Blasenprobleme in den Griff bekommen
21 Minuten 1 Punkte
- 1Harnwegsinfektionen
- 2Unkompliziert – kompliziert
- 3Therapieoptionen
- 4Rezidive
- 5Reizblase & Inkontinenz
- 6Lernerfolgskontrolle
01. Juli 2026
Gefürchtete Rezidive
Häufig wiederkehrende Harnwegsinfektionen erfordern eine besondere Vorgehensweise. Jeder dritte Betroffene erleidet innerhalb eines Jahres nach einer bereits behandelten Harnwegsinfektion eine weitere Entzündung.
Rückfall oder Rezidiv?
Kehren die Beschwerden innerhalb von vierzehn Tagen trotz Therapie und anfänglicher Besserung wieder, geht man von einem Therapieversagen (Rückfall) aus. Mögliche Ursachen können sein:
- Mangelnde Compliance (z. B. eine zu kurz durchgeführte Antibiose)
- Bisher nicht erkannte Risikofaktoren (z. B. Anomalie der Harnwege mit Harnabflussstörungen)
- Resistente Erreger
Tritt die erneute Infektion erst mehr als zwei Wochen nach der Erstbehandlung auf, handelt es sich meist um ein Rezidiv. Auslösende Erreger können die gleichen wie bei der Erstinfektion sein, sie müssen es aber nicht.
Der Leidensdruck ist oft hoch, vor allem, wenn Frauen wiederholt von Rezidiven nach dem Geschlechtsverkehr behelligt werden. Aus Angst vor einer neuen Entzündung ziehen sie sich häufig in der Partnerschaft zurück und vermeiden intime Kontakte. Des Weiteren fürchten Frauen als mögliche Folge einer (wiederholten) Antibiotikatherapie vaginale Pilzinfektionen.
Wird von einer Neuinfektion ausgegangen, wird diese meist wie eine Erstinfektion mit einer kalkulierten Kurzzeittherapie (ein bis drei Tage) behandelt. Bei einem vermuteten Therapieversagen kommt immer ein anderes Antibiotikum zum Einsatz, häufig über eine längere Therapiedauer (fünf bis sieben Tage).
Rezidive behandeln
Idealerweise wird bei häufig wiederkehrenden ebenso wie bei komplizierten Infekten oder bei Risikogruppen eine Urinkultur angelegt, um eine erregerspezifische Antibiotikatherapie einzuleiten. Dafür wird der Mittelstrahlurin aufgefangen. Der erste und letzte Harnstrahl wird verworfen, da das Untersuchungsergebnis durch Erreger, die sich am äußeren Rand der Harnröhre befinden, verfälscht werden kann. Außerdem sollten Frauen bei der Urinabgabe zur Vermeidung möglicher Kontaminationen die äußeren Schamlippen mit den Fingern spreizen und Männer ihre Vorhaut zurückschieben.
Der Harn wird in einem sauberen Auffanggefäß gesammelt und mithilfe eines Urinteststreifens auf Parameter überprüft, die auf eine Entzündung deuten:
- Dazu zählt Nitrit als ein Abbauprodukt vieler Bakterien.
- Leukozyten gelten als Leitindikator für Entzündungen.
- Ebenso gibt ein alkalischer pH-Wert einen Hinweis auf Entzündungen.
- Werden Erythrozyten nachgewiesen, stammen sie aus Blutbeimengungen im Urin.
Rezidiven vorbeugen
Um wiederholten Episoden von Harnwegsinfektionen vorzubeugen, ist die Langzeit-Chemoprophylaxe seit Langem gängig. Das heißt: niedrige Dosen ausgewählter Antibiotika über drei bis sechs Monate. Als Standardtherapie zur Rezidivprophylaxe gilt die tägliche Einnahme von 50 Milligramm Nitrofurantoin oder 50 Milligramm Trimethoprim. Das Antibiotikum nehmen die Betroffenen direkt im Anschluss an die Akuttherapie mehrere Monate lang abends nach dem letzten Wasserlassen ein.
