Hilfe für gereizte Augen
18 Minuten
- 1Konjunktivitis im Überblick
- 2Infektiös, nicht-infektiös, allergisch
- 3Sicca-Syndrom
- 4Trockene Augen behandeln
- 5Konjunktivitis behandeln
- 6Passendes Präparat wählen
- 7Lernerfolgskontrolle
01. August 2025
Antibiotische Augentropfen bei Bindehautentzündungen
Nehmen Konjunktivitiden keinen selbstlimitierenden Verlauf oder lassen sie sich mit befeuchtenden und/oder antiallergischen Augenpräparaten nicht ausreichend behandeln, können bei bakteriell bedingten Bindehautentzündungen antibiotische Augentropfen oder -salben notwendig werden.
Gängige antibiotische Wirkstoffe sind Gentamicin, Kanamycin, Azithromycin oder Ofloxacin. Die Augenärzte sind allerdings aufgefordert, eine lokale Antibiose nur sehr zurückhaltend zu verordnen, da sie mit dem Risiko für Hornhautschäden, der Gefahr von Resistenzen und allergischen Reaktionen einhergeht. Außerdem sind Antibiotika bei viral ausgelösten Konjunktivitiden wirkungslos.
Liegt eine gesicherte Chlamydien-Infektion vor, erfolgt eine systemische Antibiose mit Azithromycin (500 Milligramm pro Tag für drei Tage), um drohende dauerhafte Schäden an Hornhaut und Oberlidern zu vermeiden. Zudem wird der Sexualpartner mitbehandelt, um die Infektionskette zu durchbrechen. Die meisten bakteriellen Bindehautentzündungen werden aber von Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken oder Hämophilus influenzae verursacht, die sich topisch gut in den Griff kriegen lassen.
Das zweite Auge schützen
Um ein Verschleppen der Keime auf das andere Auge möglichst zu vermeiden, ist bei der Applikation von Augenzubereitungen darauf zu achten, das Auge nicht mit der Applikationsspitze der Tropfflasche oder der Salbentube zu berühren. Zudem sollten die Betroffenen während der Behandlung auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichten. Im Anschluss sollten die Linsen vorsichtshalber ausgetauscht oder sehr sorgfältig gereinigt werden.
Cortisonhaltige Augentropfen
Zurückhaltung ist auch mit topischen Cortisonpräparaten geboten. Sie werden zwar bei Konjunktivitiden unklarer oder viraler Genese verordnet, können aber aufgrund ihrer immunsuppressiven Wirkung unter Umständen die Infektion verlängern oder gar verschlimmern.
Zudem können Glucocorticoide langfristig den Augeninnendruck erhöhen, sodass sich ein Glaukom (Grüner Star) entwickeln kann. Ebenso ist eine Linsentrübung (Grauer Star oder Katarakt) bei länger dauernder Behandlung möglich.
Sind Bindehaut und Hornhaut gleichzeitig entzündet (Keratokonjunktivitis) und gehen mit trockenen Augen einher, kann die Verordnung von lokal appliziertem Ciclosporin A-haltigen Präparaten eine Alternative sein. Der Calcineurin-Inhibitor greift über eine lokale Immunsuppression in das Entzündungsgeschehen ein und ist oft effektiver als topische Glucocorticoide.
Konjunktivitiden anthroposophisch behandeln
Der Echte Augentrost (Euphrasia officinalis L.), ein Halbschmarotzer aus der Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae), ist das wohl bekannteste Mittel gegen leichtere Augenbeschwerden wie Bindehautentzündungen und Reizungen des Auges. So wie der Augentrost das Wachstum seiner Wirtspflanze schwächt, soll das kleine Wiesenkraut gemäß der Sichtweise der anthroposophischen Medizin bei der Behandlung des Auges Keime auf der Bindehaut schwächen und Entzündungserregern ihre Wachstumsgrundlage entziehen. Augentropfen mit Augentrost werden daher bei Konjunktivitiden unterschiedlichster Art eingesetzt.
Unter den verschiedenen identifizierten Inhaltsstoffen scheint der entzündungshemmende Bitterstoff Aucubin eine zentrale Rolle zu spielen. Selbst allergische und infektiöse Konjunktivitiden lassen sich daher bisweilen mit Euphrasia-haltigen Augentropfen ausreichend lindern. Darüber hinaus haben Augentropfen mit Euphrasia auch eine befeuchtende Wirkung.
Hilft Euphrasia nicht, ist gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis die Ringelblume (Calendula officinalis L.) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) zur Behandlung einer eitrigen Bindehautentzündung Mittel der Wahl. Augentropfen mit einem Extrakt aus der Ringelblume hemmen das Wachstum von Entzündungserregern auf dem Tränenfilm und unterstützen den Heilungsprozess.
Sind trockene Augen Auslöser einer Bindehautentzündung, sieht die Anthroposophie Augentropfen mit Schöllkraut (Chelidonium majus L.) aus der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) vor. Chelidonium soll die Stoffwechselprozesse im Auge harmonisieren, beispielsweise bei trockenen Entzündungen, Reiz- und Ermüdungserscheinungen. Somit soll das Mohngewächs das Auge anregen, selbst wieder ausreichend Tränenflüssigkeit zu produzieren.











