Stimmungsschwankungen und Depressionen
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Depressionen und Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen und Depressionen sind nicht das gleiche, obwohl sie sich durch gemeinsame Symptome zeigen können. Manchmal gehen sie schleichend ineinander über. Wann sind Freudlosigkeit und fehlender Antrieb krankhaft?

20 Minuten

Nicht jede gedrückte Stimmung ist gleich eine behandlungsbedürftige Depression. Jeder hat mal einen schlechten Tag. Vorübergehende Stimmungsschwankungen sind normal. Sie gehören zum Leben dazu und sind in der Regel kein Grund zur Sorge. 

Nicht immer muss für die Traurigkeit ein schwerer Schicksalsschlag verantwortlich sein. Man kann sich auch ohne erkennbaren Grund niedergeschlagen fühlen, denn Gefühle sind nicht immer rational nachvollziehbar. Manche Menschen neigen eher dazu, eine miese Laune zu entwickeln als andere. Jeder hat seine eigene Persönlichkeitsstruktur, sodass bestimmte Situationen verschiedenartig wahrgenommen oder gefühlsmäßig anders ausgedrückt werden.

Lernziele

Lernen Sie in dieser von der Bundesapothekerkammer akkreditierten Fortbildung unter anderem, 

  • wie man vorübergehende Stimmungsschwankungen und behandlungsbedürftige Depressionen unterscheidet, 
  • welche Symptome bei unipolaren und bipolaren Depressionen auftreten, 
  • welche neurobiochemischen Vorgänge bei Depressionen eine Rolle spielen, 
  • wie Depressionen behandelt werden können und 
  • was die Apotheke tun kann für an Depressionen erkrankte Personen. 

Bei Frauen kann eine Achterbahnfahrt der Gefühle auch hormonell bedingt sein. Typischerweise treten emotionale Verstimmungen beispielsweise auf im Zusammenhang  

  • mit dem weiblichen Zyklus,  
  • in der Schwangerschaft,  
  • nach der Geburt oder  
  • in den Wechseljahren. 

Normalerweise ist diese gedrückte Stimmung aber nur gering ausgeprägt und kurzfristig vorhanden. Ihr folgt bald wieder eine wohlgestimmte Phase. Und selbst in den schlechten Momenten können Betroffene ihren Alltag sowohl beruflich als auch privat weiterhin allein meistern. Sie benötigen keine professionelle Hilfe, obgleich positive Aktivitäten sowie eine Unterstützung durch Freunde und Familie sehr hilfreich sind, um rasch aus dem vorübergehenden Tief herauszukommen. 

Krankhaft traurig

Wird jedoch zunehmend die Lebensqualität beeinträchtigt oder hält die Verstimmung länger an, ist ein Arztbesuch anzuraten. Gegebenenfalls ist eine medizinische Unterstützung sinnvoll.  

Immer wieder kurzfristig auftretende Stimmungsschwankungen können die Betroffenen auch so sehr erschöpfen, dass sich die negativen Gefühle intensivieren. Die gedrückte Stimmung bleibt bestehen und wird sehr belastend. Solch ein Übergangsstadium wird auch als depressive Verstimmung bezeichnet. Im Unterschied zu einer Depression können Betroffene ihren Alltag und Beruf aber noch selbst bewältigen. 

Eine depressive Verstimmung kann vorübergehend sein. Sie kann sich aber auch zu einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung, einer Depression, weiterentwickeln. Ein derartiger Verlauf ist möglich, aber nicht zwingend. 

Eine behandlungsbedürftige Depression kann sich andererseits auch ohne eine vorherige Verstimmung plötzlich einstellen. Ebenso können sich leichte Stimmungstiefs stabilisieren und von allein wieder vergehen. 

Anzeichen einer Depression

Der Verdacht, dass sich eine ernsthafte psychische Erkrankung, eine Depression, entwickelt hat, liegt nahe, wenn die Betroffenen zunehmend das Interesse oder die Freude an Aktivitäten verlieren. Wenn es ihnen immer schwerer fällt, selbst einfachste Alltagstätigkeiten zu bewältigen, geschweige denn ihrer Arbeit nachzugehen. Menschen mit Depressionen vernachlässigen auch Dinge, die ihnen normalerweise Spaß machen oder die ihnen immer wichtig waren, wie Freundschaften pflegen oder Hobbys ausüben. 

Das Leben erscheint ihnen sinnlos, als eine schwere Last. Ihr gesamtes Wohlbefinden und Selbstwertgefühl ist nachhaltig beeinträchtigt. Spätestens jetzt ist der Betroffene zum Arzt weiterzuleiten, um eine Depression adäquat zu diagnostizieren und behandeln zu lassen.  

Freudlosigkeit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit – das sind typische Kernsymptome depressiver Phasen. Allerdings beschreiben nicht alle an einer Depression erkrankten Personen ihren Gemütszustand immer so. Viele berichten über unspezifische Beschwerden wie 

  • Schlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen, 
  • Appetitminderung, 
  • allgemeine Kraftlosigkeit oder 
  • anhaltende Schmerzen. 

Außerdem treten bei vielen Betroffenen zusätzlich Angstgefühle auf, meist ungerichtet als Zukunftsangst. Dazu gesellen sich noch ein leichtes Irritiertsein und ein Gefühl der Überforderung. 

Die Stimmung schwankt im Tagesverlauf. Typischerweise zeigt sich ein Morgentief und eine Aufhellung am Abend. 

Depressionen bei Männern

Vor allem Männer, die unter Depressionen leiden, klagen eher über körperliche Beschwerden wie 

  • Kopfschmerzen, 
  • Magenprobleme, 
  • Potenzstörungen oder sexuelle Unlust. 

Auch zählen erhöhte Reizbarkeit, Wut, Aggression, Feindseligkeit, Konzentrationsprobleme und die Flucht in eine Sucht (z. B. Alkohol, Drogen) zu den männerspezifischen Symptomen. Über die klassischen Depressionsmerkmale berichten eher Frauen. Da diese vorwiegend mit den gängigen Diagnoseverfahren abgefragt werden, wird auch vermutet, dass Männer häufig durch das Diagnoseraster fallen. 

Die Suizidrate depressiver Menschen ist etwa 20-mal höher als die der Durchschnittsbevölkerung. 50 Prozent aller Suizide gehen mit einer Depression im Alter einher. 

Altersdepression

Auch bei älteren Menschen zeigen sich Depressionen oft anders als bei jüngeren. Negative Emotionen wie Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit sind weniger deutlich ausgeprägt. Dafür treten körperliche Beschwerden wie Schmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche, Schlaf- oder Verdauungsstörungen in den Vordergrund.

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