Ein Stethoskop liegt um eine kleine Weltkugel herum.
Die WHO hat es sich zur Aufgabe gemacht, die weltweite Gesundheitsversorgung zu verbessern. Aktuell steht sie für ihre Finanzierung und das Corona-Krisenmanagement in der Kritik. © LightFieldStudios / iStock / Getty Images Plus

Vereinte Nationen | Krisenmanagement

IST DIE KRITIK AN DER WHO GERECHTFERTIGT?

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird eine undurchsichtige Finanzierung vorgeworfen und, dass sie in der Corona-Krise Fehler begangen habe. Ist die Kritik gerechtfertigt?

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Die WHO ist eine Organisation der Vereinten Nationen (UN). Sie sei jedoch fremdgesteuert, hört man derzeit in manchen Medien, da sie wahlweise von der Pharma-Industrie, Bill Gates oder den Chinesen finanziert werde. Außerdem mache sie ständig Fehler, so auch in der Corona-Krise, vor der sie zu spät gewarnt habe. Dabei hat die WHO seit ihrer Gründung Beachtliches erreicht und arbeitet auch während der aktuellen Pandemie zuverlässig.

Über 7000 Mitarbeiter arbeiten weltweit daran, die Programme der WHO umzusetzen. Immer vor Augen: die „dreifache Milliarden-Zielmarke“ bis 2023. Also einer Millliarde Menschen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verschaffen, eine Milliarde Menschen vor Gesundheitsnotlagen zu bewahren und Wohlbefinden und Gesundheitszustand von einer weiteren Milliarde Menschen anzuheben. Auf diesem Weg hat die WHO in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen bereits einiges koordiniert und geleistet. „Unsere Gründer hatten sich nicht zum Ziel gesetzt, moderate gesundheitliche Verbesserungen zu erreichen“, sagt der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus, „stattdessen träumten sie von einer Welt, in der alle Menschen das für sie erreichbare Höchstmaß an Gesundheit genießen können – als ein grundlegendes Menschenrecht.“

Erfolge der WHO (in Auswahl)
• Pocken seit 1980 ausgerottet
• weltweite Lebenserwartung um 25 Jahre seit 1950 gestiegen
Malaria-Todesfälle um 60 Prozent gesunken
Tuberkulose-Todesfälle um 37 Prozent gesunken
• Kindersterblichkeit unter fünf Jahren um 6 sechs Millionen Kinder seit 1990 gesunken
• Kinderlähmung beinahe ausgerottet
• Lymphatische Filiarose (Elefantenkrankheit) beinahe ausgerottet
• Übertragung von HIV von der Mutter auf ihr Kind beinahe komplett vermieden

Auch aktuellen westeuropäischen Gesundheitsproblemen hat die WHO sich angenommen. Von der Zusammensetzung des saisonalen Grippeimpfstoffs über Initiativen zum Rauchstopp bis hin zu wenigerZucker in Lebensmitteln: Die WHO spricht Empfehlungen aus, die uns in unserem Alltag betreffen.

Finanzierung
Das nötige Geld erhält die WHO aus festen Pflichtbeiträgen der 194 Mitgliedsstaaten. Bis vor kurzem trugen die USA mit 294,4 Millionen Dollar die größte Pflichtzahlung bei, Deutschland liegt mit 135,7 Millionen Dollar auf Platz fünf. Hinzu kommen freiwillige Zahlungen, beispielsweise von den Mitgliedsländern, Unternehmen wie Glaxo Smith Kline und Bayer oder Stiftungen wie der Ikea Foundation und der Bill & Melinda Gates Foundation. Gerade für diese Spenden steht die WHO jedoch in der Kritik, da sie teilweise zweckgebunden sind. „Offen gesagt können wir unsere Mission nicht erfüllen, wenn die Zweckbindung im derzeitigen Umfang beibehalten wird. Wir appellieren an alle Länder, uns mit flexiblen Mitteln aus stabilen Quellen auszustatten“, greift Tedros diese Kritik auf.

Corona und China
In diesem Jahr wird die WHO vor allem führ ihren Umgang mit dem Coronavirus kritisiert. Sie sei zum einen China gegenüber nicht streng genug und habe zum anderem zu spät vor der Pandemie gewarnt. Am 30. Januar hatte die WHO erstmals von einem internationalen Gesundheitsnotstand gesprochen, erst am 11. März erklärte Tedros Covid-19 zur Pandemie – nicht rechtzeitig, meinen manche. Das Robert Koch-Institut hatte im Vergleich jedoch noch am 6. März die Gefahr durch SARS-CoV-2 als „mäßig“ eingeschätzt. Auch Erfahrungen mit der Schweinegrippe könnten zur verhaltenen Warnung durch die WHO beigetragen haben: 2007 hatte sie zeitig vor einer Schweinegrippe-Pandemie gewarnt, die dann nicht kam, wofür es Tadel hagelte. Tedros weist darauf hin, dass die WHO zu Corona „früh Alarm geschlagen“ habe und stößt an, stattdessen die weltweiten Reaktionen auf die Hinweise der WHO zu prüfen.

Der Umgangston zwischen dem WHO-Generalsekretär und Chinas Präsident Xi Jinping ist ausgesprochen mild. Diese Diplomatie ist jedoch wichtig. Die WHO hat keinen Anspruch auf Informationen aus einzelnen Ländern, sie kann keinen Staat zur Herausgabe verpflichten. Entsprechend ist sie auf Kooperation und Kommunikation angewiesen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel jedenfalls stellte sich entgegen aller Kritik in einer Videobotschaft hinter die WHO: „Die Weltgesundheitsorganissation ist eine legitimierte globale Institution, bei der die Fäden zusammenlaufen.“

Gesa Van Hecke,
PTA und Redaktionsvolontärin

Quelle: Pharma Fakten

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