Mineralstoffe
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Mineralstoffe – kleine Stoffe, große Aufgaben

Mineralstoffe zählen zu den Mikronährstoffen. Eine etwas irreführende Bezeichnung, denn sie besitzen keine kleine Bedeutung für unseren Körper. Im Gegenteil: Sie sind essenziell. Doch braucht nicht jeder Kunde deshalb gleich Magnesiumtabletten. Was sollten Sie über Mineralstoffe wissen?

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Ihre Mineralstoffberatung in der Apotheke

Der Markt rund um Nahrungsergänzungsmittel wächst weiter: Laut einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes produzierten allein deutsche Unternehmen im Jahr 2021 rund 202000 Tonnen. Trotz teilweise hoher Preise finden die Präparate Absatz. Einer Umfrage zufolge nehmen drei von vier Deutschen Supplemente ein.

Auch wenn ein Großteil der verkauften Nahrungsergänzungsmittel aus Supermarkt und Drogerie stammen, handelt es sich um beratungsintensive Produkte. Denn obwohl sie zu den Lebensmitteln zählen, zeigen sie unter Umständen spürbare Auswirkungen auf den Organismus. Vor allem dann, wenn zu viel eingenommen wird – Ihre Beratungskompetenz ist gefragt.  

Calcium

99 Prozent des Calciums befinden sich in unseren Knochen und Zähnen, nur ein kleines Prozent im Blut – doch das ist wichtig. Sinkt der Calciumgehalt dort (durch einen Mangelzustand), wird Calcium aus dem Knochen gelöst, um das Defizit auszugleichen. Gerade Frauen, Veganer, Senioren oder Kinder und Jugendliche (erhöhter Bedarf durch Wachstum) erreichen die Referenzwerte häufig nicht. Wenn Sie ein Calcium-Supplement empfehlen, achten Sie dabei auf folgende Punkte:

  • In Kombination mit Vitamin D wird Calcium optimal verwertbar für den Körper, denn das Vitamin verbessert sowohl die Aufnahme des Mineralstoffs aus dem Darm als auch dessen Einbau in die Knochen.
  • Calciumsalze mit guter Bioverfügbarkeit sind Gluconate, Lactate oder Citrate.
  • Eine Tagesdosis von 500 mg genügt – in Summe wird mit der Nahrung dann genug Calcium aufgenommen. Höhere Dosen sollten nur nach ärztlicher Empfehlung eingenommen werden, um eine Überdosierung zu vermeiden. Es besteht die Gefahr der Nierenfunktionsstörung.

Ein Bild, das Regenbogen, Farbigkeit, Kreis enthält. KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.Beratungstipp Calcium

Calciumpräparate sollten mit zeitlichem Abstand von zwei Stunden zu Eisenpräparaten eingenommen werden, um deren Aufnahme nicht zu verhindern. Das gilt auch, wenn gleichzeitig folgende Arzneistoffe eingenommen werden:

  • Tetracycline
  • Bisphosphonate
  • Levothyroxin
  • H2-Blocker
  • PPI

Vorsicht ist geboten, wenn Thiaziddiuretika eingenommen werden, denn diese erhöhen die Calciumrückresorption und damit das Risiko für eine Hypercalcämie.

Magnesium

Magnesium geht von allen Mineralstoffpräparaten am häufigsten über den HV-Tisch, obwohl es nur für einen kleinen Teil Ihrer Kunden erforderlich ist. Dazu zählen zum Beispiel Leistungssportler. Ist ihr Kunde chronisch erkrankt, sieht die Sache anders aus: Der Einsatz des Mineralstoffs kann sich präventiv wie therapeutisch bei Erkrankungen wie Migräne, kardiovaskulären Krankheiten, Diabetes mellitus, Epilepsie, Depressionen, Asthma oder COPD lohnen. Auch in der Schwangerschaft kann Magnesium eine sinnvolle Empfehlung darstellen. Zudem mausert sich Magnesiumcitrat derzeit in den sozialen Medien als der Tipp bei Ein- und Durchschlafproblemen. Das können Sie raten:

  • Organische Magnesiumverbindungen wie Aspartate, Citrate oder Orotate sollen aufgrund ihrer besseren Löslichkeit schneller verfügbar sein als Oxide. Diese erfüllen allerdings eine Art Retardfunktion.
  • Der Körper kann besser kleinere Dosen Magnesium über den Tag verteilt aufnehmen. Haben Sie allerdings einen Einnahme-trägen Kunden, empfehlen Sie besser das Magnesium-Oxid-Präparat.

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Kaum ein Produkt wird dermaßen beworben wie Magnesium, obwohl die Studienlage – gerade bei indikationsbezogener Einnahme – teils kontrovers ist. Es zählt also das subjektive Empfinden. Eine Überdosierung verläuft selten gefährlich, meistens treten Durchfälle auf. Dennoch lässt sich eine gesteigerte Magnesium-Aufnahme leicht über die Ernährung erreichen.

Zink

Schnupfenzeit ist Zink-Zeit in der Apotheke – gerne in Kombination mit dem Allrounder Selen. Tatsächlich werden die Referenzwerte von Zink häufig nicht erreicht; vor allem von jungen Frauen oder Männern ab 65 Jahren. Kinder und Jugendliche sowie Schwangere und Stillende zeigen einen erhöhten Zink-Bedarf.

