Pille und Pille Danach
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Pille und Pille Danach: Sicher beraten, sicher verhüten

Auch wenn sie bis heute weltweit eines der am meisten verwendeten Verhütungsmittel ist, verliert sie in Deutschland seit einigen Jahren an Beliebtheit. Die Rede ist von der Pille. Warum ist das so? Und welche Alternativen bieten eine ähnliche Sicherheit?

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Notfallverhütung

Ist es zu einer Verhütungspanne gekommen, ist ein Notfallkontrazeptivum, die sogenannte Pille Danach, eine Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft abzuwenden. Dafür stehen zwei Präparate für die Selbstmedikation zur Verfügung. Das eine enthält hoch dosiertes Levonorgestrel, also ein synthetisches Gestagen. Im anderen findet sich Ulipristalacetat, ein Progesteronrezeptor-Modulator.

Da beide Notfallkontrazeptiva ohne Rezept erhältlich sind, können Frauen in der Regel rasch reagieren. Schnelles Handeln ist wichtig, da die Einnahme der Notfallpille möglichst bald nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr beziehungsweise der Verhütungspanne erfolgen muss. Für beide Wirkstoffe gilt die Regel, dass sie umso sicherer wirken, je früher sie eingenommen werden. Je länger mit ihrer Einnahme gewartet wird, desto größer ist das Risiko, dass die Notfallkontrazeptiva eine ungewollte Schwangerschaft nicht mehr verhindern können.

Verschieben des Eisprungs

Beide Wirkstoffe verzögern den Eisprung um fünf Tage und wehren damit eine Befruchtung ab. Das bedeutet wiederum, dass die Pille Danach auch nur wirken beziehungsweise eine Schwangerschaft verhindern kann, wenn der Eisprung noch nicht erfolgt ist.

Dafür greift das Notfallkontrazeptivum in das fertile Fenster ein. Also in den Zeitraum, in dem ungeschützter Geschlechtsverkehr zu einer Schwangerschaft führen kann. Die fruchtbarsten Tage im Menstruationszyklus beginnen fünf Tage vor dem Eisprung und enden einen Tag danach, woraus sechs Tage mit dem höchsten Schwangerschaftsrisiko resultieren. Fünf Tage vorher, da Spermien bis zu fünf Tage überleben können. Und bis zu einem Tag nach dem Eisprung, da das Ei bis zu 24 Stunden befruchtungsfähig ist.

Wird nun der Eisprung um mindestens fünf Tage verschoben, also über die Lebensdauer der Spermien hinaus, findet der Eisprung somit erst statt, wenn die Spermien nicht mehr befruchtungsfähig sind. Die Befruchtung bleibt aus.

Wichtig zu wissen ist, dass es sich bei der Notfallpille nicht um eine Abtreibungspille handelt. Nach derzeitigem Wissensstand verhindert sie weder die Einnistung einer befruchteten Eizelle noch beendet sie eine bestehende Schwangerschaft.

Je früher, desto besser

Der Eisprung wird ausgelöst, wenn das LH seine höchste Konzentration erreicht hat. Der LH-Anstieg beginnt etwa zwei Tage vor dem Eisprung. Zugleich sind das die beiden Tage mit dem höchsten Schwangerschaftsrisiko. Um dem Eisprung zuvorzukommen, sollte die Pille Danach also möglichst bald nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zur Anwendung kommen.

Beide Wirkstoffe hemmen bei rechtzeitiger Einnahme den LH-Anstieg. Allerdings kann die Variante mit 1,5 mg Levonorgestrel nur wirken, bevor das LH-Level ansteigt. Somit kann sie den Eisprung nur verzögern, wenn die Einnahme vor Beginn des LH-Anstiegs erfolgt ist. Daher sollte sie am besten innerhalb von zwölf Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr und nicht später als 72 Stunden (3 Tage) danach geschluckt werden.

