Alarmsignal: Schmerz verstehen, Schmerzmittel einschätzen
20 Minuten 1 Punkte
- 1Schmerz im Überblick
- 2Akuter Schmerz
- 3Starker Schmerz
- 4UAW von Opioiden
- 5Cannabis und mehr
- 6Lernerfolgskontrolle
01. Mai 2026
Beratung bei akuten Schmerzen
Sie sind in der Apotheke häufig die erste Anlaufstelle in akuten Schmerzsituationen, dazu zählen zum Beispiel Kopf- oder Zahnschmerzen. Um abzuschätzen, ob die Empfehlung und Abgabe eines Mittels der Selbstmedikation möglich sind, sollten die bewährten Fragen zur Beratung in der Selbstmedikation gestellt werden:
- Wer hat die Schmerzen?
- Wie äußern sich die Schmerzen und mit welcher Intensität?
- Wie lange bestehen sie und ist die Ursache bekannt?
- Was wurde bereits unternommen?
- Welche Dauererkrankungen bestehen und welche Medikamente werden regelmäßig eingenommen?
- Gibt es sonstige Aspekte, zum Beispiel Allergien oder Lebensumstände, die für die optimale Beratung zu beachten sind?
Bei leichten Schmerzen, die mit einem entzündlichen Geschehen einhergehen, zum Beispiel akute Zahn- oder Kopfschmerzen oder bei einem Hexenschuss, sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) die Mittel der Wahl.
- Ibuprofen,
- Acetylsalicylsäure,
- Diclofenac und
- Naproxen
sind in verschiedenen Darreichungsformen und Dosierungen im Rahmen der Selbstmedikation verfügbar und bieten für ein breites Anwendungsspektrum potente Hilfe. Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind in höheren Dosierungen verschreibungspflichtig ebenso wie die Coxibe Etoricoxib und Celecoxib.
Lokale Zubereitungen
Bei Muskelschmerzen und Verspannungen werden zur Linderung oft Cremes und Gele mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen empfohlen, da diese entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Alternativ gibt es pflanzliche Präparate mit Beinwell, die bei Gelenk- und Rückenschmerzen helfen können. Auch wärmende, hyperämisierende Salben können bei Muskelverspannungen Linderung verschaffen. Die Öle oder Cremes werden auf die betroffene Stelle aufgetragen und in kreisförmigen Bewegungen einmassiert.
Wirkweise
NSAR und Coxibe hemmen die Cyclooxygenasen, die für die Produktion von Prostaglandinen verantwortlich sind. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Analgetika in ihrer Affinität zu den Bindungsstellen der COX-1 und der COX-2. Die schmerzstillende Wirksamkeit nimmt mit Steigerung der Affinität zur COX-1 hin zu.
Kontraindikationen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen
Die Beachtung von Komorbiditäten und Interaktionen mit der Dauermedikation ist wichtig. So sind NSAR beispielsweise kontraindiziert bei schwerer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, gastrointestinalen Blutungen und eingeschränkter Nierenfunktion. Coxibe haben ein ähnliches Sicherheitsprofil, sind aber aufgrund ihres geringeren Blutungsrisikos zum Beispiel bei Schmerzen des Bewegungsapparates von Vorteil.
Werden NSAR länger andauernd eingenommen, könnte der Betroffene von einer Komedikation mit einem Protonenpumpenhemmer profitieren. Auch in der Selbstmedikation können PTA magenempfindlichen Personen diese Empfehlung für ein bis zwei Wochen zur NSAR-Therapie anraten, um gastrointestinale Beschwerden zu umgehen.
Bei alten Menschen mit einer Blutdrucktherapie, die Diuretika und ACE-Hemmer oder Sartane einnehmen, sind NSAR dauerhaft eingenommen möglichst zu vermeiden. Auch in der Selbstmedikation, da die Wechselwirkung dieses Triple Whammys zu Verschlechterungen der Nierenfunktion führen kann.
Mit Triple Whammy ist der dreifacher Angriff gemeint – durch die Kombination aus einem Diuretikum, einem NSAR und einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptorantagonisten (Sartan).
Paracetamol und Metamizol
Weitere Schmerzmittel, die im Gewebe wirken, sind Paracetamol und Metamizol. Der Wirkstoff Metamizol wird auch als Novaminsulfon bezeichnet. Beide Arzneistoffe wirken nicht entzündungshemmend, sind aber bei allen Schmerzformen einsetzbar.
Paracetamol ist das schwächste Schmerzmittel, zeigt aber ebenso wie Metamizol und Ibuprofen eine gute fiebersenkende Wirkung. Daher ist es bei fiebrigen Infekten mit Kopf- und Gliederschmerzen eine sinnvolle Empfehlung. In höheren Dosierungen ist Paracetamol leberschädigend, weshalb eine Dosierung von vier Gramm täglich nicht überschritten werden sollte. Bei leichten Beschwerden, zum Beispiel Kopfschmerzen, reichen geringere Dosierungen von zwei- bis dreimal 500 Milligramm.
Metamizol/Novaminsulfon hat eine entspannende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt, sodass es häufig bei Bauchschmerzen oder krampfartigen Schmerzen eingesetzt wird. Es ist in der Regel gut verträglich.
Metamizol ist ein potentes Schmerzmittel für Menschen, bei denen NSAR kontraindiziert sind. Es kann bei akuten, aber auch chronischen Schmerzen gegeben werden. Sehr häufig wird es bei alten Menschen mit Komorbiditäten verordnet. Denn das renale und kardiale Profil ist deutlich besser ist als das der NSAR.
Beim Einnehmen des Medikaments in Tropfenform empfinden manche Menschen Übelkeit, die verschwindet, wenn auf Tabletten umgestellt wird. Weitere Nebenwirkungen sind vermehrtes Schwitzen und eine Abnahme des Blutdrucks.
Es gibt die seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung der Agranulozytose, die mit einem Abfall der weißen Blutkörperchen einhergeht. Deshalb sollte bei längerem Gebrauch und dem Auftreten einer Entzündung eine Blutentnahme mit Blutbildkontrolle erfolgen.
Chronische Schmerzen
Zur Behandlung von dauerhaften leichten bis mittelschweren Symptomen kommen in Abhängigkeit von der Art des Schmerzes ebenfalls häufig NSAR oder Novaminsulfon zum Einsatz sowie Antidepressiva und Antikonvulsiva bei neuropathischen Schmerzen.