Sprechen Sie auch Ihre vegetarisch und vegan lebenden Kunden an: Die wichtigste Zinkquelle bei einer Ernährung mit wenig oder keinen tierischen Produkten ist Getreide. Der hohe Phytatgehalt in Getreide senkt jedoch die Bioverfügbarkeit von Zink. Zudem zeigt diese Bedarfsgruppe eher Selen-Defizite auf. Auch Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zeigen Zink-Defizite durch eine schlechtere Aufnahme aus der Nahrung. Diese Tipps können Sie geben:

  • Empfehlen Sie organische Zinkverbindungen wie Histidin, Gluconat, Aspartat oder Orotat, da sie vom Köper besser aufgenommen werden.
  • 25 mg Zink pro Tag genügen; höhere Dosen beeinflussen den Kupfer- und Eisenstoffwechsel negativ.
  • Vegan lebenden Menschen können Sie ein Kombi-Präparat mit Selen anbieten – zusätzlich enthaltenes Eisen ist weniger sinnvoll, da Zink und Eisen um die Resorption konkurrieren.

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Acetylsalicylsäure, einige Penicilline sowie Tetracycline bilden mit Zink Chelatkomplexe – dadurch wird weniger Zink aufgenommen. Empfehlen Sie einen zeitlichen Abstand von zwei Stunden bei der Einnahme. Das gilt auch für die gleichzeitige Supplementierung mit Calcium oder Eisen. Thiaziddiuretika steigern die renale Ausscheidung von Zink, raten Sie Ihren Kunden daher zu regelmäßigen Spiegel-Kontrollen.

Jod

Unsere Böden sind Jod-arm, daher zählt Deutschland zu den Jodmangel-Ländern. Fast jedes Kind und jeder junge Mensch erreicht die Zufuhrempfehlungen nicht, auch jeder zweite Erwachsene und Senior gilt hierzulande als unterversorgt. Auch wenn es zurzeit kontrovers diskutiert wird, gilt:

  • Jod sollte nicht blind substituiert werden. Wer sich mit Jod überversorgt, geht das Risiko ein, ernsthafte Schilddrüsenerkrankungen, spürbare Stoffwechselverschiebungen oder einen Selen-Mangel zu provozieren.
  • Jod-Supplemente werden derzeit nur schwangeren und stillenden Frauen empfohlen (200 µg/Tag). 
  • Empfehlen Sie Veganern und Vegetariern, die keine Algen verzehren, den Jod-Status und regelmäßig die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen.

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Sorgt sich Ihr Kunde um seinen Jod-Status, empfehlen Sie ein vierwöchiges Ernährungsprotokoll: Wie viel jodiertes Speisesalz wird verwendet, wie häufig Fisch, Seefrüchte oder Algen (Achtung: schwankender Jod-Gehalt, sortenabhängig) verzehrt, wird Milch getrunken? Empfehlen Sie einen bewussten Umgang mit dem Mineralstoff und klären Sie Ihren Kunden über wichtige Jodquellen auf.

Eisen

Eisen wird auf zwei Wege aufgenommen: Als Häm-Eisen über einen spezifischen Transporter oder als zweiwertiges Eisen über einen Kationen-Transporter. In pflanzlichen Quellen liegt Eisen dreiwertig vor und muss vor der Aufnahme erst reduziert werden. Das ist prinzipiell kein Problem. Die geringere Aufnahme liegt in resorptionshemmenden Nahrungsbestandteilen wie Phytate, Oxalate oder Tannine begründet, die im Magen-Darm-Trakt auf das Eisen treffen. Daher stellen tierische Produkte den sichersten Weg für eine optimale Zufuhr dar.

Wer sich im Schnitt ausreichend mit Eisen versorgt, muss trotz kleiner Speicher, hoher Umsatzrate und schlechter Bioverfügbarkeit erst einmal keinen Mangel befürchten – unser Körper ist auf Extremsituationen (z.B. Schwangerschaft/Stillzeit) vorbereitet.

Dennoch können Sie Risikogruppen empfehlen, ihren Eisenstatus regelmäßig kontrollieren zu lassen. Bei Eisenpräparaten gilt:

  • Empfehlen Sie die Einnahme gemeinsam mit Vitamin C, z. B. einem Glas Orangensaft.
  • Eisenpräparate sollten morgens nüchtern eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen werden.
  • Bei Magenschmerzen können Sie auch die abendliche Einnahme zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit (dazu zählen auch Chips oder eine Saftschorle auf der Couch!) empfehlen.
  • Verdauungsprobleme mit Verstopfung treten am häufigsten unter Eisen-Supplementen auf; häufig werden in diesem Fall flüssige Eisenpräparate besser vertragen.
  • Niedrig dosierte Eisenpräparate, am besten über den Tag verteilt, werden am besten resorbiert. Aber auch hier gilt: Wer einnahmefaul ist oder Mahlzeiten und Eiseneinnahme nicht koordinieren kann, ist mit einem Retard-Präparat besser beraten.
  • Bei einem diagnostizierten Mangel sollte die Supplementierung mindestens über drei Monate erfolgen, um leere Speicher aufzufüllen.

Wer seine Eisenaufnahme nicht gefährden möchte, sollte seinen Konsum an schwarzem und Kräutertee, Wein und Kaffee während der Substitution einschränken

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Achtung bei Eisensubstitution und Arzneimitteleinnahme von

  • Komplexbildern wie Tetracyclinen und Doxycyclin,
  • Arzneistoffen, die den enterohepatischen Kreislauf beeinflussen (z.B. Cholestyramin),
  • anderen zweiwertigen Kationen (Calcium, Magnesium, Zink),
  • Säurehemmern (PPI).

Denn Eisen benötigt ein saures Milieu zur Resorption.

Gleichzeitig können Eisenpräparate die Bioverfügbarkeit von Levodopa und Levothyroxin negativ beeinflussen.

In allen Fällen sollte ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden zwischen der Einnahme liegen.

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