Mit Ulipristalacetat hat die Frau theoretisch zwei Tage mehr Zeit, eine ungewollte Schwangerschaft abzuwenden. Der Progesteronrezeptor-Modulator kann im Gegensatz zu Levonorgestrel auch noch während des LH-Anstiegs den Eisprung verzögern. Somit wirkt Ulipristalacetat noch bis zu 120 Stunden (5 Tage) nach ungeschütztem Verkehr. Aber auch wenn der Progesteronrezeptor-Modulator über ein größeres Wirkfenster als das hochdosierte Gestagen verfügt und damit das Schwangerschaftsrisiko stärker als Levonorgestrel zu senken vermag, sollte auch dieses Präparat rasch, am besten innerhalb von 24 Stunden nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr, eingenommen werden, um dem Eisprung zuvorzukommen.

Zudem gibt es keine eine 100-prozentige Sicherheit. Wenn der Eisprung zwischen dem ungeschützten Geschlechtsverkehr und der Einnahme der Notfallpille erfolgt ist, kann diese nicht mehr wirken. Zudem ist er Zeitpunkt des Eisprungs im Zyklus hoch variabel und nicht vorhersagbar, denn die Zykluslänge ist sehr individuell. Deshalb ist es für die Frau auch nicht berechenbar, ob sie die Notfallpille rechtzeitig appliziert hat.

Welche Notfallpille für wen?

Die beiden Wirkstoffe sind nicht für jede Frau gleichermaßen geeignet.

  • Auch wenn Levonorgestrel ein geringeres Wirkfenster aufweist, kann das Gestagen-Präparat Mittel der Wahl für stillende Frauen sein. Diese müssen nach Einnahme von Levonorgestrel nur eine Stillpause von acht Stunden einlegen, in der die Milch abgepumpt und verworfen wird. Hingegen darf bei dem Präparat mit Ulipristalacetat eine Woche lang nicht gestillt werden.
  • Zudem ist nur Levonorgestrel für Frauen geeignet, die eine Therapie mit oralen Gucocorticoiden bei schwerem Asthma durchführen. In diesen Fällen ist der Progesteronrezeptor-Modulator Ulipristalacetat keine Option. Denn aufgrund seiner hohen Affinität zum Glucocorticoid-Rezeptor schwächt er die Wirkung der Glucocorticoide ab.
  • Gibt es hingegen bei der Frau oder in ihrer Familie Hinweise auf Thrombosen, ist Ulipristalacetat zu bevorzugen. Zwar wird bei den Gestagenen wie Levonorgestrel nicht von einem erhöhten Thromboserisiko ausgegangen, es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden.
  • Der Progesteronrezeptor-Modulator ist auch für übergewichtige Frauen die bessere Wahl, da die Wirksamkeit von Levonorgestrel bei einem BMI über 25 (kg/m²) vermindert ist. Liegt der BMI über 30, wirkt auch der Progesteronrezeptor-Modulator nicht mehr zuverlässig und ein Gang zum Arzt wird erforderlich.
  • Ebenso sollte ein Arztbesuch erfolgen, wenn in den letzten vier Wochen CYP-3A4-Induktoren eingenommen wurden. Einige dieser Substanzen wirken teratogen (z. B. Phenytoin), andere schwächen die Wirkung von Ulipristalacetat ab (z. B. Johanniskraut).
  • Liegen schwere Leberfunktionsstörungen vor, kommt keine der beiden Notfallpillen infrage.

Bei bestehender (nicht bekannter) Schwangerschaft ist die einmalige Einnahme von 1,5 mg Levonorgestrel nicht bedenklich. Für Ulipristalacetat gibt es nach derzeitigem Kenntnisstand ebenfalls keine Anzeichen auf teratogene Effekte. Dennoch wird von einer Einnahme von Ulipristalacetat abgeraten, da aufgrund der noch sehr begrenzten Datenlage schädliche Effekte auf das Ungeborene nicht ausgeschlossenen werden können. Die Fachinformation des Präparates verweist auf die Möglichkeit, jede Schwangerschaft nach Einnahme der Notfallpille unter www.hra-pregnancy-registry.com zu melden, um mehr Daten zur Sicherheit der Pille Danach mit Ulipristalacetat zu erhalten.

