Gene & Psyche
PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN: SIND SIE WIRKLICH ERBLICH?
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Dänische Forschende haben sich die Daten von mehr als drei Millionen Menschen aus fünf Jahrzehnten angesehen. Sie zeigten, dass psychische Erkrankungen zwar erblich sind, das aber bei weitem nicht der einzige Faktor ist. Außerdem wird nicht jedes psychische Problem mit der gleichen Wahrscheinlichkeit vererbt.
Wie viel Einfluss unsere Gene wirklich auf die Psyche haben, wird wohl oft überschätzt. Psychische Erkrankungen sind zwar erblich, aber nicht in jedem Fall.
Psychische Erkrankungen: erblich, aber…
Ob psychische Erkrankungen wirklich erblich sind und wenn ja, in welchem Maße, interessierte ein dänisches Team um die Epidemiologen Carsten Bøcker Pedersen und Esben Agerbo. Sie analysierten die pseudonymisierten Krankendaten der dänischen Bevölkerung zwischen 1970 und 2021. Über drei Millionen Menschen umfasste ihre Untersuchung auf diese Weise. Ob psychische Erkrankungen erblich bedingt häufiger auftraten, leiteten sie aus den Daten inklusive der für sie einsehbaren Verwandtschaftsverhältnisse ab.
Psychische Erkrankungen treten zwar erblich bedingt häufiger auf. So erhalten von 1000 Personen, bei denen ein Verwandter ersten Grades an Schizophrenie erkrankte, 74 ebenfalls diese Diagnose. Ohne einen nahen Verwandten sind es 12. Umgekehrt fand sich aber bei fast 90 Prozent der an Schizophrenie leidenden Menschen gar kein Verwandter mit der Diagnose. Ist diese psychische Erkrankung nun erblich oder nicht?
Psychische Probleme unterschiedlich stark vererbt
Wer psychische Probleme hat, muss diese also nicht unbedingt vererbt bekommen haben. Auch gibt er sie nicht zwingend an seine Kinder weiter. Viele weitere Faktoren spielen eine Rolle dafĂĽr, ob psychische Erkrankungen auftreten.
Erblich bedingte Häufungen sind zwar möglich, die Wahrscheinlichkeiten unterscheiden sich aber stark. Nicht jedes psychische Problem vererbt sich gleich oft. Bei schizoaffektiven Störungen zum Beispiel, bei denen Schizophrenie, Manie und Symptome einer Depression gemeinsam auftreten, erkranken nur rund 1,5 Prozent der Verwandten ersten Grades selbst.
Anders sieht es bei anderen psychischen Erkrankungen aus. Cannabisabhängigkeit kann schon öfter als erblich bezeichnet werden, denn hier beträgt das Risiko für nahe Verwandte neun Prozent.
Gene beeinflussen die Psyche, aber nicht entscheidend
Unsere Gene spielen für die Psyche also eine Rolle, allerdings ist nicht jede psychische Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit erblich. Wer darunter leidet, muss sich also um den Nachwuchs nicht zwangsläufig ebenfalls sorgen. Dass Gene und Psyche zusammenhängen, stimmt zwar, aber andere Faktoren spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Psychische Erkrankungen sind zudem mit stark unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten erblich, wenn überhaupt. Das Risiko steigt zwar durch nahe Verwandte mit psychischen Problemen, man bekommt diese aber nicht zwangsläufig vererbt.
Quelle: Spektrum der Wissenschaft












