Blut
PTA-Fortbildung

Kleines ABC vom Blut

Durch unsere Adern fließt eine außergewöhnliche Flüssigkeit, die komplex zusammengesetzt ist und vielfältige physiologische Aufgaben erfüllt. Die Rede ist vom Blut. Erfahren Sie alles, was Sie rund ums Blut wissen sollten.

19 Minuten

Blutcheck Eine Blutuntersuchung erlaubt Aussagen zum allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten und kann helfen, potenziell vorliegende Krankheiten aufzudecken beziehungsweise deren Verlauf zu kontrollieren. Einen ersten Hinweis auf fiebrige Infektionen, entzündliche Prozesse oder Tumorerkrankungen erhält der Arzt beispielsweise durch die Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit.

Hierbei wird im Labor die Sedimentationsgeschwindigkeit der Erythrozyten im Plasma bestimmt. Zudem fordert er in der Regel ein kleines Blutbild an. Diese Laboruntersuchung ist Bestandteil vieler Vorsorgeuntersuchungen (z. B. Check-up 35) und erfolgt ebenso vor Operationen. Sie umfasst die Bestimmung der Anzahl der Erythrozyten (ERY), Leukozyten (LEUKO/LEU) und Thrombozyten (Thrombo/PLT). Darüber hinaus werden der Hämatokrit (HCT/HKT/HK)- und der Hämoglobinwert (HGB/Hb) sowie verschiedene Verhältniszahlen der Werte untereinander berechnet, wie die Hämoglobinmenge pro Erythrozyt (MCH), die durchschnittliche Hämoglobinkonzentration pro Erythrozyt (MCHC) sowie das durchschnittliche Volumen beziehungsweise die Größe eines Erythrozyts (MCV). Die drei letzten Werte werden auch als Erythrozyten-Indices bezeichnet.

Aus den Ergebnissen kann der Arzt beispielsweise Rückschlüsse auf das Vorliegen viraler oder bakterieller Infektionen (z. B. erniedrigte oder erhöhte LEUKOS), einer potenziellen Anämie, also Blutarmut (z. B. erniedrigter Hb, verminderte ERY), einer möglichen Gerinnungsstörung (z. B. veränderte THROMBOS) oder einer veränderten Fließfähigkeit des Blutes (z. B. HK) ziehen.

Die Interpretation der Werte ist nicht immer einfach, da erhöhte oder erniedrigte Werte verschiedene Aussagen zulassen und zudem nicht ein Wert alleine, sondern erst die Kombination der Ergebnisse im Zusammenhang mit vorliegenden Symptomen relevante Aussagen liefern. So können zu viele LEUKOS beispielsweise bei Infektionen durch Bakterien oder Parasiten sowie bei allergischen Reaktionen oder chronische Entzündungen vorliegen. Möglich ist aber auch eine Leukämie. Ebenso können zu viele THROMBOS auf Krebserkrankungen hinweisen. Ihre Zahl ist aber auch bei entzündlichen Prozessen, nach akuten Infektionen oder Operationen mit hohem Blutverlust erhöht.

Zeigt das kleine Blutbild Auffälligkeiten, sind zur Diagnosestellung oder für die Ursachenerforschung noch weitere Werte notwendig. Dafür veranlasst der Arzt ein großes Blutbild (Differentialblutbild), bei dem zusätzlich eine Differenzierung der Leukozyten nach den Unterklassen Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten sowie deren Subtypen erfolgt. Darüber hinaus werden noch die Werte angefordert, die eine Verdachtsdiagnose erhärten beziehungsweise die Diagnose spezifizieren und für die genaue Klärung der Ursache notwendig sind. So kann beispielsweise zur Diagnosesicherung einer Anämie und der Bestimmung ihrer Ursachen eine Vielzahl von Blutwerten erforderlich sein (z. B. ERY, Hb, HK, Erythrozyten- Indices, Ferritin-Wert, Eisen-, Vitamin B12-Spiegel).

Diagnostik in der Apotheke Nicht nur der Arzt, auch qualifiziertes pharmazeutisches Personal darf bestimmte Blutuntersuchungen durchführen. Die Voraussetzungen und Anforderungen, die bei der Durchführung zu beachten sind, finden sich in der Leitlinie der Bundesapothekerkammer zur Qualitätssicherung bei der Durchführung von Blutuntersuchungen.

Blutzuckermessgerät © Kwangmoozaa / iStock / Getty Images Plus
Für die Blutzuckermessung setzt man die Stechhilfe seitlich an der Fingerbeere an, dort befinden sich weniger Nervenenden. © Kwangmoozaa / iStock / Getty Images Plus

Am häufigsten erfolgt in der Apotheke die Bestimmung von BlutGlucose und Gesamtcholesterin. Zwar darf keine Diagnose gestellt werden, aber PTA und Apotheker können die Messwerte im Hinblick auf die Referenzbereiche (Normalwerte) einordnen und den Kunden im Beratungsgespräch gegebenenfalls an den Arzt verweisen sowie ihm Tipps für eine gesunde Ernährungsweise geben.

Auch kann in Abstimmung mit dem Arzt eine therapieunterstützende Überwachung der Blutwerte stattfinden. Wichtig ist, dass für die diagnostischen Verfahren in der Apotheke Kapillarblut verwendet wird. Dafür wird das Blut aus der seitlichen Fingerbeere unter Verwendung einer Stechhilfe entnommen, vorzugsweise von einem Finger der nicht dominanten Hand, also meistens links. Die Hände des Kunden sollten zuvor gründlich gewaschen und die Einstichstelle desinfiziert werden, wobei das Desinfektionsmittel vor der Blutentnahme vollständig verdunstet sein muss.

Es ist darauf zu achten, dass der Blutstropfen ohne Quetschen des Fingers durch leichtes Ausstreichen zu den Fingerkuppen hin entnommen wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das Messergebnis durch austretendes Plasmawasser verfälscht wird. Die Messgeräte müssen regelmäßig kontrolliert und die Teststreifen auf ihren Verfall hin überprüft werden. Um bei der Messung eine Gefährdung des Personals durch Kontakt mit potenziell infektiösem Material weitestgehend auszuschließen, sind immer Kittel und Handschuhe erforderlich.

Einheiten beachten Ratsam ist es, das Ergebnis der Blutuntersuchung dem Kunden schriftlich mitzugeben. Dabei sind immer die Einheiten mit aufzuführen, damit ein Vergleich mit Referenzwerten oder älteren Ergebnissen möglich wird. Beispielsweise kann die Angabe der BlutGlucose in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder in Millimol pro Liter (mmol/l) erfolgen, was beim Kunden schnell zur Verwirrung führen kann. Zudem sind Messwerte in der Regel nur vergleichbar, wenn dasselbe Medium genommen wurde. Während die BlutGlucosemessung in der Apotheke mit Kapillarblut erfolgt, entnimmt der Arzt meist Blut aus der Vene, was in der anschließenden Laborbestimmung zugrunde gelegt wird. Dabei können die Werte des venösen Vollblutes anders (meist niedriger) ausfallen, als die aus dem kapillären Vollblut.

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