Gereizte und trockene Augen
PTA-Fortbildung

Hilfe für gereizte Augen

Gerötete, gereizte Augen, die vielleicht auch noch brennen, jucken oder tränen – ein typischer Beratungsfall in der Apotheke. Welche Kundinnen und Kunden gehören zum Arzt? Welche Inhaltsstoffe wirken reizlindernd? Und wie empfehlen Sie bei der Fülle an Tränenersatz-Produkten das passende Präparat?

18 Minuten

Trockene Augen immer behandeln

Wird ein trockenes Auge dauerhaft nicht behandelt, besteht nicht nur das Risiko, eine Entzündung der Bindehaut zu entwickeln. Ebenfalls sind Hornhautentzündungen (Keratitis) möglich.

Eine Keratitis zeigt sich ähnlich wie ein Sicca-Syndrom oder eine Konjunktivitis mit tränenden, geröteten und brennenden Augen. Darüber hinaus sind Betroffene sehr lichtempfindlich und beklagen ein Fremdkörpergefühl. Zusätzlich treten meist noch starke Schmerzen auf, die immer Anlass für einen Arztbesuch sind.

Eine Keratitis ist zwar selten, aber vor allem Kontaktlinsenträger haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Bei ihnen kommt es eher zu einer Vorschädigung der Hornhaut, die schnell zu einer Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen führen kann.

Wird die Keratitis nicht behandelt, besteht die Gefahr, dass sich die Infektion auf andere Bereiche im Auge ausbreitet. Gefürchtet ist eine Uveitis, eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea), die unter Umständen zu einem Verlust der Sehkraft führt.

Tipps für einen intakten Tränenfilm

  • Ausreichend Flüssigkeit zuführen, etwa zwei Liter am Tag
  • Für eine vitaminreiche Ernährung mit ausreichender Zufuhr an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sorgen
  • Mit täglicher Lidrandhygiene Schmutz und Ablagerungen von den Lidrändern entfernen, damit die Meibom-Drüsen nicht verkleben
  • Warme Kompressen auf den Augenlidern fördern die Durchblutung und regen die Lipidproduktion in den Meibom-Drüsen an.
  • Häufig blinzeln
  • Regelmäßig Pausen von der Bildschirmarbeit einlegen, nach 20 Minuten Bildschirmzeit mindestens 20 Sekunden bewusst blinzeln und mit dem Blick in die Ferne schweifen, um die Augenoberfläche regelmäßig mit Tränenflüssigkeit zu benetzen
  • Bewusstes Blinzeln regelmäßig einplanen (z. B. zehnmal hintereinander)
  • Regelmäßig lächeln, dadurch verengt sich die Lidfalte, die Meibom-Drüsen werden zur Lipidproduktion angeregt und damit die Benetzung sowie die Tränenfilmqualität verbessert.

Gestörten Tränenfilm ersetzen

Das Angebot an benetzenden Augentropfen ist groß. Prinzipiell erfolgt die Wahl des Präparates nach dem Schweregrad und der Form der Benetzungsstörung. Zur Behandlung leichter Beschwerden der hyposekretorischen Variante reichen meist niedrigviskose wässrige Filmbildner in Tropfenform aus. Mittelschwere und schwere Fälle erfordern Präparate mit einer höheren Viskosität, unter Umständen als hochviskose Gele. Für die Therapie des hyperevaporativen trockenen Auges mit Störung der Lipidschicht sind lipidhaltige Präparate gegebenenfalls in Kombination mit niedrigviskosen Filmbildnern indiziert.

Letztendlich muss der Betroffene individuell ausprobieren, mit welchem Präparat er die besten Ergebnisse erzielt. Als Faustregel gilt, je stärker und belastender die Beschwerden sind, desto höher sollte die Viskosität sein.

