erfolgt über 84 Tage, gefolgt von sieben Tabletten mit 10 µg EE (kein hormonfreies Intervall).

Die dritte, neueste Option ist auch eine Pille mit 30 µg EE und 150 µg Levonorgestrel. Bei diesem Präparat erfolgt nach 84 Tagen eine siebentägige hormonfreie Pause.

Während der ersten Phase des Langzyklus treten häufig Zwischenblutungen auf, die jedoch in der Regel mit zunehmender Anwendungsdauer abnehmen. Bei den meisten Frauen kommt es schließlich zum gewünschten Ausbleiben der Blutung.

Blutung vorverlegen

Prinzipiell lässt sich die Menstruation auch mal gelegentlich um wenige Tage vorverlegen. Dafür werden Einphasenpräparate mit konstanter Östrogen-Gestagen-Zusammensetzung etwa drei Tage vor dem gewünschten Blutungsbeginn abgesetzt. Damit der Verhütungsschutz aufrechterhalten bleibt, muss die Pille jedoch zuvor mindestens 14 Tage ohne Unterbrechung eingenommen und nie länger als sieben Tage abgesetzt worden sein. Meist ist die vorgezogene Abbruchblutung schwächer und kürzer als sonst.

Eine Alternative ist, die Pillenpause zu verkürzen. Dann setzt im Folgemonat die Blutung entsprechend früher ein.

Alternative: Depotformen

Alle peroralen Pillenoptionen, sei es die Mikro- oder Minipille, erfordern eine regelmäßige Einnahme. Mangelnde Compliance beeinträchtigt ihre empfängnisverhütende Wirkung ebenso wie Durchfall oder Erbrechen. Zuverlässige Alternativen – die eine seltenere Applikation erfordern und die den Magen-Darm-Trakt umgehen – stellen hormonhaltige Depotformen dar. Diese stehen entweder als Östrogen-Gestagen-Kombinationen oder reine Gestagen-haltige Präparate zur Verfügung. Verhütungssicherheit, Zykluskontrolle, Wirkmechanismus und Gegenanzeigen entsprechen dabei etwa denen der Pille.

  • Eine Möglichkeit besteht darin, eine Östrogen-Gestagen-Kombination in niedriger Dosierung mittels eines transdermalen Systems (PI 0,88) zu applizieren. Das Hormonpflaster wird einmal wöchentlich auf die Haut geklebt, nach drei Wochen erfolgt eine pflasterfreie Woche, in der die Abbruchblutung einsetzt.
  • Alternativ kann ein Vaginalring (PI 0,64 bis 0,96) zur Anwendung kommen. Der flexible Ring aus Ethylen-Vinylacetat-Copolymer wird von der Frau während der Menstruation eingeführt und nach dreiwöchiger Tragedauer wieder selbstständig entfernt. Zu beachten ist, dass einige Präparate kühlpflichtig sind. Sie müssen also im Kühlschrank gelagert werden, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. Wenn die Verwenderin den Vaginalring zu Hause bei Raumtemperatur lagert, kann er noch bis zu vier Monate verwendet werden.

Depotformen wie die Dreimonatsspritze, das implantierbare Verhütungsstäbchen oder die Hormonspirale (Interuterinpessar, IUP) sind östrogenfrei und daher für die Stillzeit zugelassen. Außer der für fünf Jahre eingelegten Gestagen-haltigen Kunststoffspirale sind alle anderen Depotformen in der Lage, den Eisprung zu unterdrücken.

  • Die Hormonspirale (PI 0,16) wird etwa sechs bis acht Wochen nach einer Geburt appliziert. Bei früherer Anpassung besteht die Gefahr, dass sie wieder ausgestoßen wird oder eine Infektion auslöst.
  • Das implantierbare Verhütungsstäbchen (PI 0,1) wird vom Arzt in die Innenseite des Oberarms unter die Haut geschoben und kann dort bis zu drei Jahre verweilen. Danach muss er es wieder durch einen kleinen Schnitt entfernen.
  • Die Injektion der Depotspritze (PI 0,2 bis 2) erfolgt alle drei Monate in den Gesäß- oder Oberarmmuskel der Frau. Sie sollte aber weder bei Frauen unter 18 Jahren noch über einen längeren Zeitraum zum Einsatz kommen, da die Gefahr einer Abnahme der Knochendichte besteht. Zudem wird sie in der Regel nur Frauen mit abgeschlossener Familienplanung empfohlen, da es nach Beenden dieser Verhütungsmethode zwischen zehn Monaten und zwei Jahren dauern kann, bis eine Schwangerschaft eintritt.

Pille vergessen

Wird der in der Packungsbeilage angegebene Zeitraum für eine nachgeholte Einnahme überschritten, kann der Empfängnisschutz der Pille nicht mehr gewährleistet werden. Prinzipiell sinkt die Sicherheit mit der Zahl der vergessenen Tabletten. Wurden zwei oder gar mehr Tabletten innerhalb eines Einnahmezyklus vergessen, besteht generell kein ausreichender Empfängnisschutz mehr. Fehlt nur eine Tablette, ist die Einnahmewoche entscheidend, in welcher die Pille nicht korrekt eingenommen wurde.

Detaillierte Informationen dazu finden sich in der Packungsbeilage der jeweiligen Präparate. In jedem Fall sollte eine Einnahme der vergessenen Pille nachträglich erfolgen, um Zwischenblutungen zu vermeiden. Auch wenn das bedeutet, zwei Tabletten gleichzeitig einzunehmen. Besteht Zweifel am Empfängnisschutz (vor allem beim Vergessen der Pille in der ersten und zweiten Einnahmewoche), sollte zusätzlich mit einem Kondom oder einer anderen mechanischen Barrieremethode verhütet werden.

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