Augenerkrankungen im Alter
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Blinde Flecken: Augenerkrankungen im Alter

Es juckt, es brennt, das Sehen wird unscharf oder verzerrt – diese Symptome betreffen viele ältere Menschen. Gerade im höheren Lebensalter sollten sie nicht als normale Alterserscheinung akzeptiert, sondern ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Sie können auf verschiedene Augenerkrankungen hinweisen. 

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Konjunktivitis

Nicht nur das trockene Auge äußert sich durch tränende und brennende Augen. Treten zusätzlich Juckreiz, eine deutliche Rötung sowie geschwollene Augenlider auf, kann eine Bindehautentzündung, die Konjunktivitis, vorliegen. Durch die Entzündung erweitern sich die Blutgefäße der Bindehaut, sodass das Auge gerötet erscheint und die Lider anschwellen. 

Häufig klagen Betroffene außerdem über ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Auge. Eine vermehrte Sekretbildung kann zudem dazu führen, dass die Lider, vor allem morgens nach dem Aufwachen, verklebt sind. 

Allergische Konjunktivitis

Besonders im Frühling und Sommer klagen viele Betroffene über entsprechende Beschwerden. In dieser Zeit sind vermehrt Inhalationsallergene wie Pollen oder Tierhaare in der Luft, die bei sensibilisierten Personen eine allergische Konjunktivitis auslösen können. Typischerweise jucken beide Augen und weisen ein wässriges Sekret auf. Bestehen zusätzlich nasale Symptome, spricht man von einer Rhinokonjunktivitis. 

Die Erkrankung beginnt meist bereits im Kindes- oder Jugendalter; etwa 80 Prozent der Betroffenen erkranken vor dem 30. Lebensjahr. Mit zunehmendem Alter kann sich das Krankheitsbild abschwächen oder sogar vollständig zurückbilden. Ein erstmaliges Auftreten im Erwachsenen- oder höheren Lebensalter ist jedoch ebenfalls möglich. 

Therapeutisch sind antiallergische Augentropfen mit Azelastin, Levocabastin, Ketotifen oder Olopatadin Mittel der ersten Wahl. Die ersten drei Wirkstoffe sind schon seit Langem rezeptfrei erhältlich. Nun steht mit Olopatadin eine weitere Option für die Selbstmedikation zur Verfügung. Es wirkt rasch – oft innerhalb weniger Minuten – und besitzt neben seiner antihistaminergen Wirkung zusätzlich mastzellstabilisierende Eigenschaften mit präventivem Effekt. 

Nicht-allergische und infektiöse Ursachen

Eine Konjunktivitis kann auch durch physikalische Reize wie Zugluft, Wind, Staubbelastung, chloriertes Schwimmbadwasser oder langes Tragen von Kontaktlinsen ausgelöst werden. Nicht selten sind infektiöse Erreger beteiligt. 

Meist beginnt die Bindehautentzündung einseitig und breitet sich kurze Zeit später auf das zweite Auge aus. Ein eitriges, gelblich-grünes Sekret spricht eher für eine bakterielle Ursache, während eine klare, wässrige Absonderung typisch für virale Infektionen ist.  

Virale Konjunktivitiden treten häufig im Anschluss an eine Erkältung auf und werden meist durch Adenoviren verursacht. Saisonal gehäuft finden sich bestimmte Serotypen als Auslöser, insbesondere 8, 19 und 37. Sie sind äußerst ansteckend und lösen ausgeprägte Symptome aus. Man spricht in diesen Fällen von einer Augengrippe, der Keratokonjunktivitis epidemica, einer in Deutschland meldepflichtigen Erkrankung. 

Viren oder Bakterien?

Bakterielle Konjunktivitiden sind in der Regel so lange ansteckend, bis die Symptome vollständig abklingen – meist ist dies unter einer antibiotischen Behandlung etwa nach 24 bis 48 Stunden der Fall. Virale Konjunktivitiden bleiben hingegen während der gesamten Krankheitsdauer infektiös – häufig über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen. 

Herpes am Auge

Mit zunehmendem Alter steigt infolge der nachlassenden Immunabwehr auch das Risiko für Herpesinfektionen am Auge. Typisch sind zusätzlich auftretende, flüssigkeitsgefüllte Bläschen an den Augenlidern. Bei einem Herpesbefall ist eine rasche antivirale Therapie erforderlich, da sich die Viren unbehandelt auf die Hornhaut ausbreiten können. Dauerhafte Schäden mit Narbenbildung, die die Sehschärfe beeinträchtigen, sind dann die Folge. 

Leichte Infektionen werden topisch mit einer Aciclovir-haltigen Augensalbe therapiert. Schwere Verläufe oder ein Rezidiv erfordern die systemische Anwendung von Virostatika wie Valaciclovir oder Aciclovir. 

