Blinde Flecken: Augenerkrankungen im Alter
24 Minuten 1 Punkte
- 1Anatomie des Auges
- 2Trockene Augen: Ursachen
- 3Trockene Augen befeuchten
- 4Entzündungen des Auges
- 5Entzündungen am Lid
- 6Sehschwäche
- 7Beratungstipps
- 8Lernerfolgskontrolle
01. August 2026
Nachlassendes Sehvermögen
Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko für bestimmte Augenerkrankungen wie Katarakt (Grauer Star) und Glaukom (Grüner Star) und die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Allen drei Erkrankungen ist gemeinsam, dass sie meist schleichend zu einer Verschlechterung des Sehvermögens führen.
Betroffene bemerken häufig zunächst unscharfes, verschwommenes Sehen, eine verminderte Kontrastwahrnehmung oder zunehmende Schwierigkeiten beim Lesen und Erkennen von Details. Während beim Katarakt eine Eintrübung der Linse im Vordergrund steht, führen beim Glaukom vor allem Gesichtsfeldausfälle zu Sehproblemen und bei der AMD Störungen des zentralen Sehens.
Katarakt
Der Katarakt ist eine fortschreitende Eintrübung der Augenlinse, die zu einem zunehmend verschlechterten Sehen (Visusminderung) führt. Typische Symptome sind verschwommenes Sehen und erhöhte Lichtempfindlichkeit – insbesondere bei Gegenlicht oder nächtlichem Autofahren. Zudem sehen die Betroffenen häufig Doppelbilder und nehmen Farben verändert wahr, nämlich verblasst oder gelblich.
Therapie der Wahl ist beim Katarakt eine Operation, bei der die getrübte Linse durch eine künstliche Linse ausgetauscht wird. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant. Postoperativ werden antibiotische Augentropfen zur Infektionsprophylaxe eingesetzt sowie antiphlogistische (meist corticosteroidhaltige oder nichtsteroidale) Augentropfen zur Kontrolle der Entzündungsreaktion.
Da es nach der Operation häufig vorübergehend zu einer Störung der Tränenfilmstabilität kommt, sind zusätzlich befeuchtende Augentropfen sinnvoll.
Glaukom
Das Glaukom ist eine chronisch progrediente Schädigung des Sehnervs (Optikusneuropathie). Ein erhöhter Augeninnendruck ist der wichtigste Risikofaktor. Beim primären Offenwinkelglaukom liegt meist ein Missverhältnis zwischen Kammerwasserproduktion und -abfluss zugrunde, wodurch es zu einem chronischen Druckanstieg kommt. Allerdings kann ein Glaukom auch bei normalem Augeninnendruck auftreten (Normaldruckglaukom).
Da der Sehverlust beim chronischen Offenwinkelglaukom schleichend und schmerzfrei verläuft, bleibt die Erkrankung häufig lange unbemerkt. Treten Gesichtsfeldausfälle auf, sind bereits erhebliche Anteile der Nervenfasern geschädigt. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind daher insbesondere im höheren Lebensalter von großer Bedeutung.
Der Augenarzt misst den Augeninnendruck und kann rechtzeitig eine Therapie zur Senkung des Augeninnendrucks einleiten.
- Prostaglandin-Analoga (z. B. Latanoprost, Travoprost) gelten heute als Mittel der ersten Wahl. Sie verbessern den Kammerwasserabfluss und senken den Augeninnendruck besonders effektiv.
- Betablocker (z. B. Timolol) reduzieren die Kammerwasserproduktion durch Blockade der Beta-Rezeptoren im Ziliarkörper.
- Auch Carboanhydrasehemmer (z. B. Brinzolamid, Dorzolamid) senken die Kammerwasserproduktion.
- Alpha-2-Agonisten wie Brimonidin wirken sowohl sekretionshemmend als auch abflussfördernd und kommen bei unzureichender Drucksenkung zum Einsatz.
Am stärksten lässt sich der Druck im Auge mit Prostaglandin-Analoga (z. B. Latanoprost, Travoprost) durch Verbesserung des Kammerwasserabflusses senken. Beim akuten Winkelblockglaukom (akuter Glaukomanfall) kann das Parasympathomimetikum Pilocarpin durch Miosis den Kammerwinkel öffnen und rasch zur Drucksenkung beitragen.
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Die AMD ist eine der häufigsten Ursachen für Sehverschlechterungen im höheren Lebensalter. Dabei kommt es zu Veränderungen im Bereich der Makula – dem Punkt des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Da dieser Bereich für das Lesen, das Erkennen von Gesichtern und feine Details entscheidend ist, beeinträchtigt die Erkrankung vor allem das zentrale Sehvermögen, während das äußere Gesichtsfeld meist erhalten bleibt.
