Muskeln
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Sicher beraten bei Muskelbeschwerden

Muskeln sind wichtig für alle lebensnotwendigen Prozesse im Körper – vom Herzschlag bis hin zur körperlichen Bewegung. Bei vielen Muskelbeschwerden sind Sie in der Apotheke die erste Adresse, um Hilfe zu erhalten. Hier erfahren Sie, bei welchen Beschwerden Sie Ihre Kunden wie beraten.

18 Minuten

Verkrampft „Etwas gegen Muskelkrämpfe“ wird immer wieder in der Apotheke verlangt. Verspannungen und Krämpfe der Muskulatur können vielfältige Ursachen haben, sodass ein gutes Anamnesegespräch wichtig ist. Sie sollten erfragen, ob nur einzelne Muskelgruppen betroffen sind, ob die Beschwerden nach einer Belastung aufgetreten sind, welche Vorerkrankungen bestehen und welche Medikamente dauerhaft eingenommen werden.

Auch ein Elektrolytmangel kann die Krampfentstehung begünstigen. Sportler haben einen generell erhöhten Bedarf und sollten ihre Zufuhr über die normale Ernährung hinaus steigern. Ältere Menschen leiden ebenfalls häufig unter Störungen des Elektrolythaushaltes in Folge einer Mangelernährung oder aufgrund von Wechselwirkungen von Medikamenten. So begünstigt die Einnahme von Diuretika und Protonenpumpenhemmern eine Hypomagnesiämie.

Magnesium reguliert eine Vielzahl von biochemischen Reaktionen, ist Bestandteil von Knochen- und Muskelgewebe. Magnesium wird auch im Energiestoffwechsel für die Aktivierung zahlreicher Enzyme benötigt. So beeinflusst Magnesium zelluläre Ionenkanäle und den Transport von Calcium, Kalium und Natrium. Bei der Reizübertragung von Nerven auf die Muskeln und der Muskelkontraktion ist Magnesium wichtig. Eine deutliche Unterversorgung an Magnesium kann zu Muskelkrämpfen und Zittern führen.

Der Schätzwert für eine angemessene Zufuhr beträgt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei Erwachsenen pro Tag zwischen 300 (bei Frauen) und 350 Milligramm (bei Männern). Sportler, Schwangere, Stillende und junge Erwachsene haben einen leicht erhöhten Bedarf mit bis zu 400 Milligramm pro Tag. Allerdings ist die Bestimmung des Magnesiumstatus schwierig, denn Magnesium liegt überwiegend intrazellulär und nur zu einem Prozent in der extrazellulären Flüssigkeit vor.

Muskelkrämpfe können verschiedene Ursachen haben. Die Beratung erfordert ein gutes Anamnesegespräch.

Die Magnesiumkonzentration im Serum nimmt erst nach mehrwöchiger Unterversorgung messbar ab. So ist eine Mangelsituation nur schwer zu diagnostizieren. Gute Magnesiumquellen sind Vollkorn- und Milchprodukte sowie Mineralwasser. Aufgrund der inkonsistenten Studienlage zur Prophylaxe von Muskelkrämpfen durch Magnesiumgabe kommentiert Professor Dr. Ingo Froboese von der Deutschen Sporthochschule in Köln, dass muskuläre Krampfereignisse meist eben nicht durch einen Verlust von Mineralstoffen, sondern durch eine neuromuskuläre Ermüdung oder Fehlsteuerung verursacht werden.

Dennoch gibt es Kunden in der Apo- theke, die subjektiv von der Magnesiumeinnahme profitieren und nach einem guten Präparat fragen. Dann können Sie Brausetabletten, Direktgranulate oder Pulver empfehlen. Organische Magnesiumverbindungen, zum Beispiel Magnesiumcitrat, sollen besser vom Körper aufgenommen werden als anorganische Verbindungen wie Magnesiumoxid. Bei der Abgabe sollten die Kunden auf mögliche abführende Effekte des Magnesiums aufmerksam gemacht werden.

Lange Zeit in der Selbstmedikation verfügbar, wegen möglicher Neben- und Wechselwirkungen mittlerweile nur noch über eine Verordnung zu bekommen, ist Chinin in Tablettenform gegen Muskelkrämpfe. Chinin wird der Gruppe der peripher wirkenden Myotonolytika zugeordnet. Es verlängert die Erholungsphase der Muskelzellen und verringert damit die Krampfneigung. Außerdem führt Chinin zu einem Kaliumeinstrom in die Muskelzelle, wodurch deren Polarisationsgrad erhöht und die Erregbarkeit vermindert wird.