Bitte beachten

Auch wenn beide Notfallpillen gut verträglich sind, können sich bei beiden Nebenwirkungen wie beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Unterleibsschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen einstellen. Übelkeit und Erbrechen lässt sich häufig vermeiden, wenn vor der Einnahme der Pille Danach eine Kleinigkeit gegessen wird. Sollte es dennoch innerhalb von drei Stunden zum Erbrechen kommen, muss sicherheitshalber eine weitere Tablette genommen werden.

Eine wiederholte Einnahme der Notfallpille ist auch dann möglich beziehungsweise nötig, falls es im gleichen Zyklus erneut zu einer Verhütungspanne kommen sollte. In den Produktinformationen der Notfallpille mit Ulipristalacetat wird eine wiederholte Anwendung innerhalb desselben Menstruationszyklus nicht mehr ausdrücklich ausgeschlossen, wie die Bundesapothekerkammer (BAK) in ihren Handlungsempfehlungen zur rezeptfreien Abgabe von oralen Notfallkontrazeptiva ausführt. Zugleich rät die BAK vor dem Hintergrund, dass keine klinischen Studien vorliegen, und in Anbetracht der unerwünscht hohen Hormonbelastung und möglicher schwerer Zyklusstörungen von der wiederholten Anwendung von Levonorgestrel innerhalb eines Monatszyklus ab. Andere internationale Leitlinien betonen, darauf zu achten, dass die gleiche Notfallpille wie beim ersten Mal verwendet wird, um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen.

Es sollte auch darauf aufmerksam gemacht werden, dass es wenige Tage nach der Notfallpillen-Einnahme bereits zu einer Schmier- und Zwischenblutung kommen kann.

Zudem kann sich die nächste Menstruation verschieben und/oder stärker ausfallen. Zumeist tritt sie nach Einnahme von Levonorgestrel einige Tage verfrüht und nach Ulipristalacetat bis zu sieben Tage verspätet auf. Lässt die Regelblutung länger als eine Woche auf sich warten, sollte zur Sicherheit ein Schwangerschaftstest durchgeführt und der Frauenarzt aufgesucht werden.

„Spirale Danach“ als letzte Option

Eine Alternative zur Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft für den Fall, dass es für die Notfallpille zu spät ist, relevante Wechselwirkungen oder Kontraindikationen gegen ihre Einnahme bestehen, ist die Einlage eines kupferhaltigen Intrauterinpessars (IUS).

Die Kupferspirale, in diesem Fall auch Spirale Danach genannt, verhindert nicht nur die Lebensfähigkeit der Spermien, sondern auch das Einnisten einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutter. Sie wirkt also selbst dann noch, wenn bereits der Eisprung erfolgt ist und eine Befruchtung stattgefunden hat. Dafür muss eine kupferhaltige IUS allerdings vor der Einnistung vom Arzt in die Gebärmutterhöhle eingesetzt werden, das heißt spätestens bis zum fünften Tag nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Möchte die Frau mit der Kupferspirale weiter verhüten, kann sie anschließend für mehrere Jahre in der Gebärmutter verbleiben (je nach Modell drei bis zehn Jahre).

Zusätzlich verhüten

Im Gegensatz zu einer verbleibenden Spirale Danach ersetzt die Pille Danach keine anderen Verhütungsmaßnahmen. Da sie nur den Eisprung verschiebt und nicht verhindert, ist im Rest des Zyklus bei erneutem Geschlechtsverkehr wieder eine Schwangerschaft möglich. Daher ist bis zum Eintreten der nächsten Menstruation eine zuverlässige Verhütung erforderlich.

  • Wurde zuvor mit hormonellen Kontrazeptiva wie der Mikro- oder Minipille verhütet, werden diese nach der Notfallkontrazeption weiter eingenommen. Allerdings besteht mit ihnen kein zuverlässiger Empfängnisschutz mehr. Ihre Einnahme sollte aber trotzdem zur Zyklusstabilisierung erfolgen.
  • Zusätzlich sind auf jeden Fall noch mechanische Barrieremethoden wie beispielsweise Kondom, Diaphragma oder Portiokappe notwendig.
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