Die kontinuierliche Langzeitverordnung niedrig dosierter Antibiotika wird heute aber aufgrund der zunehmenden Antibiotikaresistenzen und der negativen Auswirkungen auf das Darmmikrobiom zunehmend hinterfragt. Alternativ kann zur antibiotischen Langzeitprävention eine einmalige Antibiotikagabe jeweils nach dem Geschlechtsverkehr erfolgen, die sogenannte postkoitale Einmalgabe.
Eine nicht-antibiotische Therapieoption ohne Resistenzrisiko zur Vorbeugung von Rezidiven ist die Gabe von D-Mannose. Der Zucker verhindert eine bakterielle Adhäsion an der Blasenwand, indem er an die Fimbrien der Bakterien bindet. Die Bakterien werden folglich mit dem Urin ausgespült. In einer klinischen Studie war D-Mannose zur Rezidivprophylaxe ebenso wirksam wie das häufig eingesetzte Antibiotikum Nitrofurantoin – bei deutlich besserer Verträglichkeit. Voraussetzung für die vorbeugende Wirkung ist die langfristige tägliche Einnahme in einer Dosierung von zwei Gramm pro Tag.
Eine ältere Methode ist das Ansäuern des Urins mit der Aminosäure L-Methionin. Sie soll das Wachstum uropathogener Keime unterbinden und ihr Anheften an das Epithel der ableitenden Harnwege verhindern.
Frauen nach der Menopause profitieren oft von einer lokalen Östrogenapplikation (zweimal die Woche). Eine topische Östrogenisierung mit Estriol stärkt die Vaginalschleimhaut und senkt somit das Risiko für Infektionen.
Verhaltensregeln für eine gesunde Blase
- Ausreichend (mindestens zwei Liter) über den Tag verteilt trinken
- Regelmäßig Wasserlassen und die Blase dabei vollständig entleeren (insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr)
- Richtige Toilettenhygiene betreiben (Abwischen des Afters von vorne nach hinten)
- Übertriebene Intimhygiene unterlassen (keine Intimsprays, alkalischen Seifen, Scheidenspülungen)
- Keine Scheidendiaphragmen mit spermiziden Gelen oder sonstige spermizide Kontrazeptiva verwenden
- Unterkühlung unterer Körperpartien vermeiden (nasse Badekleidung wechseln, nicht auf kalten Steinen sitzen)
Pflanzliche Rezidivprophylaxe
Extrakte aus den Früchten der in Nordamerika beheimateten Cranberry (Vaccinium macrocarpon) aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae) sind ein Klassiker zur Rezidivprophylaxe. In Untersuchungen wurde demonstriert, dass die enthaltenen Tannine (CranberryProanthocyanidine) über eine antiadhäsive Wirkung verfügen, indem sie das Andocken von E. coli an den Schleimhäuten der Harnwege verhindern. Bis zu 80 Prozent der Keime finden keinen Halt mehr in der Blase und werden beim Wasserlassen wieder ausgespült, bevor eine Infektion entstehen kann.
Da sie auf diese Weise vor allem eine protektive Wirkung vor wiederkehrenden Infektionen ausüben, sind sie eine gute alternative Therapieoption zur antibiotischen Langzeittherapie (über drei bis sechs Monate) bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen. Auf eine bereits bestehende Blasenentzündung scheinen sie keinen hinreichenden Einfluss zu haben, da ihnen antimikrobielle Inhaltsstoffe fehlen.
Neu ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das die in der Rezidivprophylaxe bereits seit langem eingesetzten Substanzen D-Mannose und Cranberry mit Brunnenkresse sowie Vitamin D3 und Vitamin B3 kombiniert. Die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) zeichnet sich durch sekundäre Pflanzenstoffe wie Senföle und Polyphenole aus, die antibakterielle, antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften aufweisen. In Kombination mit Vitamin D3 und B3 soll die 5-fach-Kombination den Erhalt einer gesunden Blasenschleimhaut sowie auch das Immunsystem und die Abwehr unterstützen.
Zudem haben sich die Dreierkombination aus Rosmarin, Liebstöckel und Tausendgüldenkraut ebenso wie die Fixkombination aus Kapuzinerkresse und Meerrettich seit Langem zur Rezidivprophylaxe bewährt.
Eine Rezidivprophylaxe ist wichtig, um die Entwicklung chronischer Infektionen oder einer Reizblase zu verhindern.