In frühen Stadien verläuft die AMD häufig unbemerkt. Mit Fortschreiten der Erkrankung berichten Betroffene über verzerrt wahrgenommene Linien, verschwommenes Sehen oder einen dunklen Fleck im Zentrum des Gesichtsfeldes.
Man unterscheidet eine trockene Form, die langsam fortschreitet, und eine feuchte Form. Bei der feuchten Form führen krankhafte Gefäßneubildungen unter der Netzhaut zu einem Flüssigkeitsaustritt und zu Ödemen, die mit einer rascheren Sehverschlechterung einhergehen.
Eine frühzeitige augenärztliche Diagnose ist wichtig, um die jeweilige Form der AMD zu erkennen und ihr Fortschreiten zu verlangsamen.
Neben regelmäßigen Kontrollen können auch eine gesunde Ernährung und das Meiden von Risikofaktoren wie Rauchen dazu beitragen, den Erkrankungsverlauf günstig zu beeinflussen. Ebenso sollte ein dauerhaft erhöhter Bluthochdruck vermieden werden, denn er kann die feinen Blutgefäße der Netzhaut langfristig schädigen. Damit stellt hoher Blutdruck einen möglichen Risikofaktor für die AMD dar.
Erhöhte Blutzuckerwerte gelten dagegen nicht als direkter Risikofaktor für eine AMD. Bei Diabetikern kann jedoch eine diabetische Retinopathie entstehen, bei der geschädigte Netzhautgefäße zu Blutungen, Flüssigkeitseinlagerungen oder Durchblutungsstörungen führen können. Ist dabei der Bereich des schärfsten Sehens betroffen, also die Makula, spricht man von einem diabetischen Makulaödem. Durch geschädigte und undichte Gefäße gelangen Flüssigkeit und Eiweiße in die Makula, wodurch sich dieser Netzhautbereich verdickt und anschwillt. Menschen mit Hypertonie oder Diabetes mellitus sollten deshalb ihre Erkrankungen regelmäßig beim Arzt kontrollieren und gut einstellen lassen.
Therapie
Studien zeigen, dass spezielle Nahrungsergänzungsmittel mit einer Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, Zink, Kupfer, Lutein und Zeaxanthin das Fortschreiten in mittleren und fortgeschrittenen Stadien verlangsamen können. Diese Kombination ist als AREDS-2-Formel bekannt und geht zurück auf die große klinische Age-Related Eye Disease Study (Studie zu altersbedingten Augenerkrankungen) des National Eye Institute in den USA. In dieser Studie wurde geprüft, welche Kombinationen von Vitaminen und Spurenelementen das Fortschreiten der AMD verlangsamen können.
Bei der feuchten Form der AMD besteht die Standardtherapie in der regelmäßigen intravitrealen Injektion von Medikamenten, die den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) hemmen. Dieser Botenstoff fördert das Wachstum krankhafter, undichter Blutgefäße unter der Netzhaut, die zu Flüssigkeitsansammlungen und einer Schädigung der Makula führen. Wirkstoffe wie Ranibizumab, Aflibercept oder Faricimab werden direkt in den Glaskörper des Auges injiziert und können das Fortschreiten der Erkrankung häufig bremsen und das Sehvermögen stabilisieren. In der Regel sind dafür wiederholte Behandlungen in regelmäßigen Abständen erforderlich.
Und was ist eine Netzhautablösung?
Eine Netzhautablösung ist ein augenärztlicher Notfall, bei dem sich die lichtempfindliche Netzhaut von der darunterliegenden Gewebeschicht löst. Häufig kündigt sich die Erkrankung an durch Lichtblitze, plötzlich auftretende Rußregen-artige Punkte oder vermehrte Mouches volantes, die sogenannten Fliegenbeine, oder Schatten („Balken“, „Vorhang“) im Gesichtsfeld.
Ursache sind meist Risse oder Löcher in der Netzhaut, durch die Flüssigkeit unter die Netzhaut gelangt und sie vom Untergrund abhebt. In vielen Fällen liegen altersbedingte Veränderungen des Glaskörpers zugrunde. Begünstigt werden kann eine Netzhautablösung aber auch
- durch starke Kurzsichtigkeit,
- nach Operationen am Auge (z. B. bei Grauem Star),
- durch Verletzungen des Auges
- oder durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus, AIDS oder Augentumoren.
Bleibt eine Netzhautablösung unbehandelt, kann dies zu einer dauerhaften Sehverschlechterung führen. Daher muss bei entsprechenden Symptomen umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Behandlung – etwa durch Lasertherapie oder einen operativen Eingriff – kann in vielen Fällen das Sehvermögen erhalten.
Da die Betroffenen ein erhöhtes Risiko für eine weitere Netzhautablösung am anderen Auge tragen, sind regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt unerlässlich.