Das richtige Präparat für trockene Augen

Variante des Sicca-Syndroms

Schweregrad

Erforderliche Präparate

Hyposekretorisch 

leicht 

niedrigviskose wässrige  Filmbildner, Tropfenform

Hyposekretorisch 

mittelschwer und schwer 

Höherviskose Tropfen, hochviskose Gele

Hyperevaporativ 

 

lipidhaltige Präparate, ggf. Kombination mit niedrigviskosen wässrigen Filmbildnern

Augenbefeuchtung

Wässrige Tränenersatzmittel sind in unterschiedlicher Viskosität erhältlich. Bei milden Beschwerden, die nur gelegentlich auftreten, reichen in der Regel gering viskose Augentropfen mit Polymeren wie Polyvinylalkohol (PVA) oder Polyvinylpyrrolidon (Povidon/PVP).

Über eine höhere Viskosität verfügen Präparate mit Cellulosederivaten wie Hypromellose oder Carmellose (Carboxymethylcellulose). Bringen diese nicht die gewünschte Linderung oder möchten die Betroffenen nicht so häufig tropfen, sind länger haftende Gel-Präparate mit Carbomeren (Polyacrylsäure) ratsam. Sie ähneln dem Mucin der innersten Schleimschicht des Tränenfilms. Dadurch lassen sich mit ihnen die höchste Viskositiät und damit längste Kontaktzeit auf dem Auge erzielen. Da sie nach Applikation einige Minuten lang einen Schmierfilm auf dem Auge hinterlassen und die Sicht beeinträchtigen können, eignen sie sich vor allem für eine Tränensubstitution in der Nacht.

Eine Alternative stellen Gele mit Naturstoffen wie dem Tamarindensamen-Polysaccharid dar. Es ähnelt wie die Carbomere dem Mucin, wodurch der Tränenfilm länger intakt bleibt (Verlängerung der Tränenaufrisszeit). Diese Gele verflüssigen sich im Auge durch den Lidschlag sehr schnell und sorgen daher schneller wieder für klare Sicht. Ebenso kann man mit Präparaten mit Guaraprolose (Hydroxypropyl-Guar), einem modifizierten Derivat des Guar-Gummis, in kurzer Zeit wieder gut sehen, da sie im Auge ein Gel ohne Schlierenbildung erzeugen.

Trockene Augen profitieren besonders von benetzenden Augentropfen, wenn diese nicht nur bei Bedarf, sondern gemäß dem Motto „drop by the clock“ regelmäßig zur Anwendung kommen.

 

Klassiker Hyaluronsäure

Zubereitungen mit Hyaluronsäure haben sich inzwischen zu den am meisten verwendeten Präparaten zur Augenbefeuchtung entwickelt. Die physiologische und damit gut verträgliche Substanz eignet sich bei leichten, mittelschweren und starken Beschwerden. Grundsätzlich haftet Hyaluronsäure aufgrund ihrer mukoadhäsiven Eigenschaften gut auf der Augenoberfläche und die langen Molekülketten können durch ihre große Hydrathülle sehr viel Wasser binden. Zudem wirkt Hyaluronsäure antioxidativ, hat einen protektiven Effekt auf das Epithel und fördert die Wundheilung der Hornhaut.

Die Viskosität der Hyaluronsäure ist von der Konzentration und Kettenlänge abhängig, die wiederum entscheidend für die Intensität und Dauer der Befeuchtung ist. Leider ist es in der Praxis schwierig einzuschätzen, welches Hyaluronsäure-Präparat für das jeweilige Beschwerdebild geeignet ist, da sich in den Produktinformationen meist nur Angaben zur Konzentration, nicht aber zur Kettenlänge der Hyaluronsäure finden. Damit können Präparate mit identischer Hyaluronsäure-Konzentration unterschiedlich viskos und daher auch verschiedenartig wirksam sein.

Gut kombiniert

Durch spezielle Zusatzstoffe lässt sich eine besonders langanhaltende befeuchtende Wirkung erzielen (z. B. mit Carboxymethylcellulose). Kombinationspartner wie beispielsweise Dexpanthenol unterstützen die Heilung von Hornhautläsionen und eignen sich daher ebenso wie Vitamin A für die Nachbehandlung von Keratitiden.

Natürliche wasserbindende Zucker (z. B. Trehalose, aber auch Glycerol) entfalten eine osmoprotektive Wirkung, indem sie eine Art Schutzfilm auf der Zelloberfläche bilden. Damit wird die Osmolarität der Tränenflüssigkeit normalisiert und das Auge vor dem Austrocknen und vor Entzündungen geschützt.

