Die zugelassene Wirkstoffkombination Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil wird einmal täglich als Prävention gegen eine HIV-Infektion eingenommen. © nito100 / iStock / Getty Images Plus

HIV | Prophylaxe

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Gesetzliche Krankenversicherte in Deutschland können seit dem 1. September die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zum Schutz vor einer HIV-Infektion verschrieben bekommen. Was sollte man darüber wissen?

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Bislang war der Markt für eine solche Präexpositionsprophylaxe eher dünn. Die einzige in dieser Indikation bislang zugelassene Wirkstoffkombination war Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil (Truvada® und Generika). Ein solches Präparat kommt vor allem für Menschen in Frage, die ein substanzielles HIV-Infektionsrisiko haben. Diese Menschen sind zu diesem Zeitpunkt HIV-negativ und eine Einnahme soll als vorbeugende Maßnahme dienen. In diese Risikogruppe fallen laut den Deutsch-Österreichischen Leitlinien zur HIV- Präexpositionsprophylaxe unter anderem Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben und Menschen, die mit einem HIV-positiven Partner zusammen sind, die die Viruslast nicht ausreichend unter Kontrolle haben.

Dass eine solche PrEP von den Kassen übernommen wird, wurde im Terminservice- und Versorgungsgesetz, dass bereits Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, festgehalten. Allerdings einigten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung darauf, dass diese Regelung erst ab September in Kraft tritt. Es gibt bereits Krankenkassen, die mit der Erstattung früher begonnen haben, so wie DAK-Gesundheit. Bereits seit dem 1. Januar hat die Krankenkasse die Erstattung übernommen und im ersten Halbjahr haben laut DAK-Gesundheit bereits mehr als 300 Menschen diese Leistung wahrgenommen.

Allerdings darf nicht jeder Arzt eine solche Verordnung zulasten er Krankenkasse ausstellen. Der Arzt muss zuvor seine fachliche Befähigung nachweisen. Hierzu können Menschen auf der Website der deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte nachschauen, welche Praxen einen HIV-Schwerpunkt haben und eine PrEP-Prophylaxe anbieten.

Menschen, die eine PrEP verordnet bekommen, sollten täglich eine Tablette 200 mg Emtricitabin und 245 mg Tenofovirdisoproxil zu einer Mahlzeit einnehmen. Nimmt man diese Dosierung kontinuierlich ein, tritt ein Schutz vor einer HIV-Infektion für MSM frühestens am dritten Tag nach Einnahmebeginn ein. Bei Frauen beginnt der Schutz deutlich später. Erst ab dem achten Tag sind sie vor einer HIV-Infektion geschützt. Verantwortlich ist hierfür der Wirkspiegel, der in der Analschleimhaut schneller aufgebaut wird, als in der Vaginalschleimhaut. Möchten man das Präparat wieder absetzen, sollten MSM nach dem letzten ungeschützten Geschlechtsverkehr das Präparat noch mindestens zwei Tage, Frauen sieben Tage einnehmen.

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit der Einnahme und zwar die anlassbezogene. Bei dieser Vorgehensweise müssen zwei Tabletten 24 bis spätestens 2 Stunden vor dem Sex eingenommen werden. Anschließend täglich eine Tablette bis zwei Tage nach dem letzten ungeschützten Geschlechtsverkehr. Ein solches Einnahmeschema entspricht allerdings nicht der Zulassung und wird für Frauen mit Vaginalverkehr nicht empfohlen. Wirft man einen Blick in die Leitlinie, kann ein solches Schema bei Männern individuell angewandt werden. Weitere Informationen über die Einnahmeschemata sind auf der Website der Deutschen Aidshilfe anschaulich dargestellt.

Da es bei der bislang einzigen Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion kommen kann, ist diese Prophylaxemaßnahme für Menschen mit einer Creatinin-Clearance von unter 60 ml pro Minute kontraindiziert. Eine regelmäßige Überprüfung der Nierenfunktion sowie auf HIV und andere sexuell übertragbarer Infektionen sind während der Zeit der Einnahme der PrEP Standard und werden von den Krankenkassen übernommen. Eine ärztliche Beratung unter Berücksichtigung von Safer-Sex-Praktiken gehört ebenfalls in das Portfolio. Diese muss vor der ersten Verordnung durchgeführt werden. In der PROUD-Studie betrug die Schutzwirkung der PrEP unter realistischen Bedingungen 86 Prozent. Berücksichtigt man die Praktiken, kann man laut Leitlinie die Schutzwirkung auf 99 Prozent steigern.

Nadine Hofmann,
Leitung Online-Redaktion

Quelle: Pharmazeutische Zeitung

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