Augenerkrankungen im Alter
PTA-Fortbildung

Blinde Flecken: Augenerkrankungen im Alter

Es juckt, es brennt, das Sehen wird unscharf oder verzerrt – diese Symptome betreffen viele ältere Menschen. Gerade im höheren Lebensalter sollten sie nicht als normale Alterserscheinung akzeptiert, sondern ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Sie können auf verschiedene Augenerkrankungen hinweisen. 

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Künstliche Tränen

Mittel der Wahl beim trockenen Auge sind benetzende Augentropfen. Es steht eine große Auswahl an Präparaten zur Verfügung, deren Einsatz sich nach dem Schweregrad und der Form der Benetzungsstörung richtet. 

Obgleich die meisten Präparate rezeptfrei erhältlich sind, kann eine augenärztliche Abklärung sinnvoll sein. Im Rahmen der Untersuchung kann festgestellt werden, ob vor allem ein Mangel der wässrigen Tränenanteile oder eine Störung der Lipidschicht vorliegt und wie ausgeprägt die Beschwerden sind. 

  • Steht eine verminderte Tränenproduktion im Vordergrund, sind wässrige Filmbildner angezeigt, die den Mangel an Tränenflüssigkeit ausgleichen und die Augenoberfläche zuverlässig befeuchten. 
  • Liegt hingegen eine Störung der Lipidschicht vor, müssen lipidhaltige Präparate verwendet werden. Sie ergänzen den verminderten Fettanteil, stabilisieren die äußere Schicht des Tränenfilms und reduzieren die Verdunstung der Tränenflüssigkeit. 

Feuchtigkeit ergänzen

  1. Bei milden, eher situativ auftretenden Beschwerden – etwa bei viel Bildschirmarbeit oder trockener Heizungsluft – sind niedrigviskose Tropfen mit Polymeren wie Polyvinylalkohol oder Povidon meist ausreichend. Sie befeuchten rasch, müssen jedoch häufiger angewendet werden. 
  2. Bei stärkeren oder regelmäßigen Beschwerden sind höher visköse Tropfen mit Filmbildnern wie den Cellulosederivaten Hypromellose und Carmellose sinnvoll. Sie verbleiben länger auf der Augenoberfläche und verlängern so die befeuchtende Wirkung. 
  3. Bringen die verschiedenen Tropfen nicht die gewünschte Linderung oder möchten die Betroffenen diese nicht so häufig applizieren, kommen länger haftende Gel-Präparate mit Carbomer infrage. Sie hinterlassen für einige Minuten einen Schmierfilm auf dem Auge, der kurzfristig die Sicht beeinträchtigen kann. Darauf sollten Sie Ihren Kunden hinweisen. 

Alternativ stehen Gele mit Naturstoffen wie dem Tamarindensamen-Polysaccharid zur Auswahl. Sie verflüssigen sich im Auge durch den Lidschlag rasch und sorgen daher schneller wieder für klare Sicht. Ebenso bilden Präparate mit Hydroxypropyl-Guar im Auge ein Gel, ohne Schlieren zu verursachen.  

Am häufigsten wird inzwischen Hyaluronsäure zur Befeuchtung eingesetzt. Sie gilt als besonders gut verträglich und eignet sich – abhängig von Konzentration und Molekülgröße beziehungsweise Kettenlänge – für leichte, mittelschwere und starke Beschwerden. Meist liegt Hyaluronsäure in Tropfenform vor, teilweise findet sie sich auch in Gelen, selten in Augensalben. Durch spezielle Zusätze, beispielsweise Carboxymethylcellulose, lässt sich eine besonders langanhaltende befeuchtende Wirkung erzielen. 

Kombinationspartner wie Dexpanthenol unterstützen die Regeneration der Augenoberfläche und sind insbesondere für die Nachbehandlung von Hornhautentzündungen empfehlenswert. Zusätze wie Glycerol oder Trehalose entfalten eine osmoprotektive Wirkung, indem sie die Osmolarität der Tränenflüssigkeit normalisieren. So schützen sie das Auge vorm Austrocknen und vor Entzündungen.  

Lipid-Defizit ausgleichen

In den lipidhaltigen Präparaten finden sich Lipidkomponenten wie 

  • Rizinusöl, 
  • mittelkettige Triglyceride, 
  • Paraffin, 
  • Phospholipide oder 
  • Perfluorhexyloctan. 

Für einen gezielten Lipidausgleich während des Tages liegen sie meist als Öl-in-Wasser-Emulsionen in Form von Augentropfen oder als liposomale Augensprays vor. Beide Varianten ergänzen den verminderten Lipidgehalt des Tränenfilms und stabilisieren damit die äußere Schicht des Tränenfilms. 

Liposomale Augensprays basieren auf der Liposomen-Technologie. Sie enthalten unter anderem Aminosäuren, Lecithin oder andere lipidähnliche Substanzen. Diese Präparate sind erklärungsbedürftig, da sie nicht ins, sondern auf das geschlossene Auge gesprüht werden. Beim anschließenden Blinzeln gelangen die Liposomen über die Lidränder ins Auge und damit in den Tränenfilm. Zudem pflegen sie gereizte Lidränder, was insbesondere bei einer gleichzeitig vorliegenden Lidrandentzündung (Blepharitis) von Vorteil ist. Viele Betroffene empfinden zudem die kühlende Wirkung der Augensprays als sehr angenehm. 

Lipidhaltige Gele spielen beim gezielten Lipidausgleich hingegen eine untergeordnete Rolle, da sie überwiegend wässrig-viskos wirken und nicht primär auf die Ergänzung der Lipidschicht ausgerichtet sind. Auch klassische Augensalben ersetzen die physiologische Lipidschicht nicht direkt. Durch ihren hohen Fettanteil bilden sie jedoch einen okklusiven Schutzfilm. Dieser reduziert die Verdunstung deutlich und trägt damit funktionell zu einer Stabilisierung des Tränenfilms bei – insbesondere über Nacht.

Tropfen, Gele oder Salben?

Unabhängig vom Wirkprinzip muss letztlich individuell ausprobiert werden, welches Präparat am besten vertragen wird und die größte Linderung verschafft. Als Faustregel gilt: 

Je ausgeprägter die Beschwerden, desto höher sollte die Viskosität des Präparates sein. 

Bei leichten Beschwerden genügen meist niedrigviskose Tropfen. Bei stärkeren Symptomen sind höher viskose Tropfen oder Gele sinnvoll, da sie länger auf der Augenoberfläche verbleiben. Augensalben zeichnen sich aufgrund ihres hohen Fettanteils durch eine besonders lange Haftung aus. Dadurch verbleiben sie über einen sehr langen Zeitraum auf der Augenoberfläche und bilden einen stabilen Schutzfilm. Daher eignen sie sich insbesondere bei stark ausgeprägten Beschwerden, bei unvollständigem Lidschluss oder zur intensiven nächtlichen Befeuchtung. Da sie das Sehen jedoch deutlich beeinträchtigen, werden sie bevorzugt vor dem Schlafengehen angewendet. 

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