Ein nachhaltiger Schutz vor erneuter Austrocknung wird auch mit dem Zusatz von Ectoin erzielt, indem das Aminosäurederivat die fetthaltige Phase des Tränenfilms stabilisiert. Zudem erhöht die Substanz die Wasserbindung an den Zellen der Augenoberfläche und unterstützt damit die physiologische Barriere gegen äußere Reize. Aufgrund seiner entzündungslindernden Eigenschaften eignen sich Ectoin-haltige Augentropfen auch bei trockenen und gereizten Augen mit entzündlicher Symptomatik.

Lipiddefizit ausgleichen

Lipidhaltige Präparate ergänzen den verminderten Lipidgehalt des Tränenfilms und stabilisieren damit die äußere Lipidschicht. Verschiedene Lipidkomponenten kommen zum Einsatz, häufig auch in Kombination (z. B. Rizinusöl, mittelkettige Triglyceride, Paraffinöl, Phospholipide, Perfluorohexyloctan).

Neben Augentropfen, die ins Auge geträufelt werden, stehen liposomale Augensprays zur Verfügung. Sie werden mit etwa zehn Zentimetern Abstand auf das geschlossene Auge gesprüht. Die aufgesprühten Liposome laufen dann über die Lidränder ins Auge. Zugleich lassen sich mit ihnen gereizte Lidränder pflegen, sodass sie eine gute Empfehlung bei einer gleichzeitigen Blepharitis sind. Betroffene einer Lidrandentzündung empfinden auch die sich bei den Augensprays zusätzlich einstellende kühlende Wirkung als sehr angenehm.

Eine intensive Befeuchtung erlauben auch Augensalben. Da sie das Sehvermögen längerfristig stark beeinträchtigen, sind sie eine gute Therapieoption für die Nacht.

Lidrandhygiene empfehlen

Bei einem Lipidmangel ist es zusätzlich sinnvoll, die Lidränder mit speziellen Produkten zur Reinigung und Pflege mitzubehandeln. Einmal oder besser zweimal täglich applizierte feuchtwarme Augenkompressen, eine Bestrahlung mit Rotlicht, Wärmemasken oder die Reinigung der Lider mit gebrauchsfertigen Lidreinigungstüchern verflüssigen die Sekrete aus den Meibom-Drüsen und erleichtern ihr Abfließen.

Verstopfte Drüsenausgänge werden wieder geöffnet, sodass die äußere Lipidschicht des Tränenfilms mit öligem Sekret angereichert werden kann. Eine regelmäßige Lidrandhygiene stellt somit die Basisbehandlung nicht nur bei einer Blepharitis, sondern auch bei der hyperevaporativen (oder Misch-) Form des trockenen Auges dar.

Anthroposophische Alternative: Wilde Malve

Beim trockenen Auge können zudem Augentropfen mit einem Extrakt der Wilden Malve (Malva sylvestris L.) aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) Linderung verschaffen. Malva sylvestris enthält einen hohen Anteil an Polysaccharid-Schleimstoffen. Sie haben die Fähigkeit, Wasser zu binden und zu speichern.

Diese Eigenschaft macht sich die anthroposophische Medizin zunutze. Ein Extrakt aus der Malvenblüte bildet bei Kontakt mit der Tränenflüssigkeit einen schützenden Film und hilft so, die Feuchtigkeit im Auge zu bewahren. In der Pflanze ebenfalls enthaltene Anthocyane besitzen antioxidative Eigenschaften und damit antiinflammatorische Effekte. In Kombination mit Hyaluronsäure hat Malvenextrakt eine besonders intensiv befeuchtende und schützende Wirkung, die auch eine signifikant bessere Wirksamkeit als Hyaluronsäure allein aufweist.

Zur Verfügung stehen Malven-Augentropfen mit verschiedenen Hyaluronsäure-Konzentrationen (0,15 und 0,3 Prozent). Das Präparat mit der höheren Konzentration an Hyaluronsäure haftet länger auf der Augenoberfläche und stabilisiert besonders gut den Tränenfilm.

×