Augenerkrankungen im Alter
PTA-Fortbildung

Blinde Flecken: Augenerkrankungen im Alter

Es juckt, es brennt, das Sehen wird unscharf oder verzerrt – diese Symptome betreffen viele ältere Menschen. Gerade im höheren Lebensalter sollten sie nicht als normale Alterserscheinung akzeptiert, sondern ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Sie können auf verschiedene Augenerkrankungen hinweisen. 

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Blepharitis

Ebenso wie die Bindehautentzündung auch äußert sich eine diffuse Entzündung des Lidrandes (Blepharitis) durch gerötete, juckende und tränende Augen und ein Fremdkörpergefühl. Zudem sind die Lider häufig verklebt – insbesondere morgens nach dem Aufwachen. Oft sind die Lidkanten beider Augen gerötet und geschwollen. Gelegentlich finden sich Schuppen oder Krusten im Bereich der Wimpern. Die Erkrankung verläuft in vielen Fällen chronisch und schubweise. 

Nicht selten geht sie zudem mit einem trockenen Auge einher. Ursächlich liegt meist eine Funktionsstörung der Meibom-Drüsen (Meibom-Drüsen-Dysfunktion) vor. Dabei verändert sich die Zusammensetzung des Drüsensekrets: Es wird zähflüssiger und kann die Ausführungsgänge der Drüsen verstopfen. In der Folge entsteht eine chronische Entzündungsreaktion am Lidrand. Eine bakterielle Besiedlung kann zusätzlich zur Entzündung beitragen, muss aber nicht vorhanden sein. 

Besonders häufig tritt eine Blepharitis im höheren Lebensalter auf. Altersbedingte Veränderungen der Liddrüsen sowie eine veränderte Zusammensetzung des Drüsensekrets begünstigen eine Meibom-Drüsen-Dysfunktion. Zusätzlich tragen die altersbedingt nachlassende Immunabwehr sowie häufiger auftretende Hauterkrankungen wie Rosazea oder seborrhoische Dermatitis zu Entzündungen am Lidrand bei. 

Die frühzeitige und konsequente Behandlung ist wichtig. Denn eine unbehandelte Blepharitis begünstigt die Entstehung eines trockenen Auges sowie von Gersten- oder Hagelkörnern.

Hagelkorn

Auch das Hagelkorn (Chalazion) entsteht durch eine Verstopfung einer Meibom-Drüse im Augenlid. Im Unterschied zur Blepharitis ist die Entzündung jedoch lokal begrenzt. Typisch ist ein derber, meist schmerzloser Knoten im Lid, der gelegentlich mit einer leichten Rötung einhergehen kann. Beim Hagelkorn liegt in der Regel keine bakterielle Infektion vor. Eine bakterielle Sekundärinfektion kann jedoch auftreten. 

Hagelkörner bilden sich häufig spontan zurück. Bleibt der Knoten über längere Zeit bestehen oder verursacht er Beschwerden, kann eine operative Entfernung erwogen werden.

Gerstenkorn

Das Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine akute bakterielle Infektion einer Liddrüse, die sich als kleines eitergefülltes Knötchen am Lidrand zeigt. Oft sind die Meibom-Drüsen an der Lidinnenseite (Hordeolum internum) betroffen, seltener entzünden sich die Moll- oder Zeis-Drüsen am äußeren Lidrand (Hordeolum externum). Auslöser sind meist Staphylokokken, die natürlicherweise Haut und Schleimhäute besiedeln und beispielsweise über die Hände ins Auge gelangen können. 

Typisch sind eine lokale Rötung sowie Schmerzen und Druckempfindlichkeit am Lidrand. In der Regel öffnet sich das Gerstenkorn nach ein paar Tagen von selbst, sodass der Eiter abfließen und die Entzündung allmählich abheilen kann. Komplikationen wie eine begleitende Konjunktivitis, ein Lidabszess oder eine Ausbreitung der Entzündung auf die Augenhöhle sind selten. 

Treten Gerstenkörner jedoch wiederholt auf, kann dies auf ein geschwächtes Immunsystem oder eine zugrunde liegende Erkrankung hinweisen. In solchen Fällen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Wärme und Lidrandpflege

Eine zentrale Rolle in der Behandlung von Erkrankungen der Lidränder und der dort mündenden Liddrüsen spielt die konsequente Lidrandpflege. Ziel ist es, zähes gestautes Drüsensekret zu verflüssigen, den Abfluss aus den Meibom-Drüsen zu verbessern und entzündliche Prozesse am Rückfällen vorbeugen. Gleichzeitig wird die Lipidproduktion der Liddrüsen angeregt. Dadurch stabilisiert sich der Tränenfilm, was zudem einem trockenen Auge entgegenwirken kann.  

  1. Zu Beginn werden mehrmals täglich (etwa drei- bis viermal) warme Kompressen auf die geschlossenen Augenlider aufgelegt oder eine kurze Rotlichtbestrahlung durchgeführt (zweimal täglich etwa zehn Minuten). Die Wärme verflüssigt das in den Meibom-Drüsen angestaute, zähflüssige Sekret und erleichtert so dessen Abfluss. 
  2. Anschließend folgt die eigentliche Lidrandpflege: Mit fusselfreien Wattepads oder Kompressen, die mit speziellen Reinigungs- und Pflegelotionen getränkt sind, werden die geschlossenen Augenlider sanft gereinigt. 
  3. Danach können Ober- und Unterlid vorsichtig mit einem Wattestäbchen in Richtung Lidspalt massiert werden, um das erwärmte Drüsensekret aus den Meibom-Drüsen auszudrücken.

Antiseptische und antibiotische Augensalben

Antiseptische Augensalben (z. B. mit Bibrocathol) können die Behandlung ergänzen, indem sie die bakterielle Besiedlung am Lidrand reduzieren. Sie werden vor allem beim Gerstenkorn eingesetzt, da hier eine akute bakterielle Infektion vorliegt. Heilt das Gerstenkorn dennoch nicht ab, kann der Arzt antibiotische Augensalben (z. B. mit Gentamicin) verordnen oder schließlich das Gerstenkorn unter sterilen Bedingungen eröffnen. 

Bei einer Blepharitis und einem Hagelkorn werden antiseptische Präparate nicht routinemäßig eingesetzt. Sie können aber unterstützend sinnvoll sein, insbesondere wenn eine bakterielle Sekundärinfektion vermutet wird.

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