Allerdings kann Chinin im Alter zusammen mit QT-Zeit-verlängernden Medikamenten das Risiko für Arrhythmien erhöhen und sollte deshalb bei alten Patienten mit Polymedikation nur unter regelmäßiger ärztlicher Überwachung eingesetzt werden. Akute Krämpfe werden am besten durch vorsichtige Lockerungsübungen, Wärme und Einreibungen mit durchblutungsfördernden Mitteln gelöst. Arnikazubereitungen oder Salben mit Beinwellextrakten sind dafür gut geeignet.

Bei anhaltenden Schmerzen können auch Cremes oder Gele mit Ibuprofen oder Diclofenac Abhilfe schaffen. Die Arzneistoffe diffundieren durch die Haut und reichern sich dann im Muskelgewebe, Sehnen und Gelenkkapseln an. Damit die Wirkstoffe tief ins Gewebe eindringen, ist die Galenik entscheidend. Üblich sind Emulsionsgele, bei denen ein Öl mit Arzneistoff in einem Hydrogel verteilt ist. Der Wirkstoff diffundiert durch die hydrophilen Teile in die Haut.

Eine hohe ins Gewebe eingedrungene Wirkstoffmenge erzielen auch liposomale Gelformulierungen und transdermale Pflaster mit Diclofenac. Alle topischen NSAR wirken antientzündlich und schmerzlindernd, außerdem wird der Massageeffekt als wohltuend empfunden. Hautirritationen sind selten – bei Abgabe von Salben mit Ketoprofen sollte auf die Vermeidung von starker UV-Strahlung hingewiesen werden.

Akutversorgung – PECH

Pause Die sportliche Aktivität sollte nach einem Unfall sofort beendet werden. Als erstes wird das verletzte Körperteil ruhiggestellt.

Eis Nach der Verletzung wird sehr schnell die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen in Gang gesetzt. Um dem Anschwellen der betroffenen Körperregion entgegenzuwirken, sollte deshalb direkt gekühlt werden. So kann die Entzündungsreaktion gebremst werden. Gekühlt wird etwa 15 bis 20 Minuten mit Eisbeuteln, kalten Umschlägen oder Kühlkompressen. Eis sollte niemals direkt auf die Haut gelegt werden. Eissprays dürfen nicht auf offenen Wunden angewendet werden.

Compression Zusätzlich hilft ein leichter Kompressionsverband die Schwellung des betroffenen Körperteils zu vermeiden. Achtung: Er sollte locker gewickelt werden.

Hochlagern Um die Blutzufuhr zu reduzieren und den Abtransport von Gewebsflüssigkeit zu unterstützen ist zu empfehlen, das verletzte Körperteil höher als das Herz zu lagern. Diese Erste-Hilfe-Maßnahmen gelten für Prellungen, Hämatome, Verletzungen der Bänder und Zerrungen. Sie lindern den Schmerz, reduzieren die Schwellung und die posttraumatische Entzündungsreaktion.

Verspannt Eine falsche Haltung, langes Sitzen am Arbeitsplatz oder Bewegungsmangel können zu Muskelverspannungen führen und ebenfalls Schmerzen verursachen. Die Myogelose beschreibt eine tastbare, lokal umrissene Muskelverhärtung, zum Beispiel in Form eines Knotens. Sie ist Folge einer längeren Verspannung der Muskulatur und tritt chronisch auf. Dauerhaft verhärtete Muskulaturareale werden auch als Triggerpunkte bezeichnet.

Wird hier ein dauerhafter Druck erzeugt, reagiert der Patient mit einem deutlichen Schmerzgefühl. Die ständigen Schmerzen sind für die Betroffenen belastend, verursachen in Schulter- und Nackenbereich auch ständige Kopfschmerzen und schränken die Beweglichkeit ein. Gegen leichte Beschwerden helfen Wärme, Massage oder physiotherapeutische Übungen.

Noch besser ist es, es nicht erst so weit kommen zu lassen. Die beste Prophylaxe ist regelmäßige Bewegung, um die Muskeln zu trainieren. Auch NSAR wie Diclofenac und Ibuprofen oder Muskelrelaxanzien können symptomatisch kurzfristig eingesetzt werden. Problematisch ist, wenn der Kunde in eine Schonhaltung verfällt, die zu Verkürzungen der Muskelfasern führt. Der Betroffene gerät in einen Teufelskreis und die Schmerzen können chronifizieren.

Die häufigsten Muskelbeschwerden und was Sie Ihren Kunden empfehlen können auf einen Blick.
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