Chlamydien

Bei gesicherter Chlamydieninfektion (Konjunktivitis granulosa trachomatosa, Trachom) ist eine systemische bakterielle Therapie mit Azithromycin indiziert. Das Trachom zählt weltweit zu den häufigsten Augenerkrankungen und stellt die bedeutendste infektiöse Ursache für Erblindung dar. Die Erkrankung wird per Schmierinfektion oder durch Fliegen übertragen und tritt vor allem im globalen Süden unter schlechten Hygienebedingungen und bei unzureichender Wasserversorgung auf. Hierzulande ist sie also selten anzutreffen, wird aber gelegentlich bei Personen diagnostiziert, die sich zuvor in entsprechenden Endemiegebieten aufgehalten haben.

Therapeutische Zurückhaltung

Antibiotische Augentropfen oder -salben sollten prinzipiell zurückhaltend eingesetzt werden, da „normale“ akute bakterielle Konjunktivitiden häufig selbstlimtierend sind. Erst wenn nach etwa 48 Stunden keine Besserung eintritt, ist eine lokale antibiotische Therapie indiziert, zum Beispiel mit Gentamicin, Kanamycin oder Ofloxacin.  

Auch bei topischen Corticosteroiden ist Vorsicht geboten. Sie werden zwar bei schweren oder unklaren Verläufen eingesetzt, können jedoch durch ihre immunsuppressive Wirkung Infektionen verlängern. Zudem erhöhen sie bei längerer Anwendung das Risiko für Glaukom (Grüner Star) oder Katarakt (Grauer Star) – Erkrankungen, die insbesondere im höheren Lebensalter auftreten.

Keratitis & Uveitis

Werden akute Augeninfektionen nicht behandelt, können sie schwerwiegende Folgen haben. Breitet sich die Entzündung auf die Hornhaut aus, droht die Entwicklung einer Keratitis. Diese kann chronisch verlaufen und die Transparenz der Hornhaut dauerhaft beeinträchtigen. In der Folge kommt es zu einer Verminderung der Sehschärfe. In schweren Fällen sind irreversible Schäden bis hin zum Verlust des Sehvermögens möglich. 

Eine Keratitis äußert sich durch tränende, gerötete und brennende Augen, ausgeprägte Lichtempfindlichkeit sowie ein Fremdkörpergefühl. Typisch sind zudem deutliche Schmerzen – ein wichtiges Warnsignal, das immer Anlass zu einem umgehenden Arztbesuch sein sollte. Zwar ist die Erkrankung insgesamt selten, sie gilt jedoch als potenziell gefährlich, da sie sich unbehandelt auf tiefere Augenstrukturen ausbreiten kann. 

Gefürchtet ist insbesondere eine Uveitis, eine Entzündung der mittleren Augenhaut (Uvea). Zu ihr gehört unter anderem die Regenbogenhaut (Iris), die auch isoliert entzündet sein kann (Iritis). Besonders Kontaktlinsenträger tragen ein erhöhtes Risiko, da durch kleine, oft unbemerkte Vorschädigungen der Hornhaut das Eindringen von Bakterien, Viren oder Pilzen begünstigt wird. 

Neben infektiösen Ursachen kommen bei der Uveitis auch Autoimmunerkrankungen als Auslöser infrage. 

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Nicht-infektiöse Formen werden in der Regel mit Glucocorticoiden behandelt. Reichen lokal angewendete Corticosteroide wie Prednisolon oder Dexamethason nicht aus, kann eine systemische Cortisontherapie erforderlich sein. In schweren oder chronischen Fällen kommen zusätzlich Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Biologika wie Adalimumab zum Einsatz.

Ein Fall für den Arzt

Einige Augenerkrankungen zählen zu den Notfällen, die eine sofortige augenärztliche Behandlung erfordern, beispielsweise eine Netzhautablösung oder ein Glaukomanfall. Ansonsten gilt die Faustregel, den Augenarzt bei nicht besser werdenden Beschwerden spätestens nach 48 Stunden aufzusuchen. In diesen Fällen müssen Sie zum Arztbesuch raten:  

  • Ausbleibende Besserung nach 24 bis 48 Stunden 
  • Plötzlicher Sehverlust oder deutliche Sehverschlechterung 
  • Verschwommenes oder verzerrtes Sehen (z. B. im Amsler-Gitter) 
  • Gesichtsfeldausfälle (schwarze Balken oder Vorhänge im Blickfeld) 
  • Doppeltsehen 
  • Lichtblitze, „Rußregen“ oder viele neue Mouches volantes 
  • Starke Lichtempfindlichkeit 
  • Starke Augenschmerzen oder ausgeprägte Rötung 
  • Schmerzen bei Augenbewegungen 
  • Fremdkörpergefühl, das länger anhält 
  • Ausgeprägte Schwellung des Augenlids 
  • Wiederholtes Auftreten eines Gerstenkorns 
  • Starke oder eitrige Sekretbildung  
  • Augenverletzungen oder chemische Reizungen 
  • Sehverschlechterung bei Kontaktlinsenträgern 
  • Plötzlich auftretende Sehprobleme in Verbindung mit starken Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen 
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